Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 8 (15.2.1847)
- Date
- 1847-02-15
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Elijah 2× ep/1004307
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114 einen Vater der Propheten" wie Elija und Elischa so bezeichnet werden. So war das Prophetenthum ein Institut, welches die Unterlage ward für die höher begabten, begeisterten Propheten. Daher begegnen wir seitdem sehr zahlreichen Propheten. Als Jsebet sie ausrotten wollte, konnte ein gewisser Obadja allein deren 100 retten, und bald erscheinen wieder 100 und wieder 50 Propheten auf einmal, so wie im Gegentheil 850 Baalspropheten austreten. Auf diese Weise war ein förmlicher Prophetenstand gebildet, und dieser zu einem Volksrednerstande erweitert. Hieraus mußte aber Zwiefaches hervorgehen. Einerseits konnten nicht Alle dieser Prophetenjüngec jenen hohem Standpunkt erreichen, auf welchem sie eine allgemeine Anerkenntniß und Wirksamkeit erlangten. Auch war das Prophetenthum an sich auf die Prophetenschulen noch nicht beschränkt (Amos). Wir haben daher aus der Masse der Propheten wieder die zu sondern, welche bei höherer Begabung in unmittelbarem Ergriffensein und vom göttlichen Geiste erfüllt sich darstellen. Andrerseits mußte die immer wachsende Korruption sich auch des Prophetenstandes bemächtigen, und die herrschende Partei sich desselben als Werkzeuges bedienen, um das Volk zu beschwichtigen, und von den dasselbe aufwiegelnden Propheten abzuwenden. Daher erscheinet in den letzten Jahrhunderten eine Unzahl „falscher Propheten", gegen welche die wahren Propheten, wie Micha, Jeschaja, Jirmeja, Jecheskel, donnernde Reden hielten, und von ihrem Truge abmahnten. Diese falschen Propheten konnte man leicht von den wahren unterscheiden. Jene zeigten sich mit den obwaltenden Zuständen zufrieden, mit der herrschenden Partei übereinstimmend, bestärkten das Volk in sittlicher und religiöser Entartung, huldigten derselben Lasterhaftigkeit, und verkündeten Macht, Bestand, Sieg. Das bare Gegentheil die wahren. So hatten die Propheten, während sie Nichts für sich hatten, als eine schwache, bewegliche und schon sittl'ch verdorbene Volksmasse, gegen die weltliche Macht, gegen einen verheuchelten Priesterstand, und gegen die mit demselben Ansehen bekleideten falschen Genossen zu kämpfen, und entwickelten hierin eine Geistesgewalt, eine Hingebung, Selbstaufopferung und Furchtlosigkeit, welche selten erreicht, niemals übertroffen worden, und die Einige dieser Männer zu den höchsten Heroen der Menschheit machen. Daher auch die mehrfachen Sagen vom gewaltsamen Tode Mehrer dieser Propheten, welche die Geschichte bei Einigen bestätigt. Die Wirksamkeit dieser Propheten war nun: Reden an das Volk, bisweilen auch an Könige und Fürsten zu halten, in denen sie theils allgemein, theils hinsichtlich momentaner Umstände, die Anbetung Gottes und die Sittlichkeit lehrten, den Götzendienst und dieSittenlosigkeit bekämpften, und den rechten Weg zeigten, auf welchem in religiöser und politischer Beziehung das Volk sich erhalten könnte. Ueberall, wo das Volk zusammenkam, im Tempel, auf dem Markte, an den Thoren traten sie auf, und redeten im mächtigen Schwünge, die Zuhörer wie in eine andre, höhere Welt versetzend, zu welcher die wirkliche ein so schlechter Gegensatz war, und die doch die eigentliche Israels sein sollte. Oesters begaben sie sich auch geradezu in den Pallast des Königs, oft sammelten sie die Vorsteher des Volkes um sich, und enthüllten ihre Vergehen und ihre Zukunft mit schonungsloser Energie. Bisweilen auch schrieben sie Reden auf, und verbreiteten sie durch Vorlesenlassen und Abschriften weiter. Kurz, auf welche Weise sie auf das Volk wirken zu können vermeinten, die benutzten sie. Während die sämmtlichen Propheten so in die politischen Zustände ihres Volkes eingreifend erscheinen, theilen sie sich für uns zugleich in solche, von denen nur die Geschichte berichtet, und in die, von denen uns Schriften überkommen sind, welche einen Theil ihrer Reden enthalten. Die Vorzüglichsten unter Jenen sind Samuel, Elija und Elischa, die Letzteren sind die vier*) großen und zwölf kleinen Propheten, sogenannt nach dem Umfang ihrer Schriften. Samuel, der zweite Begründer des Mosaismus im israelitischen Volke, mußte, wie Moses selbst, bei seinem Tode den großen Kampf voraussehen, in welchen sein Volk unwiderruflich hineingerissen werde. Er bildete innerhalb des Mosaismus die Idee einer theokratischen Republick, die bei den übrigen Propheten zur Idee einer theokratischen Monarchie ward, ohne daß Beide je eine Verwirklichung geworden. Aber das konnte Samuel noch bewirken, daß er für den schwankenden Saul den, dem Mosaismus ergebenen David zum künftigen Könige einsetzte. Wir haben schon oben gesagt, daß im Zehnstamme- *) Die Wissenschaft hat es nunmehr als unzweifelhaft sestgestellt, daß die Kapitel 40—66 tm Jesaias einen andern Propheten zum Urheber haben, der gegen Ende des babylonischen Exils lebte. Die Anordnung, in welcher wir die heil. Schriften haben, bezeugt dies selbst, da sonst der geschichtliche Anhang zum Buche des Jesaias nicht als Kap. 36—39, sondern hinter das 66ste Kap. gestellt worden wäre.