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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-25 · Heft 5 (25.1.1847) · p. Seite 78

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 5 (25.1.1847)
Date
1847-01-25
Page
Seite 78 (sequence 10)
Language
German
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78 einer israelitischen Familie und ist am 27. März 1799 zu Paris geboren. Seine erste Erziehung erhielt er in der Unterrichtsanstalt Cazot. Schon in früher Jugend legte er Beweise von einem außerordentlichen musikalischen Talente an den Tag, und seine Eltern kamen daher bald zu dem Entschlüsse, ihn sich der Kunst widmen zu lassen, wenn er fernerhin Lust und Anlage dazu zeige, und wenigstens den Versuch zu machen, wie weit sich dieselben wol äußerten. Er kam daher, noch nicht volle zehn Jahre alt, in .das Konservatorium zu Paris, wo er indeß, theils seiner Jugend wegen, theils weil noch nichts Festes über seine Zukunft bestimmt war, nur als Gesangszögling ausgenommen wurde. Unterricht auf irgend einem Instrumente erhielt er gar nicht, bis man gewahr wurde, daß der Knabe für sich selbst schon, ohne alle Anleitung, rein durch sein schönes Talent und einen seltenen Fleiß getrieben, eine für sein damaliges Atter nicht unbedeutende Fertigkeit auf dem Klaviere sich erworben hatte. Nun ward er, zumal da er auch im Singen sich durch auffallend schnelle Fortschritte auszeichnete, und demnach über seinen künftigen Beruf als Musiker gar kein Zweifel mehr übrig bleiben konnte, auch einer Jnstrumentalklasse zugewiesen, wo Charles Lambert seine Studien auf dem Pianoforte zu leiten hatte. Aber schon binnen einem Jahre — so fruchtbar war sein Talent, und so unermüdet sein Fleiß — war er den Kräften und der Methode dieses Meisters völlig entwachsen, und da er ausdrücklich nach einem umfassenden Unterrichte in der Komposition sich sehnte, so ward, ungeachtet seines noch zarten Alters, und obschon der gewöhnliche Kurs dadurch um mehrere Unterrichtsstufen unterbrochen wurde, der würdige Verton sein Lehrer. Es kann hier nicht ohne besondere Hervorhebung bleiben, daß es von einem seltenen Talente und merkwürdig frühen Voranschreiten Halevy's zeugt, wenn man ihn damals, wo er noch nicht einmal das dreizehnte Lebensjahr zurückgelegt hatte, schon als KexeUteur cl'une 619886 de Solfege an stellte, wie für die Studien unter Berton reif fand, und geschehen muß dies wirklich sein, sonst wäre eine so ganz außergewöhnliche Klassenversetzung mit ihm nicht vorgenommen worden. Uebrigens sollte auch der letzgenannte Meister nicht lange des fleißigen und geistig wie körperlich so sehr aufgeweckten Schülers sich freuen: gegen alle Erwartung war derselbe bald auch dieser Schute entwachsen und mußte dem ersten Lehrer und Direktor der Anstalt selbst, Cherubini, zu weiterer Fortbildung zugewiesen werden. Die ernsten und mächtigen, weit umfassenden Gegenstände indeß, welche dieser strenge Mentor ihm entgegenstellte, waren von dem jugendlichen Geiste nicht so bald überwunden: fünf volle Jahre mußte H. in der Schule Cherubini's verweilen, und vollendete wahrend der Zeit und unter der sorgfältigsten Leitung alle Studien des Kontrapunkts und der Komposition überhaupt, woraus der vollkommenste Beweis ersteht für die Gründlichkeit der Bildung, welche H. als Tonsetzer in seiner Jugend genossen, und woher wir denn auch im vollkommensten Maße zu dem Rechte gelangen, diejenigen Ansprüche an seine Leistungen zu stellen, welche nur durch eine umfassende kontrapunktische Durchbildung von Seiten eines Komponisten befriedigt werden können, um so mehr, als nach einem kaum zweijährigen Kursus schon Cherubini seinen Schüler selbst für befähigt erklärte, an der Konkurrenz um den großen Preis, welchen die königl. Akademie der Künste zu Paris alljährlich für die Schüler des dortigen Konservatoriums aussetzt, Theil zu nehmen, und wirklich auch H. im Jahre 1816, nachdem er 1814 bereits den Preis der Fuge gewonnen hatte, eine solche Theilnahme zugestanden wurde. Kehrte er auch nicht sieggekrönt aus dem Kampfe in seine stillen Studierzimmer zurück, so war die Befähigung zur Theilnahme an sich doch schon eine höchst ehrende Anerkennung, und daß es an Kräften zum Siege ihm nicht fehlte, bewies er 1819, wo er gänzlich aus dem Konservatorium entlassen wurde und wirklich jenen ersten Kompositionspreis durch eine Kantate „Herminia" gewann, die so großen Beifall fand, daß selbst die Regierung aufmerksam auf ihn wurde und ihn auf ihre Kosten zur weitern Fortbildung für zwei Jahre nach Italien schickte, wo er besonders zu Rom noch Viel zu prositiren glaubte, indem er dort sich des Umgangs mit dem klassischen Meister Baini erfreute, unter dessen Leitung er sich eifrkgst auch mit dem Studium älterer, wirklich klassischer Musterwerke beschäftigen konnte. Aus Italien wandte er sich auch nach Wien, um den Sinfonisten Beethoven kennen zu lernen, bei dem ec aber nur „als ein Schüler Cherubini's^ aber dann auch eine sehr freundschaftliche Aufnahme fand. Im September 1822 kam H. nach Paris zurück und hatte er, wie aus der bisherigen Erzählung zur Genüge hervorgeht, bis dahin alle Schulen durchgemacht, deren Studien vor allem selbstständigen Wirken zu abfolviren wir irgend nur von einem mit Geist und Talent reichlich ausgestatteten jungen Künstler verlangen können; trat er, wirklich ausgerüstet mit den schönsten Gaben und gründlichsten Kenntnissen, an dem heimath-

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