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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-18 · Heft 4 (18.1.1847) · p. Seite 51

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 4 (18.1.1847)
Date
1847-01-18
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 heit besteht Ln ihm darin, daß er nur nach einer Seite noch mit der gewordenen Allgemeinheit, der aus Besonderheiten bestehenden Allgemeinheit, der Welt zusammenhängt, nach der andern wieder zur absoluten Allgemeinheit, zu Gott, zurückkehrt. Der Moschsmus setzt daher den Menschen als dualistisch (Leib, und Seele), aber dieser Dualismus ist wieder eine höhere Einheit, wie wir spater sehen werden. Bei allen Wesen heißt es: Gott schuf es, beim Menschen wird ein zwiefacher Akt angegeben: er bildete ihn Staub vom Erdboden, als eine Besonderheit der sinnlichen Welt, und blies in seine Nase Odem des Lebens, d. h. er gab ihm den Geist (wie es auch vor der Fluth heißt 6, 3: „mein Geist in dem Menschen soll nicht auf ewig unterliegen.") In diesem Gerste ist der Mensch der absoluten Allgemeinheit, Gotte, zugewandt, d. h. der Mensch ist im Ebenbilde Gottes. Denn es versteht sich im Mosaismus von selbst, daß diese Ebenbildlichkeit Gottes sich nur auf den Geist beziehen kann, wie denn auch wiederholt der Mosaismus Gott als „Gott der Geister in allem Fleische" erklärt. Dies, h. A., ist der wichtigste Punkt in der Lehre des Mosaismus vom Menschen, worauf derselbe aufs Konsequenteste sich aufbaut: die Ebenbildlichkeit Gottes von Seiten des Geistes des an sich dualistischen Menschen. Der Mosaismus setzt daher als den Grundzug dieser göttlichen Ebenbildlichkeit die F r e i h e i t und S e l b stbestimmung des Menschen voraus. Der Mensch soll herrschen über alle ihn umgebenden Wesen; der Mensch benennt alle Wesen mit Namen; Adam kann von der verbotnen Frucht essen, aber es auch bleiben lassen; Kain kann gut handeln, aber auch böse; und als das ganze Gesetz ertheilt war, heißt es: „Siehe, ich lege dir vor Leben und Tod, wähle das Leben." Nirgends kommt im Mosaismus eine Spur von der Nothwendigkeit des Sabäismus vor, der die Geschicke des Menschen an die Gestirne gebunden glaubt, vom unbegreiflichen Schicksal des Persers, vom unbeugsamen Fatum des Griechen und Römers, dem selbst Zeus und alle Götter unterworfen sind: der Mosaismus erkennt denMenschen für frei und sich selbst bestimmend an, denn er ist ebenbildlich Gotte. Zst aber der Mensch dualistisch, d. h. mit seinem einen Theile der sinnlichen Welt, mit dem andern Gotte zugewandt, ist er ferner in seinem Geiste Gott ebenbildlich, und darum ftei und selbstbestimmend: so ist nothwendig der Inhalt seines Lebens nach immer größerer Aehnlichkeit mit Gott zu streben, feinen Geist aus der Leiblichen Besonderheit heraus immer mehr zu fördern und der Allgemeinheit zu nähern, den Egoismus der leiblichen Natur (nicht wie der Inder zu zerstören, der dafür den Egoismus des leeren Geistes schafft, sondern) zu beherrschen, zu regeln, und in die Allgemeinheit (der Liebe und Gerechtigkeit) ausgehend zu machen. „Du sollst dich heiligen, wie Gott heilig ist." „Vollkommen sei mit dem Ewigen, deinem Gott." Indem aber der Mensch dualistisch und ftei, selbstbestimmend ist, so kann er Jenes thun, oder auch nicht; er kann sich auch dem Egoismus seiner sinnlichen Natur, seiner Begierde, überlassen, und, was deren Befriedigung entgegensteht, (in Wollust, Haß, Ungerechtigkeit rc.) rücksichtslos bekämpfen: mit einem Worte, der Mensch kann auch zur Sünde kommen. Die Schrift stellt zwei Momente der Sünde auf, zuerst die sinnliche Natur des Menschen an sich, und zweitens die Gesellschaft, indem diese der Befriedigung der persönlichen Begierde ein Hinderniß setzt. In dem ersten Moment tritt der Mensch seiner von Gott ihm ertheilten Bestimmung entgegen, im zweiten dem Rechte des Nebenmenschen. Beides setzt sie in der Geschichte des Paradieses und in der Geschichte Kains auseinander; dort ist es das Gebot Gottes, hier das Recht seines Bruders — in Beiden kommt der Mensch zur Sünde. Der Endzweck in beiden Berichten ist (nicht etwa der Anfang einer erblichen Sünde, das verstieße ja von vorn herein gegen die Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen, sondern) die inharirende Möglichkeit der Sünde im Menschen zu zeigen. Diese Möglichkeit der Sünde im Menschen ist eine Konsequenz seiner dualistischen Natur und seiner Freiheit. Hiermit hat der Mosaismus die Frage: wie so in der vollkommnen Welt Gottes die Sünde sein könne? von vorn herein abgeschnitten. Die Sünde ist ja nicht eine Allgemeinheit, ein Absolutes, sondern nur eine Beziehung des Individuums zu sich selbst, die keine Wirkung auf die Allgemeinheit hat, und am Individuum wieder aushört; ja, indem die Sünde eine Bethatigung der menschlichen Freiheit und Selbstbestimmung ist, ist sie vom allgemeinen Standpunkt gut. Dem Perser ist die Sünde eine Förderung der Macht der Finsterniß, des bösen Gottes, des Ahrimans, also mit allgemeinem Inhalt; aber im Mosaismus ist die Sünde nur eine Beziehung für das Individuum, ohne Wesenheit für das Allgemeine. Die Sünde ist nicht die Natur des Menschen, sondern die Möglichkeit in der Natur des Menschen. Der Mosaismus erkennt also denMenschen an: als die Einheit des Leibes und Geistes, in Ersterm dem Egors-

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