Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 7 (8.2.1847)
- Date
- 1847-02-08
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 thum war der nächste Weg dazu. War nun diese Zeit eine vorwiegend mosaische, so zeigte sich der erste König, Saul, schwankend. Dieses Schwanken war schon Verbrechen und er fiel dadurch. David gab sich dem Mosaismus hin, aber er war Krieger, Eroberer; er war, wenn auch in einem hohem Sinne, Egoist, subjektiv; er suchte den Mosaismus mit seinem und seiner Familie Königthum zu identisiziren. Es hat daher einen tiefen Sinn, daß ihm verboten wird, einen Tempel zu bauen, es war dies ein Nachklang Samuels. Mit Salomon schon kam das Heidenthum auf den israelitischen Thron. Salomon's ideelle Ansicht war wol mosaisch, und er bauete den Tempel und betete darin in Aufrichtigkeit; aber sein Wesen war heidnisch, seine Anschauung heidnisch (wie er über die Welt und das Leben philosophirte, wie er das Königthum ansah rc.); daher seine Sitten heidnisch, und ihm darum leicht, seinen Weibern zu gefallen, dem Heidenthum neben dem Mosaismns Raum zu geben. So war gegen Ende seiner langen Regierung, materiell und kultuell das Heidenthum über Israel hereingebrochen, und hatte eine Partei in ihm. Die Einheit war daher geschwunden, und äußerlich geschah, was innerlich bereits geschehen, das Volk trennte sich in zwei Reiche, die sich feindlich gegenüberstanden. Die Existenz des Volkes war dadurch gebrochen, und es mußte seinem politischen Verderben entgegengehen; es galt nur noch die Frage: wird aus dem Untergange des Volkes der Mosaismus siegreich hervorgehen, oder nicht? Die Könige des Zehnstammereichs Israel mußten schon aus Politik, um das Volk von Jerusalem, also vom Reiche Juda fern zu halten, das Heidenthum als Staatsreligion einführen und aufrecht erhalten: der Mosaismus wäre ihnen Selbstvecnichtung gewesen. Anders war es zwar in Juda, hier stand in Jerusalem das dem mosaischen Kultus übergebene Heiligthum, und sicher wäre es das höhere Interesse der Davidischen Königsfamilie gewesen, dem treu anzuhangen. Aber auch die Meisten dieser Könige verkannten dies, und begünstigten das Heidenthum, um ihre persönliche Herrschaft unbeschrankt zu machen. Sie verdrängten daher eigentlich den mosaischen Kultus nicht, aber sie stellten den heidnischen neben ihn als gleichberechtigt, wodurch natürlich jener zu bloßer Form, zu heuchlerischer Werkheiligkeit herabsank. Je mehr aber die Könige dem Mosaismus entgegen waren: desto eher mußte das Volk zum Gegensatz gedrängt sein, zum Mosaismus. Nicht die Masse des Volkes, sondern die Männer des Volkes, welche das Interesse dieses dm Königen gegenüber verstanden und verfochten; welche erkannt hatten, daß der Mosaismus das eigentliche Lebensprinzip des jüdischen Stammes sei, und daß daher das jüdische Volk seine Existenz früher oder spater verlieren müsse, wenn es den Mosaismus aufgabe; welche zugleich im Heidenthum die Entartung und Knechtschaft, im Mosaismus die Erhebung und Freiheit des Volkes erkannten. Diese mußten im Volke den Mosaismus lebendig zu erhalten und damit den Königen entgegen zu kämpfen suchen. Die Masse des Volkes mußte freilich diesem Kampfe in beständigem Schwanken Zusehen, und treffend ruft ihr Elija zu: „wie lange wollet ihr auf beiden Seiten hinken? ist Baal Gott, nun so folget ihm, ist der Ewige Gott, nun so folget diesem!" Im Zehnstamm ereich entschied sich dieser Kampf bald; der Mosaismus unterlag, das von den Königen gestützte Heidenthum überwand das schwache, dem Mosaismus entfremdete Volk; dieses ging unter. Die zehn Stämme gingen, außer einigen Trümmern, die sich Juda zuwandten, spurlos verloren, und alles Suchen nach ihnen ist eitel; sie hatten sich selbst aufgegeben. Im Reiche Juda das Gegentheil: der Mosaismus siegte. Aber auf welche Weise geschah dies? Nicht etwa dadurch, daß das mosaische Volk das heidnische Königthum überwand, denn nicht das Volk kämpfte, sondern nur die Männer des Volkes; sondern: das bis dasige Volk ging in seiner Verfassung unter, aber aus den Trümmern desselben, nämlich der vom Mosaismus durchdrungenen Trümmern desselben, erstand ein neues, dem Mosaismus hingegebenes Volk zu einem zweiten jüdischen Volksleben. Das Königthum wurde von Nebuchadnezzar zertrümmert, das Volk in die Verbannung nach Babel geführt, aber nach einiger Zeit kehrten die Trümmer nach Palästina zurück, um fortan niemals wieder vom Heidenthum ergriffen zu werden, sondern die religiöse Idee treu im Schooße des jüdischen Stammes zu wahren. Durch den Untergang des jüdischen Volkes siegte der Mosaismus, und durch den Mosaismus erhielt sich der jüdische Stamm. (Fortsetzung folgt.)