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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-18 · Heft 4 (18.1.1847) · p. Seite 63

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 4 (18.1.1847)
Date
1847-01-18
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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63 und feine Vo!a mit primo, secundo, tertio bezeichnen. Beim Ternovorschlag wurden nachbenannte drei Kandidaten: piimo S. N. Hirsch mit 6, secundo B. Oppenheim mit 5, tertio N. Lasch m't 3 Stimmen in's Wahlprotokoll gebracht. Die Stimmen waren im Ganzen derart vertheilt: Hirsch erhielt 6 jo-imo; 33. Oppenheim 4 secundo und 1 tertio; Lasch 1 secuudo und 2 tertio; Fasset 1 secundo; Neuda 2 tertio; Brill 1 tertio. In den Ternovorschlag kamen daher nur die drei Obengenannten, unter denen Hirsch die Mehrheit der Stimmen, nämlich 6 |>rimo erhalten hat. Die Wahlmänner gaben sich alle Mühe, die konträren Meinungen und Ansichten zu vereinigen und ein einstimmiges Resultat zu erzielen. Es ist aber nicht zu verkennen, daß die Wahlmänner, wiewvl durch gleiche Richtung und gleiches Streben meistentHeils sympathisirend, doch mehr noch dem Drange der Umstände nachgaben, die gar keine Alternative zuließ; denn man muß es gestehen, Hirsch erfreuet sich allgemein, besonders beim Wolke, des günstigsten Worurtheils und die Wahlmanner hatten sich beim Wolke, wenn die Wahl für Hirsch ungünstig ausgefallen wäre, schwer zu verantworten gehabt. Die reformistische Fraktion unter den Wahlmännern, wie Herr Neuda, leistete Anfangs Widerstand gegen Hirsch — mußte aber doch der Majorität weichen. — Die Wahl des Herrn Hirsch unterliegt gegenwärtig der Bestätigung derHvskanzlei, die ohne Zweifel nächstens erfolgen wird. Die Wahlmanner erhalten aus dem mährischen jüdischen Landesinassesonds Reisespesen u. dgl. vergütet. Kaposvär (Ungarn), 10. Dezember. (Privatmitth.) Während bei uns so viele Kräfte ausgeboten werden, Materialien zu einem künftigen bürgerrechtlichen Gebäude der ungarischen Israeliten zusammen zu tragen, stürzt der alte, ehrwürdige Bau des religiösen Judenthums immer mehr und mehr zusammen. Während unsere äußeren Verhältnisse einer zeitgemäßen Entwickelung entgegen schreiten, sinkt das innere Leben immer mehr und mehr zu einem gehaltlosen Dasein herab. Seufzend entsteigt der göttliche Hauch des mosaischen Glaubens dem Kreise seiner Bekenner und sollte es diesen einst auch bei uns gelingen zur früher von der nikolsburger Gemeinde zum Lokalrabbiner gewählt wurde, als nationalisitt betrachtet und anerkannt. Bürgertoga zu gelangen, so dürfte man vergebens das Skelett suchen, dem jenes Ehrenkleid angepaßt werden könnte. Daß das Gesagte nicht eine bloße hypochondrische Jeremiade ist, wird jedem Unbefangnen klar werden, der einen aufmerksamen Blick in den religiösen Haushalt des ungarischen Israeliten wirst. Bei uns, wie säst überall wo die fortschreitende Zivilisation ihren Einfluß auch aus den Israeliten geltend macht, stehen zwei religiöse, oder vielmehr irreligiöse Parteien schroff einander gegenüber. Die eine, jeder zeitgemäßen Bildung fremd, stehet als eine alternde Matrone aus vergangenen Jahrhunderten da, welche, stolz aus ihre einstigen, jugendlichen Reize, Eitelkeit und Herrschsucht in das verblühende Alter hinüber bringt. Immer nur von früheren besseren Zeiten träumend, hat sie für die Gegenwart Nichts als Tadel und Schmähungen, während sie die Sünden der eignen Vergangenheit durch andachtelndes Frömmeln zu versöhnen glaubt. Die andre schwärmt als eine geist- und herzlose Kokette umher, welche, ohne Sinn für höhere, reinere Liebe, bloß den Lüsten des Augenblickes stöhnt. Von diesen zwei Parteien, deren erste die stabile, die zweite die indifferente heißen mag, läßt sich eigentlich nicht vielmehr sagen, als, daß sie sich einander nothwendigerweise bedingen und Hervorrusen. Je mehr die eine mit unbeugsamer Starrheit an alle veralteten, geist- und herzbeengenden Formen festhält, desto mehr sucht die andere sich deren zu entladen, um in leichten, lustigen, modernen Gewändern durch das Leben Hüpfen zu können. Je mehr diese hinwieder alle, die Mysterien der mosaischen Religion umgebenden Schranken niederreißt und dem Jndifferentismus Thür und Thor öffnet, desto mehr ziehet sich jene in die feste, finstere Felsenburg der Orthodoxie zurück, um desto trotziger jeden feindlichen Angriff abweisen zu können. Daß von diesen zwei Parteien für das Judenthum wenig oder gar Nichts zu erwarten ist, versteht sich von selbst. Wahrend die eine keinen Schritt vorwärts wagt, ist die andre schon über alle Berge hinüber und will keinen Schritt mehr rückwärts thun. Hier stirbt das arme Judenthum allmälig in einem schleichenden Zehrfieber hin, dort wird dasselbe von einer galloppirenden Schwindsucht hingerafft. Und doch darf es dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, daß der arme Todtkranke in den Händen unserer Orthodoxen viel besser ge-

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