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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-08 · Heft 7 (8.2.1847) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 7 (8.2.1847)
Date
1847-02-08
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 mußte, so daß ihre Annahme und gänzliche Verwirklichung nur der Erfolg der gesammten menschengeschichtlichen Entwickelung sein könne. Demnächst mußte sie gerade die volle Entwickelung ihres Gegensatzes in der Menschenwelt wollen, und nur dann erst in diese wirklich eingreifen, wenn dieser Gegensatz vollendet, das heißt sich selbst aufgelöst hatte. Dies sehen wir denn auch in der Geschichte überraschend klar, da erst als das Alterthum sich vollendet hatte, und in seiner Selbstauslösung zur Trostlosigkeit gekommen war, das Christenthum und der Mohamedanismus aus dem Mosaismus emanirten, worauf wir spater kommen werden. Aus diesen beiden Gesichtspunkten, daß nämlich einerseits die religiöse Idee, wie sie im Mosaismus gegeben war, sich die Menschenwelt aneignen, anderseits aber die freie Entwickelung der Menschheit überhaupt, und ihres Gegensatzes in der Letztem insbesondere zugestehen mußte, wird uns die ganze Geschichte klar und wie von selbst sich folgernd hervorgehen. Die erste Bedingung war: daß die religiöse Idee vorhanden sein, und sich in einem bestimmten Gefäß erhalten mußte, um aus diesem heraus zur Zeit auf die gesammte Welt wirken und Lnfluiren zu können. Dieses Gesäß war — der jüdische Stamm. Es konnte nämlich die religiöse Idee, wie wir sie von nun an, im Gegensatz zur menschlichen Idee, dem Heidenthum, nennen wollen, sich kein bereits fertiges Volk zum Gefäße nehmen, da ein solches bereits von ihrem Gegensätze durchtränkt, und in demselben wurzelnd gewesen wäre, sondern einen neuen, zu diesem Zwecke gleichsam erzogenen Menschenstamm, der seinen ganzen Beruf darin fände, die religiöse Idee zu tragen und zu erhalten. Die zweite Bedingung war aber: daß, da auch dieser Menschenstamm jenen natürlichen Gegensatz in sich bewegen, und die Elemente des Heidenthums haben mußte: die religiöse Idee zuvörderst diese in ihrem eigenen Träger, dem jüdischen Stamme, zu überwinden hatte, um ihn vollständig zu ihrem ganz hingegebenen Gefäße zu machen. Die religiöse Idee mußte daher zuerst den Kampf mit ihrem Gegensätze innerhalb des jüdischen Stammes selbst bestehen und vollenden, und das Produkt dieses Kampfes ist — der Prophetismus. Erlauben Sie mir, h. A., dieses jetzt näher auseinander zu setzen. Jedes begabtere Volk hat im großen Bereiche des Menschengeschlechtes seinen eigenthümlichen Beruf. Beruhend auf den eigenthümlichen Anlagen, auf dem Stammcharakter, gefördert durch lokale und klimatische Verhältnisse, entwickelt durch den Lauf der Begebenheiten, resultirt für jedes Volk ein besonderer Beruf, eine spezielle Bestimmung. Erweist sich dies selbst in der neuesten Zeit, wo doch eine bedeutende Vermittelung unter den Völkern stattsindet, wo demnach ein Volk seine Errungnisse dem andern mittheilt, und wo sich dennoch der Berus der Engländer, Franzosen, Deutschen, Nordamerikaner rc. eben so wie ihr Charakter genau desiniren läßt: um wie viel mehr im Atterthum, wo die Völker fast isolirt für sich bestanden, und so, bei geringer Einwirkung von außen, ihre Eigenthümlichkeit scharfer ausbitden und bei derselben verbleiben konnten. Der jüdische Stamm hatte nur den Beruf, die religiöse Idee zuerst in sich ihren Gegensatz besiegen zu lassen, und dann die religiöse Idee im Schooße der Menschheit zu tragen, bis sie diese ganz und gar durchdrungen haben werde. Daß er diesen Beruf hatte und hat, sehen wir daraus, daß er eben nichts weiter hervorgebracht, und darin allein seinen Bestand hat. Alle Schriften und Werke des jüdischen Stammes sind religiösen Inhalts und Zweckes, und wenn in neuerer Zeit Juden etwas Anderes produziren, so ist nicht zu übersehen, daß sie dieses Andere nicht als Juden an sich schaffen, sondern weil die Juden vermöge ihrer veränderten Stellung sich die menschengeschlechtliche Bildung angeeignet haben. Zu diesem Berufe mußte der jüdische Stamm von der göttlichen Vorsehung erzogen und herangebildet sein, damit er eben eine frische Unterlage für die religiöse Idee abgebe, die ihm anvertraut werden sollte. Diese Erziehung erkennen wir deutlich in der Vorgeschichte des jüdischen Stammes, wie er aus dem Manne Abraham zur Familie Jakob, aus dieser zu Stämmen, durch Moses zum Volke wird; wie Abraham schon in ein ihm fremdes Land versetzt, Jakob durch Aus- und Einwanderung wieder fremd in diesem Lande, und zuletzt mit seiner Familie in ein fremdes und dabei Fremden gehässiges Land verpflanzt wird, wo die Familie jedoch Raum hatte, zu einem unvermischten Volkshaufen anzuwachsen. Dieser wird nach der sinaitischen Halbinsel gebracht, um im unbewohnten Raume derselben zu einem Volke organisi'rt zu werden, und die religiöse Idee zu empfangen. Dann erst tritt es in dem Lande auf, worin es, bis es seinen Innern Kamps ausgefochten, wohnen sollte. So war also dieser Stamm überall isolirt gehalten, um, vom

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