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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-18 · Heft 4 (18.1.1847) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 4 (18.1.1847)
Date
1847-01-18
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 mus der sinnlichen Natur anhangend, im Letzter« Gott ebenbildlich, darum frei und selbstbestimmend, darum zur Bestimmung die Annäherung an Gott habend, darum aber auch mit der Möglichkeit der Sünde. Dies lehrt der Mosaismus von Gott, Welt, Mensch. Wie verhalt sich aber nun Gott zur Welt? und wie zum Menschen? Ist Gott für die sichtliche Welt der Schöpfer, der in sie die Gesetzlichkeit und feste Ordnung gelegt, so daß sie in dieser auch besteht: so muß er hingegen zum Menschen, als dem Inhaber des ihm ebenbildlichen Geistes, der die Bestimmung sich ihm zu nähern, aber auch vermöge seiner Freiheit die Möglichkeit des Gegentheils hat, in einer andern, in einer besondern Beziehung stehen. Wir wollen hierfür, h. A., die Ausdrücke mittelbar und unmittelbar wählen. Der Schöpfer steht zur Welt in einer mittelbaren Beziehung, indem er dieselbe vermittelst der in sie gelegten Gesetze unverändert bestehen laßt; hingegen zu dem ihm ebenbildlichen Menschengeiste in unmittelbarer Beziehung, indem hier von Seiten des Menschengeistes eine freie Entwickelung, von Seiten Gottes eine fortwährende Einwirkung angenommen wird. Daß eine solche Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen stattsinden muß, lieget von selbst erwiesen in der Ebenbildlichkeit und der daraus hervorgehenden Bestimmung des Menschen. Gott hat ihn ebenbildlich gemacht, folglich ihn in unmittelbare Verbindung mit sich gesetzt. Worin besteht aber diese Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen? 1)in der fortwährenden Lenkung der Menschengeschicke; Gott hat den Menschen mit dieser Bestimmung geschaffen; würde der Mensch diese Bestimmung nicht erfüllen, so wäre das Werk Gottes unerreicht, wie dies am Geschlecht der Fluch dargestellt worden; soll also das Werk Gottes ausgeführt werden, so muß er die Menschen, die in ihrer Freiheit das Gegentheit möglich machen, dahin leiten. Dies spricht der Mosaismus auf jeder Seite der Schrift aus. Sowol die Führung des einzelnen Menschen, die Wallung Gottes in ihrem Geschick wird überall mit den lebhaftesten Ausdrücken gefeiert, als auch die Leitung aller Menschenvölker zur religiösen und sittlichen Vervollkommnung wird, wenn auch mehr angedeutet, indem wir diesen letztem Begriff in dem Prophetismus erst ausgebildet finden, da der Mosaismus Raum dafür nur in der vormosaischen Geschichte hatte, wo sie jedoch im Thurmbau von Babel und in der Geschichte Josephs bedeutsam ausgesprochen ist. Die Frage: wie diese Lenkung der Menschengeschicke mit der Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen vereinbar ist? löset der Mosaismus von vorn herein; Gott ordnet dem Menschen die äußeren Verhältnisse, Geburt, Familie, Best'tzthum, zu; innerhalb derselben läßt er ihn frei handeln; durch die Voraussicht dessen aber, was der Mensch thun werde, die dem Allwissenden nicht mangeln kann, ordnet er den Gang der Begebenheiten so, daß sie zum bestimmten Ziele kommen. Die Brüder Josephs verkaufen diesen in ihrer Selbstbestimmung, aber gerade darauf hat Gott die Begebenheiten so geordnet, daß dadurch Joseph die Völker vor der Hungersnoth schützt, und die Familie Jakobs nach Aegypten kommt. 2) daß Gott Richter der Handlungen des Menschen ist; indem Gott dem Menschen die Bestimmung gegeben, muß er jede Förderung derselben, wie jeden Abfall von ihr als eine Störung seines Werkes, mit den angemessenen Folgen versehen. Auch dies lehrt der Mosaismus mit den entschiedensten Ausdrücken. Hier aber müssen wir auf die mosaische Anschauung von der Sünde zurücksehen. Die Sünde ist eine Beziehung des Individuums zu sich selbst, jedoch ohne Wesenheit für die Allgemeinheit. Darum muß diese Beziehung wieder verändert, ja aufgehoben werden können. Der Sünder kann wieder zur Tugend zurückkehren. Ein Gleiches muß aber auch hinsichtlich der Wirkung der Sünde stattsinden. Die Strafe des Sünders muß vor sich gehen, aber die Sünde eben so vergeben werden, wenn der Sünder zur Tugend zurückgekehrt ist. Gott ist Richter, und kann also die Sünde nicht ungeahndet hingehen lassen; er ist aber auch barmherzig, und muß der reuigen Seele die Schuld vergeben. Gerade dieser scheinbare Widerspruch wird im Mosaismus stark hervorgehoben und herrlich gelöst. Wiederholt spricht er aus: „der Ewige ist ein barmherziger, gnädiger Gott, langmüthig und von unendlicher Huld und Treue, der Sünde vergiebt, Missethat und Frevel, Nichts aber ungeahndet hingehen lässet", und „der gedenket der Sünde der Väter an Kindern und Kindeskindern." Es ist bekannt, wie oft eine Gott infinuirte süßliche Liebe diesen Ausspruch zum Gegenstand ihrer Angriffe gemacht hat, ohne doch zu bedenken, daß, wenn man die Worte oberflächlich nimmt, der Widerspruch zu offenbar ist, als daß man nicht die Lösung etwas tiefer zu suchen genöthigt sei. Sehen wir auf die Wirklichkeit, und diese ist doch offenbar die letzte Instanz über die Wahrheit einer Lehre: so bemerken wir allerdings in zahllosen Fallen die Nach-

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