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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-15 · Heft 8 (15.2.1847) · p. Seite 115

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 8 (15.2.1847)
Date
1847-02-15
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 reich, da in ihm der Mosaismus gar keinen äußern Halt hatte, der Kampf des Mosaismus gegen das Heidenthum ein schwächerer war; als Hauptträger desselben erscheinen Elija und Elischa, so wie unter den Schriftpropheten allein Hoschea und Am o s im Reiche Israel wirkten, jene gegen die feindlichste Königsfamilie des Achab, diese gegen die Familie Jehu. Elija ist der unübertroffene, ja maßlose Feuereifrer gegen das Heidenthum, seine ganze Seele ist Feuer, sein Thun Feuer; aber er selbst tragt in sich das Bewußtsein, daß dieses Feuer, so gerecht es ist, erfolglos brennt, und daß dies sogar Wille des Herrn ist, „der im linden, sanften Säuseln weitet". Sein Feuer konnte auf Erden den Lauf der Begebenheiten nicht ändern, und erhebt sich daher — zum Himmel. Elischa, sein Schüler und Nachfolger, stemmt sich deshalb dem Strome nicht mehr entgegen; er sammelt um sich, was er kann, und halt aufrecht, was er vermag. Anders im Reiche Juda; hier hört der Kampf der Propheten nicht auf; ja je näher der Untergang, desto gewaltiger entbrennt er; hier wird der prophetische Kampf fortgesetzt, als schon die Chaldäer die Mauern Jerusalems berennen; hier steht er auf den Trümmern der zerstörten Stadt, zieht selbst mit den Flüchtlingen nach Aegypten, verpflanzt sich mit den Gefangenen nach Babel, versucht daselbst im Voraus schon eine neue Verfassung aufzustellen, zieht die dem Mosaismus ergebenen Reste aus den großen Volkstrümmern zusammen, führt sie nach dem heiligen Lande zurück, und endet erst, als der zweite Tempel stand, und die Aufgabe des Prophetismus vollendet war: im jüdischen Volk die religiöse Idee unerschütterlich zu befestigen. Die Hauptträger dieses Kampfes waren: Jeschaja und Jirmeja in Jerusalem, Jecheskel und der zweite Jeschaja in Babel, Ch agg ai und Secharja bei der Erbauung des zweiten Tempels, Maleachi bei der Regeneration des jüdischen Volkes. Jeschaja, unstreitig in der Sprache der Schwunghafteste, Erhabenste, Nervigste, mit gewaltigem Strome der Rede, voll der kräftigsten Bilder, mit schlagenden Antithesen, treffenden Paronomasien bewaffnet, Jeschaja, voll sittlich-strengen Ernstes, voll glühenden Enthusiasmus für das Göttliche, für die Treue an Gott, die allein Treue am Guten ist, glühend gegen den Abfall, den menschlichen Hochmut!), die Bosheit, Jeschaja war auch der Glücklichste der Propheten. Nicht allein lebte er noch in einer Zeit, wo die Rettung Israels durch eine Läuterung, durch Umkehr vermittelst eines vorübergehenden Strafgerichts möglich schien; nicht allein erlebte er zwei Drangperioden, die Beide von Juda glücklich überstanden wurden, die erste, in welcher das Reich Israel und Syrien gegen Juda siegreich stritten, aber von Assyrien erdrückt wurden; die zweite, als Assyrien seine große Macht gegen Juda wandte, aber vor den Thoren Jerusalems durch plötzliche, furchtbare Pest sein Heer verlor. Sondern ihm folgte auf den durch und durch heidnischen, den Tempel schändenden und den scheußlichen Molochsdienst einführenden Achas, der den Propheten höhnisch von sich abwies, der fromme, den Mosaismus glänzend wiederherstellende Chiskija, welcher dem Propheten volles Gehör schenkte, und nach seinem Nathe die glückliche Verthei. digung gegen Assyrien standhaft ausführte. Gerade das Gegentheil erlebte Jirmeja, der der unglücklichste der Propheten, aber unstreitig der erhabenste an Charakter. Seine Jugend und erste Thätigkeit sieten in die Zeit, wo unter dem Könige Joschija der Mosaismus sich zum letzten Male eine vorübergehende Herrschaft auf dem jüdischen Throne gewonnen hatte. Aber es war ein Meteor, und nach dem Tode des Königs kn der Schlacht bei Megiddo wurde die dem Mosaismus feindlichste, die ägyptische Partei mit Jojakim die herrschende. Babel trat jetzt siegreich auf den Kampfplatz, aber der Hochmuth der jüdischen Könige ließ sie gerade die minder siegreiche, die ägyptische Macht starrsinnig wählen, bundbrüchig festhalten, und Verratherei gegen Babel spinnen. Der Sturz Juda's ließ sich leicht voraussehen. Aber vergebens sprach diesen Jirmeja bald in geflügelter Rede, bald in treffenden Gleichnissen aus: er wurde dafür mit Geißeln geschlagen. Kühn trat der Prophet in den Pallast des Königs und warf ihm seine Ungerechtigkeit und Habsucht vor, kühn vor die Priester, welche ihn tödten wollten, ihn aber wenigstens vom Tempel ausschlossen. Er ließ dem Könige darauf seine Reden vorlesen, dieser aber zerschnitt und verbrannte die Rolle, und Jirmeja mußte sich verborgen halten. Der folgende König Zidkija war ein schwacher Fürst, und hätte gern den Mahnungen des Propheten, den er wiederholt, aber heimlich sprach, Folge geleistet; aber die ägyptische Partei war allmächtig und unterdrückte alle Gegner mit Gewalt. Die Chaldäer umzingelten Jerusalem; Jirmeja ermahnte zur Uebergabe, wodurch die Stadt erhalten würde, aber man ergriff, mißhandelte und warf ihn in's Gefängniß. Von hier aus erhob sich der Geist des in der gefangenen Stadt gefangenen Pro.

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