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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-18 · Heft 4 (18.1.1847) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 4 (18.1.1847)
Date
1847-01-18
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 unter beständiger Bekämpfung vom christlichen Stand- [ punkte, gestattet. Zeitgemäß muß es daher erscheij nen, die Aufmerksamkeit der Regierung auf ein Inj stitut zu lenken, das seit den ältesten Zeiten im Dienste - der christlichen Kirche, zwar ihrer Ausbreitung förder-! lich war, dessen Ansehn aber so sehr geschwächt, des- : scn Thätigkeit, wenn auch äußerst beschränkt, so gej sährlich ist, daß seine Existenz fernerhin durchaus in j Frage gestellt werden muß. Es sind dies die Missionsgesellschaften zur Bekehrung der Ju- . den. Die ursprüngliche, leitende Idee, der die Mission ihre Entstehung verdankt, war offenbar, heidni- Völker, deren Naturzustand nur die rohesten religiösen Vorstellungen erlaubte, für eine höhere und sittlichere Gottesverehrung heranzubilden. Diesem so schweren Berufe, der die Völkcrcrziehung sich zur Ausgabe stellte, durften in den Zeiten des Glaubenseifers nur die ausgezeichnetsten Männer sich widmen, nur sie konnten es wagen, rohen Völkerstimmen gegenüber, sich den größten Gefahren auszusctzen, ohne eine andere Waffe mit sich zu führen, als das göttliche Wort. Nur wenige Namen sind cs, dieunsdie Geschichte jener Zeiten aufbcwahrt und Jahrhunderte vergingen, bis endlich die Engländer unter den protestantischen Völkern zuerst, sich um das Missionswerk besondere Verdienste erwarben. Ihnen mußte vor Allen, ihrer umfangreichen Besitzungen halber, daran gelegen sein, auf ein wirksames Mittel zu sinnen, die Zivilisation in den Kolonieen zu befördern. In der Verbreitung des Christenthums erkannten sie dasselbe und so kam die britische Staatskunst dem Eifer der Missionsgesellschasten entgegen. Diese hatten sich zur Realisirung ihres humanen Strebcns vorzüglich der Bibelübersetzungen bedient und es war ihnen auf jene Weise wirklich gelungen, das Evangelium in einzelne ferne Lander zu verpflanzen und daselbst heimisch zu machen. Allein weit häufiger stießen sie auf hartnäckigen Widerstand, den zu überwinden, die größte Beharrlichkeit nicht genügte. So glaubte England sich berechtigt, eine andere Macht, der es schon so Vieles verdankte, die alle seine Unternehmungen zu einer bewundernswürdigen Großartigkeit führte, auch auf dem religiösen Gebiete eine Rolle spielen zu lassen und sprach offen den Grundsatz aus: das Geld ist die kräftigste Waffe der Mission. Diesem Prinzips treu, konnte man den Wirkungskreis der Milsion erweitern. In dieser Absicht erhielten die Bekehrungsgesellschasten eine vollständige Organisation, so daß durch Mitwirkung der Dänen und Deutschen, die sich bereitwillig dem Plane Englands anschlossen, zuletzt in fast allen größeren Städten Vereine entstanden, die, einem gemeinsamen Ziele entgegenstrebend, unter einander in engem Verkehr lebten. Ihre Hauptrhätigkeit aber widmeten sie der Judenbekehrung und unterhielten zu diesem Zwecke Reisende, die in die kleinsten Ortschaften geschickt wurden, wo sie in jüdische Familien sich eindrängten, nach und nach das Vertrauen derselben erwarben und so am Sichersten ihre Beute zu machen hofften. Der Bibel konnten sie sich nicht bedienen, die Kenntniß dieser und ihr sorgsames Studium wurde den Juden nie bestritten. So suchten die Missionäre denn durch Geldspenden und Versprechungen Unbemittelte für ihre Sache zu gewinnen, unglückliche Opfer, die nur zu bald ihren Schritt zu bereuen Gelegenheit hatten, da sie sich nun. auf die Erfüllung ihrer Hoffnungen vergeblich harrend, noch verlassener fühlten als zuvor. Durch solche Machinationen wurden Kinder den Eltern entfremdet, und das Unglück ganzer Familien herbeigeführt. Und diese Gesellschaften erfreuen sich der Autorisation in unserer Zeit, in einem zivilisirten Staate, in unserer Mitte. Noch heute wird von den Kanzeln herab gegen das Judenthum gepredigt, noch jetzt werden Betstunden für Proselyten durch die Zeitungen bekannt gemacht, und selbst hochgestellte Geistliche widmen diesen Bestrebungen ihren Eifer. Wir leben ja in einer Zeit, wo die Quellen des Wissens Jedem zugänglich sind, wo die Aufklärung ein gemeinsames Gut Aller und nicht der Adelsbrief einer einzelnen Klasse ist. Hat der Kampf auf religiösem Gebiete, der so viele Zerwürfnisse und Spaltungen hervorgebracht, die Juden nicht als Mitkämpfer auftreten sehen? Sind sie so lässig dem Bildungsgänge gefolgt, daß es der Handhabe bedarf, sie nachzuziehen? Das Fortbestehen der Vereine zur Bekehrung der Juden und die Judenemanzipation schließen sich gegenseitig aus, möge daher die Regierung durch Aufhebung jener Gesellschaften die erste Stufe der Toleranz betreten, damit die Hoffnung auf bürgerliche Gleichstellung der christlichen und jüdischen Unterthanen an G laubWürdigkeit gewinne und die fürsprechenden Petitionen der Landtage eine Wahrheit werden. 0r. M. I. Meyer.

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