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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-25 · Heft 5 (25.1.1847) · p. Seite 73

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 5 (25.1.1847)
Date
1847-01-25
Page
Seite 73 (sequence 5)
Language
German
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73 den. Bietet auch die Organisation solcher Miniaturni'irbip meistens ein form- und geistloses Unding dar, so kann auf der andern Seite nicht geleugnet werden, daß auch hier die unverwüstliche Kraft des israelitischen Stammes sich äußert, daß er überall, wo er nur einzelne Würzelchcn aussindet, dieselben gar schnell zu einem neuen Stämmlein vereinigt, welches rastlos treibt, um Knospen und Blüten zu Tage zu fördern. — Die israelitische Gemeinde zu Genf — aus 20 Familien bestehend — ist zusammengesetzt aus den nun übergesiedelten Nachkommen der frühern berüchtigten Gemeinde zu Carouge. Dieses Städtlein ist beinahe an den Thoren Genfs und gehört jetzt zu dessen Gebiete. Dasselbe aber sollte früher die Nebenbuhlerin Genfs werden und wurde zu diesem Zwecke im vorigen Jahrhunderte bedeutend verschönert und erweitert. Um dieses Stadtlein volkreich zu machen ertheilte der damalige Herzog von Savoyen allen Heimathlosen u. dgl. das Asylrecht. Es ließen sich auch Juden herbei, von denen die Meisten zur niedersten Klasse, Einige sogar zur Klike der Beutelschneider gehörten. — Die gegenwärtigen Israeliten zu Genf haben sich aber dermaßen emporgeschwungen, daß sie in moralischer Beziehung hoch über den früheren carouger Ahnen erhaben stehen. Es sind dieselben ehrenfeste, steißige und redliche Leute, die meistens bedeutende solide Handelshäuser bilden, von denen aber Andere wieder, besonders die jüngeren Leute, sich mit der Uhrmacherei, Bijouterie, Gravüre und Pelleterie sich befassen. Nicht bald wird ein emsigeres, fleißigeres Wölklein gesehen als die Israeliten zu Genf. Diese Leute, die höchstens einige Religionsbegriffe aus Voltaire, Rousseau und Lord Byron zusammengetragen, ließen es sich in neuerer Zeit angelegen sein, eine ordentliche Synagoge zu etabliren und ihren Kindern einen Religionslehrer zu geben. — Daselbst lebt ein ausgezeichneter Israelit, Herr N. Blue, ckirecteur du consereatoire de musiijiie, der als Mann von eminenten Kenntnissen, biederm und achtungsvollem Charakter, die Liebe, die Ehrfurcht nicht nur des nieder» bürgerlichen Standes, sondern auch der Aristokratie dieser Stadt genießt.— Avenchcs, eine Gemeinde von ungefähr 27 Familien, das alte römische Aventicum mit seinen Ruinen zu deutsch Wislisburg, bietet nicht viel Berichtenswcrthes dar; wol aber verdient die patriarchalische Gastfreundschaft dieser Juden von elsäßischem Schrot und Korn der Erwähnung. — Die israelitische Gemeinde zu Bern ist ohngefähr aus den gleichen Elementen zusammengesetzt, 30 Familien zahlend, und nicht bald wird eine städtische israelitische Gemeinde getroffen, die von derZivilität und den feineren Sitten der städtischen Bewohner so wenig sich angeeignet wie die Israeliten zu Bern. Leider ahnen die dasigen Juden die Nähe des Sternes nicht, der über den Zinnen ihrer Stadt leuchtet und auch nicht ein Schimmer seines glanzvollen Lichtes dringt in ihre Wohnung. Wir meinen den Herrn Prof. l)r. Valentin, der ungeachtet seiner christlichen Umgebung und seiner Stellung an einer christlichen Universität, dennoch dem Judenthume nicht flrne steht und mit warmem Herzen an den Interessen des Judenthums Theil nimmt. Der gebildetere Israelit in der Schweiz freut sich einen solchen Mann an einer schweizerischen Universität zu sehen, dessen hoher Charakter ihm die Achtung der bernischen Notabilitäten verschafft und ihn über allen dort herrschenden politischen Parteien erhaben hält. — In der Nähe von Bern lebt ein jüdischer Arzt — Dr. Weil aus Eichstätten — zu Walkringen im Emmenthal. Derselbe bekleidet die Stelle eines Militärarztes. Das Zutrauen, dessen Herr Weil sich bei seiner christlichen Umgebung zu erfreuen hat, verschafft ihm eine wol ausgedehnte Praxis. Auch wurde derselbe in seiner Stellung als Arzt schon oft mit Aufträgen höhern Ortes beehrt. — Der in St. Jmies lebende Dr. Baßwitz ist auch Militärarzt und wurde in den dortigen Munizipalrath gewählt. — Die Juden in Basel sind wegen ihres loyalen Benehmens von den dortigen Bürgern wohlgelitten und zeichnen sich aus durch echt israelitische Mildthatigkeit. Sie stehen unter dem eben so gelehrten als für die Verbesserung und Reform in Israel eifrig bemühten und verdienstvollen Rabbiner Nordmann zu Hegenheim im Elsasse. Die in St. Gallen wohnenden Juden — aus Hohenems im Vorarlberg — bringen dieser Stadt enorme Summen durch ihre Einkäufe. Deutschland. Aus dem Herzogthum Sachsen-Meiningen, im Dezember 1846. (Privatmitth.) Sämmtliche israelitische Gemeinden unsres Landes haben jüngst gemeinsam mit den übrigen Bewohnern des Herzogthums ein schönes vaterländisches Fest gefeiert, nämlich das 2öjährige Regicrungsjubiläum des Herzogs

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