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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-08 · Heft 7 (8.2.1847) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 7 (8.2.1847)
Date
1847-02-08
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Breiten, 9. Januar. In einem Artikel voll seiner Ironie in der Didaskalia wird dem Dberamtmann Pfizer, der in seinem Kreise das starre Sonntagsgesetz gegen die Juden erlassen hat (s. No. 5.), nachgewiesen, daß gerade in den Kanzeleien seines Amtshauses wahrend des Bormittags der Sonn- und Feiertage regelmäßig gearbeitet werde. Aus Mecklenburg-Strelitz, im Januar. (Privatmitth.) Während in Preußen, wie die A. Z. d. Jud. dies in mehreren Artikeln bewies, die Emanzipation der Juden durch das Volk bereits geschehen, und nur der Staat damit zurückhält, findet in Mecklenburg-Schwerin gerade das Gegentheil statt. Aus dem letzten Landtage hat der Grvßherzog von Schwerin den Landständen Vorschläge in Betreff der Juden gemacht, die nur zum größten Vortheil der Juden gereichten, wenn sie in's Leben treten würden. Das Schutzgeld hat im Schwcrin'schen aufgehört und was überhaupt die Regierung zum Besten der Juden thun kann, das ist bereits geschehen, und geschieht noch täglich. Aber was ist daran Schuld, daß die mecklenburger Landstände so sehr gegen die Juden sind? Thun diese etwa Nichts, um die Freiheit zu erreichen? Diese Frage kann, wie man's nimmt, bejaht und verneint werden. Bejaht, insofern, als ein Verein sich gebildet, der die Anträge zur Emanzipation bei Regierung und Landtag anrcgt, und sich überhaupt Mühe giebt, das Seinige zur Beförderung der Gleichstellung zu erwirken; verneint, da ein Theil der mecklenburger Juden so sehr am alten Druck gewöhnt ist, daß er ihn gar nicht mehr fühlt, viel weniger nach Besserung der Verhältnisse sich sehnt. Die Zahl der Letzteren ist namentlich im Strelitz'schen die größere; darum sind die Schweriner ihnen auch an Freiheit schon vorgeschritten, darum zahlen die Strelitzer noch Schutzgeld, darum ist noch kein einziger jüdischer Handwerker im Strelitz'schen. Doch hoffen wir von dem anzustcllenden Landesrabbiner, daß er seine Gemeinden zu religiöser Ordnung und so viel an ihm liegt, zur bürgerlichen Freiheit führen werde. Der Rabbiner kann hier noch Viel wirken, es steht ihm noch ein weites Feld offen! — Ueber die Rabbinerwahl verlautet hier mit Gewißheit noch Nichts. Friedberg (Hessen), im Dezember. (Didask.) Der 18. und 19. d. Mts. waren für die hiesige israelitische Gemeinde zwei bedeutungsvolle Tage, welche in der Erinnerung der ganzen Bürgerschaft unvergeßlich bleiben werden. Denn bei der Feier der Einweihung eines völlig neu rcstaurirtcn israelitischen Gotteshauses wurde hier der herrliche Gedanke zur That, daß Konfessionenuiitcrschied fortan keine Scheidewand mehr zwischen Menschen bilden werde und Menschenliebe siegreich alle Vorurtheile zernichtet, welche früher Brüder von Brüdern grausam trennte. So bezeichnete es die Gesinnung der hiesigen israelitischen Gemeinde, daß dieselbe zur würdigen Vorfeier ihres Festes an sämmtliche Stadtarme Lebensmittel austheilen ließ, und wahrhaft erhebend und ergreifend war es, als den 18. d. Abends gegen 4 Uhr allgemeines Glockengcläute von den christlichen Stadtkirchm herab den Beginn des jüdischen Festes den Einwohnern verkündete. Unter diesem Geläute setzte sich vom Rathhaus aus ein schöner Zug in Bewegung, voran die Schuljugend mit ihren Lehrern, dann die festlich gekleideten Jünglinge und Männer mit ihren Kokarden und Fahnen, Greise, strahlend von Freude, in der Neige ihrer Tage noch einem so schönen Feste beiwohnen zu können. Sämmtliche Geistlichen in ihrer Amtstracht, Kreis- und Stadtbchörden und die Elite der Bürgerschaft schlossen sich bereitwilligst dem Zuge an. An der Synagoge angclangt, überreichten zwei weißgekleidete Mädchen dem großh. Hess. Herrn Kreisrathe die Schlüssel zum Gotteshaus. Hier sprach dieser so sehr verdiente und geachtete Beamte einige wenige, aber inhaltreiche Worte über die Bestimmung eines solchen Hauses, und in erhöhter feierlicher Stimmung betrat die Versammlung die geweihte Stätte. Schöner Choral und Predigten des Herrn JV. Levy von Gießen trugen viel dazu bei, hier den Gottesdienst für die beiden Tage zu einem sehr erhebenden und erbauenden zu machen. — Der Abend des ersten Tages wurde noch verherrlicht durch einen solennen Fackelzug mit Musik und Gesang, welche der rüstige, ob schon noch sehr junge israelitische Singverein der obersten Kreis- und Stadtbehörde als Zeichen der Hochachtung und Erkenntlichkeit für deren stets bereitwillige Förderung alles Schönen und Guten brachte. Ehre gebührt aber auch dem

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