Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 7 (8.2.1847)
- Date
- 1847-02-08
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
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105 haben, von dem befreiten Baterlande als Fremdlinge zurückgestoßen, und von dein Völkerverbande ausgeschlossen wurden. Bei dem Begräbnißakte dieses Mannes mochten sich wol die Einwohner unsrer Hauptstadt dessen bewußt geworden sein; eine Menschenmenge, wie wir sie bei ähnlichen Vorkommnissen selten gesehen, wogte hinter dem Leichenzuge her, der Tod schien hier auch äußerlich die Grenzen verwischt zu haben, die das Leben so ängstlich zieht; oder war diese Theilnahme, die sich als eine allgemeine herausstellte, dem Umstande zuzuschreiben, daß dieser Jude, der sich in jenen Kämpfen durch persönliche Tapferkeit spezielle Verdienste erworben,, eine mühselige, kümmerliche Existenz kaum fristen konnte, daß ihm eine ruhmvolle Vergangenheit, nicht die Bürgschaft eines minder elenden Daseins geworden ist? — Als Krieger wurde derselbe mit militärischen Ehrenbezeugungen begraben; die Veteranen, die aus jener Kriegsperiode noch zurückgeblieben sind, geleiteten ihren ehemaligen Kampfgenossen zur Ruhestätte, und neben unserm Rabbiner Herrn Di-, Geiger, der die Grabrede hielt, sprach auch noch der Senior an der Magdalenenkirche, Herr Berndt, der zur damaligen Zeit als Feldprediger den Feldzug mitmachte, einige tiefergreifende Abschiedsworte an den Heimgegangenen Bruder. — Wir hatten bei diesem Anlasse Gelegenheit zu sehen, wie Erinnerungen, die einem ganzen Volke angehören, konfessionelle Unterschiede verdrängen, und wie der Christ dem Juden, trotz seiner religiösen Sonderheit, die erhabenen Eigenschaften des Patrioten gern zuerkennt. Magdeburg, I. Februar. (Privatmitth.) Die öffentlichen Vorlesungen, welche vr. Philippson in diesem Winter allhier hält, haben sich immer erhöhter Theilnahme zu erfreuen, und ein Publikum aus allen Konfessionen gewonnen. Wenn daher solche Vorlesungen sowol für die eigenen Gemeinden sehr nützlich sind, da in solchen so Vieles ausgesprochen wird, wozu die Kanzel in ihrer begrenzten Bestimmung keinen Raum giebt, und das Selbstbewußtsein des jüdischen Stammes vielfach geweckt wird, als auch in allen Konfessionen eine richtigere Würdigung der jüdischen Lehre und Geschichte bewirken: so kann ihr Werth insonders darum nicht genug angeschlagen werden, weil sie einen positiven Boden für das Judenthum derNeuzeit zu schaffen streben,und so die Parteien aus dem, nachgerade anwidernden polemischen Kram um einzelne, theils starr festgehaltene, theils gänzlich aufgegebene Formen zu erheben im Stande sind. Da die Vorlesungen des vr. Philippson namentlich dahin streben, nicht blos im leeren Dunst der Phrasen zu schweben, sondern das geschichtliche Material wohl zu beachten, und es mit der Idee zu durchdringen: so haben sie sich auch, so viel davon bereits in dieser Zeitung mitgetheilt worden, freundlichen Beifalls in vielen Zuschriften zu erfreuen. Es wird daher mit der fernem Mittheilung derselben fortgefahren werden. Krefeld, im Januar. (Privatmitth.) Am 21. und 22. v. M. fand die zweite Lehrerversammlung hier statt. Mehre Umstände veranlaßten, daß diese Versammlung nicht ganz das ward, was man sich vorher davon versprechen konnte. Der Herr Oberrabbiner Bodenheimer, welcher als Präsident der Versammlung sehr viel zum Erstarken und Beleben derselben beigetragen, wurde den 19. Dezember, also ganz kurz vor dem bestimmten Termine, durch die Nachricht eines ihn betroffenen Trauerfalls zu erscheinen verhindert. Bedeutender Schneefall, welcher alle Kommunikation hemmte, machte cs vielen Lehrern unmöglich zu kommen, so daß nur die Hälfte von denen da waren, die früher schriftlich ihr Kommen versprochen hatten. Die Zahl der Anwesenden betrug nur 12 Lehrer. — Der Lehrer des Orts eröffnete im Namen des Präsidenten die Sitzung, indem er dessen Bedauern ausdrückte, aus obigen Gründen nicht erscheinen zu können. Es wurde der Entschluß gefaßt, diesmal kein neues Präsidium zu wählen und wurde nur zur Wahl eines stellvertretenden Sekretärs geschritten. Von der Versammlung wurden einstimmig folgende Anträge gestellt: An ein hohes Ministerium die Eingabe zu machen, daß Hochdasselbe Schulzwang der jüdischen Kinder zum Religionsunterrichte und die definitive Anstellung der jüdischen Lehrer gleich den christlichen verordnen möge. Die Abfassung desselben, so wie die spezielle Motivirung übertrug die Konferenz dem Präsidium. Ferner wurde der Antrag gestellt, das Konsistorium zu ersuchen, auf allen gesetzlichen Wegen es dahin zu bringen, daß dem Lehrer sein Gehalt aus der Gemeindekasse ausgezahlt werde und dahingegen das resp. Schulgeld in dieselbe wieder zurückfließe. Von einem Mitgliede wurde auf den Uebel- 7*