Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 8 (15.2.1847)
- Date
- 1847-02-15
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
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116 pheten, er verkündete den Fall, aber auch die dereinstige Wiederherstellung Juda's. Die Fürsten warfen ihn dafür in eine tiefe Schlammgrube, wo er zu verschmachten drohte. Heimlich ließ ihn der König an Stricken heraufwinden. Die Stadt war erobert, der Prophet von Nebuchadnezzar befreit, er wollte mit den „Armen des Landes" daselbst bleiben, und vermahnte sie dazu. Aber diese schleppten ihn mit nach Aegypten, machten ihn da zum Zeugen ihres Götzendienstes und verhöhnten seine Drohreden.. Dennoch ermüdete er nicht, wie er auf den Trümmern Jerusalems gesessen, so saß sein Geist auf den Trümmern Babels, aus denen das verjüngte Juda wieder ersteigen solle. Dies war sein Schwanengesang. Wenn Jirmeja so den Sturz seines Volkes mit allen Wehen und Schmerzen persönlich durchleben mußte: so war Jecheskel schon II Jahre vor dem Falle Jerusalems nach Babylonien als Gefangner geführt worden, und lebte hier in einer entlegenen Stadt. Der so einsam grübelnden, fern vom Schauplatz der That weilende Prophet mußte seine Wirksamkeit darin finden, die exulirten Juden vor dem babylonischen Heidenthum zu wahren, und an den Mosaismus im Geiste zu fesseln. Sein Beruf war es daher, die Ereignisse Schritt vor Schritt zu erklären, sie als Folge des Abfalls in Lehre und Leben darstellend, daß aber mit dem Fall Juda's der Fall der religiösen Idee nicht identisch sei, sondern das dieser treue und zu ihr zurückkehrende Israel der Wiederherstellung gewärtig machend. Jecheskel mußte daher von seinem Standpunkte aus das ganze mosaische Werk auf seine Weise wieder von vorn beginnen, und wie er einerseits die Schöpsungslehre, so stellte er andrerseits eine neue Verfassung für das zukünftige Israel in einer großen Vision auf, in welcher die mosaischen Ideen klarer, aber in modisizirten Vorschriften, zur Verwirklichung gebracht werden sollten. Wie Jecheskel am Anfang, so steht der zweite Jeschaja (K. 40—66) am Ende des babylonischen Exils da. Als Kyros von Persien von Sieg zu Sieg eilte, und die Babylonier überwand, erhebt sich der Prophet, um diese Siege des Kyros als die den Israeliten geweissagte Erlösung zu verkünden: als Babel gefallen, weckt er in dem treuen Haustein das Verlangen zur Rückkehr. Als Kyros seine Einwilligung gegeben, aber die Theilnahme nur gering sich zeigte, nimmt er das Wort, um den Eifer der Getreuen zu erhalten, und durch ernste Mahnung an die Gottes- und Zionsvergessenen den Uebertritt möglichst Vieler zu bewirken. Unter den Propheten ist dieser zweite Jeschaja der innigste, der den lebhaftesten Fluß der Gefühle durch fließende, bilderreiche, bald jubelnde, bald elegische, und effektvoll geordnete Rede zum Ausdruck bringt. Wenn die anderen Propheten den Stehenden fallen sehen, so sucht er den Gefallenen wieder aufzurichten. — Wie nun Chaggai und Secharja den Bau des Tempels zu fördern, Maleachi unmosaische Elemente aus dem Leben des Volkes zu entfernen strebte, werden wir anderswo wieder anknüpfen. Wir haben so, h. A., den Entwickelungsgang der religiösen Idee im jüdischen Volke und den Prophetismus von seiner äußern Seite uns klar zu machen gesucht. Wir haben gesehen, daß die religiöse Idee zuerst innerhalb seines Trägers das Heidenthum zu überwinden gehabt, daß dies nur durch einen bedeutenden Kampf vermittelst des Prophetismus geschehen konnte, und daß hierüber das jüdische Volk in seiner nationalen Selbstständigkeit geopfert werden mußte, um aus seinen Trümmern ein neues, hrngegebenes Gefäß zu bilden, von dem aus die religiöse Idee den Kampf mit der gesammten Menschenwelt unternehmen konnte. Es war die Selbstüberwindung des jüdischen Stammes, welche den Sieg bewirkte. Diese Selbstüberwindung geschah mit vollem Bewußtsein, denn die Propheten sprechen es atterzeit, wenn auch mit tiefem Schmerze aus: daß das Volk fallen müsse, um neu aus seinen Trümmern für die religiöse Idee zu erstehen. Der Inhalt dieser ganzen ersten Periode ist demnach: die Ueberwindung des Heidenthums durch die religiöse Idee innerhalb des jüdischen Volkes, und die Propheten sind die Träger dieses Kampfes und Sieges. Nachdem wir aber so die ganze Stellung und Aufgabe des Prophetismus erkannt haben, müssen wir näher auf seinen Inhalt eingehen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Mecklenburg. Die jüngste Volkszählung giebt die jüdische Bevölkerung des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin auf 3310 Seelen an. Hannover, 10. Februar. Die Stände haben die Petition um Aufhebung der auf den Juden lasten-