Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 6 (1.2.1847)
- Date
- 1847-02-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 Aufhebung der Sünde nicht blos als Idee stehen ließ, sondern dem Menschen zu erleichtern, oder vielmehr ihn dazu anzuleiten suchte, ist konsequent. Dies war die Idee des Versöhnungstages, welche zum Theil ebenfalls in die Menschenwelt eingedrungen. Eine Zeit, welche die Idee dieser Rückkehr und Aufhebung der Sündhaftigkeit durch Reue, durch Versenken in sich selbst, enthalte und zum Bewußtsein bringe, war ein Ersorderniß und eine Wohlthat, war ein kräftiges Mittel zur Heiligung. Leid thut es mir, h. Anw., durch den Raum einer Vorlesung gezwungen zu sein, auf die Darstellung, wie auch in dem sittlich-gesellschaftlichen Inhalt, dessen Skizzicung ich hier versucht habe, der Mosaismus Gegensatz des Alterthums war, zu verzichten. Sie werden aus dem Verlaufe oft bemerkt haben, wie hierin der Mosaismus auch vielfach Gegensatz des Mittelalters ist, wie Vieles, was erst Ecrungniß der neuesten Zeit ist, in ihm schon ausgesprochen ist, ja wie Vieles er hinstellt, was erst das Resultat einer langen Zukunft sein kann. Er hat es ausgesprochen vor fast vier Jahrtausenden, nicht als eine Folge, sondern als eine Grundlage der menschengeschlechtlichen Entwickelung. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, im Januar. Die Wahl eines neuen Großrabbinen von Paris, nachdem dieser Großrabbine des Zentralkonsistoriums geworden, hat einige Spannung hervorgebracht. Einige Notabeln haben ein sehr einsichtsvolles Zirkulär erscheinen lassen, welches das Interesse der Notabeln für diese Wahl in Anspruch nimmt, die nothwendigen Erfordernisse zu diesem Amte aufstellt und dem Akte der Wahl einen feierlichen Charakter verliehen haben will. — Man kann nicht leugnen, daß, wenn das französische Judenthum auf der Bahn beharrt, welche es seit der neuen Organisationsordonnanz vom Mai 1844 eingcschlagen hat, es einer schönen Entwickelung entgegengcht. —. Nach den Arcli. isr. de Fr. hat der Herzog Decazcs, der Großmeister der französischen Logen vom schottischen Ritus eine Unterredung mit dem Protektor der preußischen Logen wegen der Freimaurer jüdischen Glaubens gehabt, die Vieles hoffen laßt. Zu D an z i g und Hamburg haben die Logen die Zulassung und das Mitarbeiten der jüdischen Brüder ausgesprochen. —. Edmond Halphen, Mitglied des israelitischen Konsistoriums von Paris, ist zum Maire des zweiten Bezirks von Paris ernannt worden. —. Zu Mühlhausen im Elsaß wird eine neue Synagoge für 150,000 Fr. (40,000 Thlr.) gebaut; die Stadt hat 15,000 Fr. (4000 Thlr.) als Beitrag votirt. Sie wird eine Orgel erhalten, und die Frauensitze werden an den Seiten, aber nicht getrennt, von den Männersitzen sein. —. Zu Avignon, dem frühem Sitze der Päpste, ist ein Israelit, H. Valabrögue, der Mitglied des Stadtraths und der Handelskammer ist, zum Präsidenten der Spitäler und Krankenhäuser der Stadt gewählt worden. (Arcli. isr. de Fr.) Rußland. Mitau, 20. Juli. (Privatmitth.) *) Ich beeile mich Ihnen den Auszug aus dem Rechenschaftsberichte des Ministers des öffentlichen Unterrichts für das Jahr 1845 hierdurch ganz ergebenst zu übersenden. Er lautet wie folgend: „Die Nachmessungen, welche der Rechenschaftsbericht des Ministers der Volksaufklärung über den Gang dieses Ministeriums giebt, beweisen, daß die Arbeiten dieser großen Verwaltung im vergangnen Jahre denselben Charakter, wie in den vorigen Jahren behalten haben. Die allgemeinen Maßnahmen waren in diesem Jahre im Vergleiche mit früheren Jahren weniger zahlreich. Nichtsdestoweniger verdienen einige in Betreff ihrer Wichtigkeit größere Aufmerksamkeit. Unter Anderen gehören hierzu die Maßregeln, welche zu vollständiger Reorganisation der in Westen des Reiches sehr zahlreichen israelitischen Schulen getroffen worden sind. Diese waren in ihrer alten Form wenig geeignet zur geistigen und sittlichen Bildung der Juden auf kräftige Weise beizutragen. Die Reorganisation dieser Schulen, in denen der Unterricht sich nur auf die hebräische Sprache und die Lesung des Talmuds beschränkte, schien um so nothwcndiger, je weniger sich die Juden geneigt zeigten, *) Lcidec ist uns diese Mitthellung vom Juli — erst jetzt zugekommen. Die mit ihr zugleich cingetroffene „Geschichte der Juden in Kurland" werden wir bald geben. Redakt.