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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-01 · Heft 6 (1.2.1847) · p. Seite 89

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 6 (1.2.1847)
Date
1847-02-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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89 heit des Blutes, deren Folgen er erlag. Noch bis zu den letzten Tagen seines thatigen Lebens beschäftigten ihn die öffentlichen Angelegenheiten, die rastlose Sorge für das Beste seiner Mitbürger im weitern und nächsten Kreise. Durchdrungen von dem unwandelbarsten Gefühl für Recht und Gerechtigkeit, jeglicher Menschcnfurcht bar, das Gute und Edle mit dem wärmsten Herzen erfassend, war es sein täglicher Beruf, zu kämpfen für die heiligen Interessen der Menschheit, gegen Unrecht und Unterdrückung, in welcher Form und wo sie auch immer austreten mochten, ohne Scheu vor Undank und Verleumdung — so oft, wie aller Ehrenmänner, auch sein Lohn vor den Augen der Welt. Liefen Gemüths, klar und durchdrungen von seinem Streben, besaß er in seltenem Maße die Macht, sich die Herzen der Menschen zu gewinnen, eine Macht, die er, frei wie Wenige von Vorurtheilen und Egoismus, dem großen Uebel der Zeit, nur für Andere, für das Gemeinwohl zu benutzen wußte. Es war ihm nicht vergönnt, das hohe Ziel zu erblicken, das er mit seinen Gefährten und Freunden so manches Jahr hindurch ausdauernd verfolgt: der Geschichtschreiber des Rheinlandes aber wird stets, im Hinblick auf jene Zeiten politischen Erwachens in unserm schönen Vaterlande, des Namens Joseph Wergifosfe als der Ersten Eines gedenken. Er ruhe in Frieden!" Die Kölnische Zeitung fügt beim Abdruck dieses Artikels hinzu, diese Worte seien jedem Rheinländer aus der Seele gesprochen. Und so ist es, denn die Rheinländer kannten sein unausgesetzt thätiges Wirken für Freiheit und Recht, seine Aufopferung im Kampfe gegen Unrecht und Unterdrückung. Niemand aber hat diesen herben Verlust so sehr zu betrauern, als wir, die dem Judenthume angehören, denn einen bessern Freund, als den Verblichnen, haben wir nie gehabt. Sie werden hiernach leicht ermessen können, wie schmerzliche Gefühle uns bestürmten, als uns der gestern früh Morgens von Aachen abgehende Eisenbahnzug in großer Anzahl aufnahm, um uns zu dem in Düren stattsindenden Begräbniß zu führen. Uns Alle trieb die Pflicht der Dankbarkeit für den Dahingeschiedenen, ihm die Ehre zu bezeigen, welche leider allein noch möglich war. Doch waren wir nicht die Einzigen, welche von auswärts gekommen; von viel entfernteren Orten fanden wir Glaubensgenossen, welche dasselbe Gefühl hierher geführt hatte. — Ich bin im Stande, Ihnen hier einen Brief mitzutheilen, welcher Wergifosse im Jahr 1843 wahrend des Landtages, von Düsseldorf aus, an eine sehr achtbare Dame Aachen's schrieb, dessen Authentizität ich Ihnen verbürge. Leichter als ich es durch Worte vermöchte, wird Ihnen dieser Brief ein Bild des Mannes und seines Wirkens geben Mag er als eine edle Reliquie des Mannes hier einen Platz finden. Düsseldorf, den 16. Juli 1843. Meine liebe Freundin! Ich habe während der Diskussion über die Emanzipation der Juden oft und viel Ihrer gedacht, und es war mir ein wohlthuendes Gefühl bei dem Kampfe für die Juden auch für Sie mirzukämpfen. Obgleich des Sieges beinahe gewiß, denn ich hatte während der letzten Tage unablässig geworben, und täglich neue Stimmen gewonnen, so klopfte mein Herz bei dem namentlichen Abruf ganz gewaltig, und die Stimme versagte mir, als ich das glänzende Resultat laut verkünden mußte. Ein katholischer Priester war Referent; wenn es diesem trefflichen Manne schon gelungen war, einen großen Eindruck zu machen, so war doch die Rede des Herrn von Beckerath aus Krefeld, so überwältigend, daß selbst diejenigen, welche gegen die Juden gestimmt hatten, ihre Thronen nicht unterdrücken konnten. Urtheilen Sie wie es mir dabei zu Muthe war, mir, auf den alle Augen gerichtet waren. Es war eine herrliche Sitzung, ich möchte sagen die feierlichste, welche wir noch gehabt haben. Auch der Landtagsmarschall war der Sache gewogen. Nach geschloffener Debatte machte er ein kleines Resumö, welches er mit der Erklärung schloß: „Er würde für die Juden stimmen." Das Resultat dieser Abstimmung hat die Gutgesinnten enger, brüderlicher verbunden; obgleich die beste Harmonie unter uns herrscht, so scheint es mir doch, als ob wir uns, sage ich, noch lieber hätten. Von allen Seiten wurde mir gratulirt, als ob ich ganz allein den Sieg davongetragen hätte, obgleich ich nur einen geringen Antheil daran habe. Am andern Morgen, in einem Briefe, den mir Herr von Beckerath zugeschickt, schrieb er am Schluffe: Heute Morgen beim Erwachen fiel der Gedanke an den gestrigen Sieg der Sache der Menschheit wie ein Lichtstrahl in meine Seele. Und so war es mir auch, und so ist cs mir jeden Tag, und so oft ich an diese Sitzung denke, welche als ein heller Stern in den Annalen des rheinischen 6»

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