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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-15 · Heft 8 (15.2.1847) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 8 (15.2.1847)
Date
1847-02-15
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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119 soll und welche den Namen desjenigen führt, der so viel Gutes und Edles ausgesäet hat, wird wol denjenigen nicht gleichgültig sein, die Wohlthätigkeit gern üben, Berlin, den 22. Januar 1847. Kuratorium der Moses Mendelssohnschen Waisen-Erziehungsanstalt der hiesigen jüd. Gemeine. W. Beer, Diesterweg, PH. Hellborn, Krech, Joseph Mendelssohn, Alexander Mendelssohn, I. Muhr, W. Rieß, Rubo. Bechuirr, im Januar. Die Stadtverordneten haben eine Petition um Gleichstellung der Juden an die Landstände beschlossen. Berlin, im Februar. Das Oberlandesgericht zu Königsberg hatte in der Dr. Falkson'schen Ehesache an das hiesige Rabbinat die Frage gerichtet: ob die Juden sich den christlichen Ehegesetzen unterziehen können? Die Antwort lautet dahin, daß, soweit diese christlichen Ehegesetze die allgemein menschlichen sind, allerdings. Nur insofern sie spezifisch christlich sind, wie die christliche Trauung, nicht. Bom Niederrhei«, im Januar. (Privatmitth.) Eines der größten Mängel, welche sich im hiesigen Sprengel vorsinden und welches sich in neuester Zeit am Fühlbarsten gezeigt hat, ist der Mangel einer höher» Lehranstalt für Israeliten. Ja, gleichsam als ein Geisteszwang muß es betrachtet werden, wenn ein Genie sich nicht nach Wunsch ausbilden und seinen Wissensdurst befriedigen kann. Denn bei allem Jndifferentismus, der leider jetzt vorherrschend ist und immer mehr Terrän gewinnt, muß man doch eingestehen, daß es auch noch Leute giebt, welche am Hebräischen Gefallen finden und theils aus Pietät, theils aus Wißbegierde diese Sprache gern gründlicher lernen mögen, als es in den Elementarschulen geschehen kann, um in den herrlichen Werken, welche wir in dieser Sprache besitzen, die Goldkörner rabbinischer Weisheit sich eigen zu machen. Und ist es nicht schrecklich und muß cs nicht als ein fürchterlicher Geisteszwang erscheinen, daß einem solchen Wollen nicht Genüge geleistet werden kann! Haben die Katholiken und Evangelischen höhere Lehranstalten, als: Real-, Rektoral- und höhere Bürgerschulen, warum sollen die Israeliten deren keine haben? Haben doch sogar christliche Geistliche derartige Schulen errichtet, warum sollen die jüdischen Zurückbleiben? Die Zeit hat ihre Forderungen. Warum sollen wir aber keine Schule haben, worin sowol den Forderungen der Zeit, als auch denen der Religion und der Kenntniß unsrer Sprache und Literatur genügt wird? Wie oft ist nicht der Familienvater auf dem Lande in der größten Verlegenheit, weil er nicht weiß, wohin er seine Söhne schicken soll! Wie oft habe ich nicht von frommen Eltern die Klage gehört über den Mangel einer solchen jüdischen Schule. Denn Jeder, dessen Herz noch einigermaßen für das Erbtheil seiner Väter empfänglich ist, muß das Leidwesen empfinden, welches der haben muß, der genöthigt ist seine Söhne, wenn sie der Elementarschule entwachsen sind, in eine christliche höhere Lehranstalt zu schicken, wo sie aller Religion bar sind und das Wenige, was sie aus der Elementarschule behalten haben, schnell vergessen werden (spcn sporn nVti sagt der weise Hillel), oder zu einem christlichen Geistlichen. Welche Folgen dieses haben kann, hat die Zeit genügsam gelehrt. Es wäre daher an der Zeit eine Anstalt zu gründen, wo neben den Wissenschaften, welche die Zeit fordert, auch das Jüdische, d. h. die hebräische Sprache und Religion gelehrt würde. In früherer Zeit hatten wir die Jeschibot, einige sogar reich dotirt, worin Letzteres gelehrt wurde, sollen wir in unsrer erleuchteten Zeit unseren Alten nachstehen? oder soll es so weit kommen, daß der Bürger zum wirklichen Laien wird, welches noch nie in Israel gewesen? Für einen Sprengel wie der unsrige ist die Gründung einer solchen Anstalt ja nur ein Kleines und Krefeld, der Hauptort, wäre auch recht passend dazu. Die Anstalt könnte z. B. Israelitische Realschule genannt werden und in dieser Schule möchte dann gelehrt werden außer den Realien, französische und englische Sprache, hebräische Grammatik, Kommentaren und einige religionsphilosophische Schriften und später auch Einiges aus dem Talmud. Die segenreichcn Folgen dieser Anstalt lassen sich gar nicht berechnen. Möge daher ein wohllöbl. israelitisches Konsistorium zu Krefeld dieses in reifliche Erwägung ziehen und der Herr Oberrabbiner Bodenheimer, der schon Vieles für Schulen gethan, wird gern diesen Plan verwirklichen helfen. Derselbe hätte dann vorzüglich die hebräischen Fächer, namentlich die theologischen, philologischen und philosophischen Fächer zu übernehmen, was um so eher geschehen könnte, da der Herr Oberrabbiner bereits jeden Tag jetzt schon sieben Schüler darin

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