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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-18 · Heft 4 (18.1.1847) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 4 (18.1.1847)
Date
1847-01-18
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 trachten den Inhalt des Mosaismus für sich. Alles, was wir so eDen gesagt hftben, bestätigt 'sich durch die ersten Wette der Schrift: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, d. i. die Wett." Gott war, und schuf die Welt. Gott ist, und die Welt ist Folge dessen, sie empfangt von ihm das Sein, sie nimmt ihren Anfang; Gott laßt sie zuerst als Tohu vabotzu, als Chaos sein, und dann entfaltet er Ln bestimmter Ordnung und Zeitsolge das Sein in den großen Besonderheiten; zuerst die allgemeinste Phase, das Licht, dann immer die allgemeinere, und aus ihr die besondere: Ausdehnung, Wasser, Erde, Pflanzen rc., zuletzt die vollendete Besonderheit, der Mensch. Der große Inhalt des Mosaismus ist also: 1) Gott ist das absolute Sein. 2) Die Wett ist sein Werk, indem er das Allgemeine immer mehr zum Besondern werden ließ. 3) Gott ist also außerweltlich, oder besser, überweltlich, Gott und Welt sind nicht identisch, denn die Welt nur sein Werk, das als Komplex der Besonderheiten nirgends Gott ist, welcher das Absolute. 4) Gott ist als das absolute Sein die Einheit. 5) Die Welt ist eine Einheit, Alles in ihr übereinstimmend, Alles nothwendig, „Alles gut" ('nbis «‘rn aiü *o). In diesen Erkenntnissen, h. A., sind alle Fragen des Alterthums theils von vorn herein abgeschnitten, theits beantwortet. Indem die Welt nicht vom Egoismus des Menschen, sondern von der Allgemeinheit Gottes aus betrachtet wird, kann nicht vom Nützlichen und Schädlichen die Rede sein, denn das sind nur egoistische Bezüge zum Menschen, die aus den Begierden desselben ihren Inhalt ziehen. (Was an und für sich sehr gut ist, kann mir sehr nachtheilig sein; an dem Winde, der die Lust einer ganzen Provinz reinigt, kann ich mir den Tod holen.) Aber auch das Werden und Vergehen kann keinen Zwiespalt haben, indem sie in dem allgemeinen Sein ihre Losung haben. Ein Werden und Vergehen findet nur bei dem Besondern statt, welches aber -nur aus dem Allgemeinen heraus, ist und aus diesem heraus immer wieder ist. Daher hat Welt und Ewigkeit im Geiste des Mosaismus dieselbe Bezeichnung (schon 1 M. 21, 33). Auch das kann nicht die Frage sein, wie die Welt des Diesseits aus einem Jenseits geworden, denn die Welt ist nicht aus Gott, sondern durch Gott, indem er das allgemeine Sein immer zu einem Besondern werden ließ. Der Mosaismus lehrt also: Gott ist das absolute Seik *Sdk dÄvum einzig und emig (An«), übekweMich, Wchöpfer dsr Welt, der Die EinhM aller Besonderheiten ist. Ds-rllm kann Gott keine Besonderheit sein, darum unkörperlich, darum weder in einem seiner Werke, noch in einem Zeichen (von Menschenhänden) darstellbar. Aus demselben Grunde, weil Gott keine Besonderheit, ist er heilig Ozmp), d. h. in ihn gehen alle besonderen Eigenschaften zu einer Allgemeinheit auf; daher vollkommen (D^an). Indem Gott das absolute Sein (N^Nrr) ist, hat er gar keine Zeit, er ist ewig ('rt), denn nur eine Besonderheit wird und vergeht. Eben so ist er darum unbegranzt im Sein und Können, daher allgegenwärtig und allmächtig (^w). Hiermit hatte der Mosaismus das leere Jenseits des Inders, das Unerforschliche des Aegypters, die Nothwendigkeit des Sabäismus, das unerklärliche Schicksal des Persers, und alle die Phasen der Philosophie, welche diesen entsprechen, abgewiesen durch eine volle, begriffliche Anschauung von Gott, und war eben dadurch der Vielgötterei und Götzenbildnerei, der schlechten Rettung jener Religionen, auf's Strikteste gegenüber getreten. Die Wahrheiten, welche in jenen Religionen und Philosophemen irgend gefunden, waren aufgegangen in die Wahrheit, welche der Mosaismus gab, aber zugleich ihre Unwahrheit verdammt, ihre Trostlosigkeit ersetzt durch die kräftigste und innigste Zuversicht. Wahrend aber hiermit Der Inhalt des Alterthums erledigt ist: setzt der Mofaismus von hier aus sein Werk erst recht fort. Die Schöpfungsgeschichte, wie sie die Schrift Uns giebt, hat durchaus nicht einen buchstäblichen Sinn, sondern sie giebt uns die großen Ideen, durch welche uns die Schöpfung der Welt begreiflich wird. Zuerst, daß das allgemeinere Sein immer zum besondern ward, wodurch der ganze Prozeß des Werdens verständlich, erst das Chaos, dann das Licht, dann die Ausdehnung (der Raum) rc. Dann, daß die Schöpfung sich entwickelte, von Stufe zu Stufe in der Zeit; daß also von Beginn an Gott die Gesetzlichkeit in sie legte, aus welcher nach verschiedenen Revolutionen erst später für den Ecdkörper eine genaue Ordnung, ein Kreislauf des Lebens hervorging (nach der Fluth). Der Mosaismus erkennt also die Welt als die Einheit aller Besonderheiten, durch von Gott in sie gelegte Naturgesetze bestehend. An die Spitze der Besonderheiten, als die vollendete Besonderheit, tritt der Mensch. Die Vollendung der Besonder-

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