Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 8 (15.2.1847)
- Date
- 1847-02-15
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
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117 den Beschränkungen in gewerblicher Beziehung an die königliche Regierung überwiesen. Bon der Elbe, 1V. Februar. (Privatmitth.) Wenn in den Bestrebungen der Juden um bürgerliche Gleichstellung offenbar gegen das vergangene Jahrzehend eine gewisse Lauheit, ein Stillstand eingetreten ist, so daß der Kampf um dieselbe gegen die anderen Zeitfragen nur schwach betrieben wird: so ist es um so nothwendiger von Zeit zu Zeit daran zu erinnern, daß unsre Aufgabe noch lange nicht gelöst ist. Ueberblicken wir den großen jüdischen Stamm, so ersieht man mit Niedergeschlagenheit, wie gering die Zahl der Juden ist, die unter dem Lichte der bür-' gerlichen Gleichstellung leben. Die 30,000 von Nordamerika, die 20,000 von England, die 50,000 von Holland, die 1000 in Belgien, die 100,000 von Frankreich — zusammen circa 200,000 Seelen, von den 5 bis 6 Millionen Nachkommen Abrahams! Rechnet man nun noch die Summe der Juden in Dänemark, Schweden, in den deutschen Staaten, Preußen und Ungarn, welche sich einer halben Emanzipation, hier etwas mehr, dort weniger, erfreuen: so erkennt man die große Zahl unserer Glaubensgenossen, welche noch weitab von dem freundlichen Ziele einer angemessnen Stellung stehen, ja, auf denen das Mittelalter noch mit seinem ganzen, schweren Drucke lastet! Je größer daher die Hindernisse noch erscheinen, die uns im Wege stehen, je mehr Schwierigkeiten wir noch zu überwinden haben: desto weniger dürfen wir feiern. Denn jeder Schritt vorwärts ist nicht allein ein Vortheil für die Betheiligten, sondern auch eine Bürgschaft für die Zukunft, eine Bedingung mehr für die Nachbaren. Magdeburg, 1. Februar. In einem Schreiben protestirt ein Mitglied des „Montagskränzchens" in Frankfurt am Main, Herr Th. B., gegen den Art. in No. 3. d. Z., indem er daraus hinweist, daß dieser Verein durchaus nur „harmlos den Tageserscheinungen in kirchlicher Beziehung das Ohr leiht", und in seinen 680 Mitgliedern alle Konfessionen vertritt. Der Art. habe im Schooße des Kränzchens eine herbe Zurechtweisung erhalten, so wie alle gegen die Juden gerichteten Bestrebungen nicht minder in ihm eine Abweisung erhalten, was mit Beispielen belegt wird. Wir müssen es dem Abfasser jenes Artikels in Frankfurt am Main überlassen, seine gegnerische Ansicht weiter zu begründen. Da der Einsender nicht den Abdruck des Briefes, sondern nur die Darstellung aus demselben verlangte, so ist dies hiermit geschehen. Redakt. Preußen. Berlin, 2. Februar. (Voss. Ztg.) Am 31. Januar feierte die Gesellschaft jüdischer Gewerbetreibenden zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen, das Fest ihres einjährigen Bestehens durch eine statutenmäßig abgehaltene Generalversammlung. Aus dem Berichte des Vorstehers ergab sich das sehr günstige Resultat, daß nur 21 Individuen Behandlung und Unterstützung, oder nur die Erstere, unentgeldlich vom Verein verlangt hätten und daß 300 Thlr. zum eisernen Fonds geschlagen werden konnten. — In einer ziemlich stürmischen, aber sehr gut geleiteten Debatte kamen mehre Vorschläge zur Sprache, welche auf eine Aenderung der Statuten hinzielten. Es wurde jedoch für rathsam befunden, den Werth der bestehenden Gesetze, welche bisher, mit Ausnahme eines einzigen Falles, genügt hätten, durch ein mehrjähriges Bestehen derselben zu prüfen, und vielleicht in der nächsten oder einer spätem Generalversammlung die Revision der Statuten vorzunehmen. — Hieran knüpfte sich ein heiteres Abendessen, bei welchem der eben so gemüthliche Ton der Theilnehmer ein ehrendes Zeugniß für die Bildung unsrer Gewerbetreibenden gab. Die Reihe der Toaste wurde mit einem einstimmigen Hoch! auf das Wohl unsres allgemein geliebten Landesvaters, des thatkräftigen Beschützers der Gewerbe, eröffnet. Zunächst theilte alsdann der Vorsteher die Ergebnisse der neuen Wahlen mit, woran er einen Trinkspruch für das Gedeihen des Vereins knüpfte, den die ganze Gesellschaft durch ein dem Vorstande und den Aerzten des Vereins dargebrachtes Lebehoch erwiderte. Hierauf erhob sich ein sehr geachtetes Ehrenmitglied, um in einer kurzen Rede zu zeigen, wie hoch schon die Rabbinen und jüdischen Schriftgelehrten den Handwerkerstand geachtet hatten. Er entwickelte dies aus drei hebräischen Sprüchwörtern und wies nach, wie fast alle Gewerbe einen oder mehrere Juden zu ihren tüchtigsten Meistern zählen, und wie falsch die vorgefaßte Meinung sei, daß der jüdische Handwerker