Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 6 (1.2.1847)
- Date
- 1847-02-01
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
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91 aus, und unter dem Zudrange der hiesigen Einwohner, ohne Unterschied der Konfession und des Standes, in die jüdische Schule ein. Nachdem sich die Jugend in die bestimmte Ordnung gestellt, ward der jüdische Lehrer von seinen zwei ältesten Schülern aus seinem Wohnzimmer abgeholt, und unter einem jubelnden Gesänge „Lebe hoch", unter welchem ihn zwei entgegengehende kleine Mädchen bekränzten, in's Schulzimmer auf einen bestimmten Platz geführt. Hierauf sprach der würdige Lehrer 35. in wenigen aber herzlichen Worten die Bedeutung des Tages, wie die Freude aus, mit der er sich der Leitung des Festes hingegeben habe. Nun wechselte Gesang und Deklamation mit gleichzeitigem Uebcrreichen der Geschenke. Am Schluffe sprach der jüdische Lehrer seinen Dank, seine Freude und Bitte um Fortdauer der ihm bewiesenen Liebe aus, worauf ein von ihm veranstaltetes Festmahl diese schöne Feier schloß. So lebt hier Malachi's Geist (2, 10.), und durchdrungen von ihm, findet man auch hier bestätigt des großen Sängers Wort (133, 1.): „Wie gut, wie lieblich ist's, wenn Bruder friedlich zusammen leben! Beiläufig bemerke ich noch, daß der Lehrer B. schon seit 30 Jahren segensreich fungirt, Direktorder ersten hiesigen bürgerlichen Gesellschaft „Humanität" ist, und diese Thal von ihm Alles freudig anregte. N. Berlin, 24. Januar. Se. Maj. hat für die Armenanstalten der Residenz 10,000 Thlr. bestimmt, wovon nach allerhöchster Verordnung 300 Thlr. der Judcnschaft zufließen sollen. Posen, 28. Dezember. (Schles. Ztg.) Jetzt, wo man so viel über die Ehen zwischen Juden und Christen schreibt, ist es gewiß nicht uninteressant zu erfahren, daß auch hier zwei solche gemischte Paare leben. Das eine Paar ist schon lange glücklich verheirathet, der Mann ist Jude, die Frau war Christin, ging aber zum Mosaismus über, dessen Pflichten sic seitdem mit größter Strenge erfüllt. Das andere Paar ist erst seit Kurzem verheirathet. Ein christlicher Kaufmannssohn aus Königsberg lernte in Gnesen eine Jüdin kennen, und obwol der Vater derselben an den königsberger Kaufmann schrieb, daß er arm fei und die Verbindung, der daraus entstehenden staatlichen Unannehmlichkeiten wegen, nicht wünsche, wollte der Christ doch das Herz seines Kindes nicht beschränken. Das Paar ließ sich im Auslande trauen und lebt unangefochten ruhig hier in Posen. Magdeburg, 16. Januar. (Privatmitth.t Die Schles. Zeit, berichtet aus Wien Folgendes: „In Oesterreich besteht die Einrichtung, daß alle Juden, die nach Wien kommen, alle 14 Tage eine Art Leibzoll entrichten müssen; dieser beträgt für einen Bankier 4 Fl. K.-M. und für einen andern jüdischen Erdensohn 2 Fl. K.-M. Das gilt eben so von allen k. k. jüdischen Untcrthanen, die nicht in Wien ansässig sind, wie auch von fremden, die französischen ausgenommen *), denn der französische Gesandte drohte mit Repressalien. Mcyerbeer hatte von dieser Glaubenssteuer gehört und schrieb, nachdem er sich entschlossen nach Wien zu reisen, an einen dortigen Bankier, ihn bittend, derselbe möge sich erkundigen, ob er dieser Paria-Steuer auch unterworfen sein würde. Ware dies der Fall, so gebe er die Reise auf. Die wiener Polizei aber war so liebenswürdig, zu erklären, daß sie Herrn Meyerbeer nicht als „Jude", sondern als „Kavalier" behandeln werde." —. Es wird wol nicht uninteressant sein, folgende Anekdote aus dem Leben Mendelssohn's zum Vergleich anzuführen, welche jüngst eine wiener Zeitschrift aus authentischer Quelle erzählt hat. Mendelssohn's bekannter Briefwechsel mitLavater, der ihn durchaus zum Christenthnme bekehren wollte, hatte den wackern Mann so geärgert und angegriffen, daß er dadurch in eine Krankheit verfiel. Eine Lustreise sollte ihn auf Anrathen der Aerzte vollends Herstellen, welchen Rath er auch befolgte. Seine Frau Sara, sein Schwiegersohn, der Gelehrte D. I. Friedländer und seine Tochter Eva begleiteten ihn. Es war am Abende des 16. August 1776, als sie in Dresden ankamen. Bekanntich mußten sonst fremde Juden dort Zoll und Geleite, auch wenn sie sich nur einige Tage aushielten, an die Gencralakziscinnahme entrichten. Mendelssohn lachte laut, als am frühen Morgen der allgemeine Judcnaufwärter Löbel Schic kam und zwanzig Groschen verlangte, um für ihn und seine Reisegesellschaft einen Zoll- und Geleitszettel zu holen, *) Auch die tückischen Juden ausgenommen. D. Re da kt.