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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-01 · Heft 6 (1.2.1847) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 6 (1.2.1847)
Date
1847-02-01
Page
Seite 90 (sequence 10)
Language
German
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90 Landtags leuchten wird. Es sind schon mehrere Dankadressen der Juden eingegangen, die ich jedesmal vorlesc; zwar nicht mit lauter und vernehmbarer Stimme, weil ich jedesmal von meinen Gefühlen überwältigt werde, aber doch so gut und nachdrücklich ich kann. Hoffentlich wird Aachen nicht Zurückbleiben. Achtungsvoll grüßt Sie gez. Wergifosse. Aachen, 21. Januar. (Privatmitth.) Ich beeile mich, eine für die Leser Ihrer Zeitung überraschende Nachricht mitzutheilen. Borgestern Abend kam im hiesigen Gemcinderathe (dem ersten nach Einführung der neuen Gemeindcordnung) ein Antrag des Herrn Handelsgerichtspräsidenten von Gülpen auf eine an den nächsten Landtag zu richtende Petition um Emanzipation der Juden zur Sprache. Bei der Abstimmung zeigte sich leider, daß es bei der neulichen Wahl der Gemeinderathsmitglieder nicht gelungen war, eine genügende Anzahl auf der Höhe der Zeit stehender Männer in den Gemeinderath zu bringen, denn trotz der eifrigen Bemühungen des Antragstellers, trotz der kräftigen Unterstützung von Seiten der freisinnigen Mitglieder wurde der Antrag mit siebzehn Stimmen gegen vierzehn verworfen. Ich spreche hier blos von den Stimmen, denn auf Gründe ließen sich die Gegner wenig ein. Da es für die Juden von der größten Wichtigkeit ist, ihre Freunde wie ihre Gegner kennen zu lernen, so theile ich Ihnen hiermit die Namen der Abstimmendcn aus authentischer Quelle mit. Für die Petition: Ban Gülpen (Tuchfabrikant), Monheim, Koenen, Bischof (Luchfabrikant), Hansemann, Kaatzer, vr. Belten, Berns, Esser, Hoyer, Schlenter, Strom, Kuck, Scheibler. Gegen die Petition: Henry Nellessen (Chef der bekannten Tuchfabrik), Dahmen, Thywiffen, von Geier, Pelzer, van Houtem (Tuchfabrikant), Nacken, Jungbluth, Schervier, Kesselkaul (Tuchfabrikant), Förster, Hamacher, Küttgers, ve. Debey, Cazin, vi. Hahn und der Oberbürgermeister Emundts. Den Lesern Ihres Blattes werden zwar die meisten dieser Namen unbekannt sein, diejenigen aber unter ihnen, welche Gelegenheit hatten die Artigkeit der verkausslustigen aachener Fabrikanten fowol daheim als besonders auf der leipziger Messe kennen zu lernen, werden sich wundern, Leute unter den Gegnern der Petition zu erblicken, die selbst die sich als Käufer bei ihnen meldenden polnischen Juden mit Höflichkeitsbeweisen überschütten. Nach der Abstimmung erhob sich Herr Dr. Hansemann und verlangte die Niederlegung seines von dem der Majorität abweichenden Votums in's Protokoll. Nicht wenig überrascht mar die Majorität, als alle oben angeführten sich in der Minorität befindenden Mitglieder des Gemeindcraths dem Beispiel des Herrn Hansemann folgten und denselben Antrag für sich stellten. Da ihrem Verlangen, gemäß Vorschrift der Gemeindeordnung, gewillfahrt werden mußte, so vcranlaßte dieses wahrscheinlich den Herrn Dahmen (Gegner der Petition) den Antrag zu stellen: in den zu veröffentlichenden Berichten die Namen zu verschweigen. Die weit vorgerückte Abendstunde verhinderte, die Debatte über diesen Antrag zu beginnen. Steele a. d. R, im Januar. (Privatmitth.) Bei der hier stattgefundenen Wahl des Stadtraths ward der israelitische Kaufmann H. Heimann in denselben gewählt. Diese Wahl zeichnet sich besonders dadurch vor vielen anderen aus, daß die Wähler von dem Vorsatze ausgingen, Israeliten wählen zu wollen. Ob sie nun unter den wenigen Israeliten die richtige Wahl getroffen, möge die Zukunft entscheiden; vorab steht diese jedoch als ein Denkmal edler, menschlicher Gesinnung da, die Keinem das ihm Gebührende vorenthält, weil er andern Glaubens ist. Smmi cui<jue! ES sei jedoch auch beiläufig bemerkt, daß H. Heimann zu den achtbarsten Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde, wie auch zum Schulvorstande gehört, und seine Glaubensgenossen zu der schönen Hoffnung berechtigt, segensreich für sie zu wirken. Gleichzeitig verdient ein nicht minder humanes Ereigniß veröffentlich zu werden. Es war am Vorabend des Geburtstages des jüdischen Lehrers, als derselbe von seinem Kollegen L. Brenner, erstem Lehrer der katholischen Elementarschule, eingeladen wurde, den Abend bei ihm zuzubringen, und dem dann einfach mittheilte, daß er es sich erlaube, ihm am folgenden Tage seine Schuljugend zuzuführen. Nach einer mehrstündigen Unterhaltung kehrte der jüdische Lehrer in seine Wohnung zurück, und fand nun zu seiner freudigen Ueberraschung diese mit Laubgewinden, Blumen u. s. w. auf's Schönste verziert. Am folgenden Morgen zog nun Herr L. Brenner an der Spitze der israelitischen Schuljugend von seiner Schule

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