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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-11 · Heft 3 (11.1.1847) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 3 (11.1.1847)
Date
1847-01-11
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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3g die Judenvorurtheile zu vernichten, für die Rechte unserer Glaubensgenossen in die Schranken zu treten und zum Bau des großen Friedensdoms gewürdigter Menschheit seinen Thcil beizutragen. Dieser würdige Mann ist der Staatsrath Fischer in Birkenseld. Ihm verdanken die hiesigen Juden unendlich Vieles. Ohne ihn wären sie vielleicht noch jetzt ohne eigne Rabbiner und Lehrer, ohne geordnetes Synagogen- und Gemeindewesen. Es ist derselbe Staatsrath, der schon im Jahre 1836 vor einer großen Menge Zuhörer von verschiedenen Konfessionen über die ungerechten Zurücksetzungen der Juden einen ansprechenden und warmen Vortrag hielt; derselbe, der in Privatzirkeln und Gesellschaften, wenn die Rede von den Juden ist, sie in Schutz nimmt, und jetzt wieder die erste Nummer seines soeben erschienenen Volksblattes („Vertrauliche Unterhaltungen mit den Bewohnern des Fürstcnthums Birkenfeld") zur Abwendung eines tiefwurzelndcn Vorurtheils gegen die Juden benutzt. Nachdem er in dieser Nummer unter dem Titel: „der rechte Weg der Seelsorge", die traurige Lage einer verarmten Familie und einen treugesinnten Geistlichen geschildert, der mühevoll aber doch endlich den Weg zum Herzen der gemüthskranken Frau gewann und heilend aus den zerrütteten Seelcnstand derselben gewirkt hat, fährt er fort: „Die vorstehende traurige Geschichte veranlaßt« mich zur Nachfrage, wodurch denn jene Familie in so tiefen Vermögensverfall gerathcn sei, und die Antwort war: Einzig durch die Judenhändel! Daß so viele Unterthancn jährlich durch die Juden zu Grunde gerichtet werden, ist eine Klage, die ich nicht bloß von Unterthancn, sondern auch von den Behörden sehr oft gehört habe. Sie ist übrigens nicht neu, sie besteht so lange als der Viehhandcl in den Händen der Juden fast ausschließlich betrieben wird, und ist in ganz Deutschland überein. Hat das Judenthum, die israelitische Religion hieran die Schuld? Ich glaube es nicht, denn es giebt keine jüdische Vorschrift, welche den unerlaubten Wucher in Schutz nahm. Es ist daher mehr Wucherhandel als der Judenhandel der Gegenstand der Anklage und es liegt weniger in dem Judcnthume als vielmehr in der Eigenthümlichkeit dieses Handels der Nachtheil für das Volk. Warum rufen aber die Benachtheiligten nicht den Schutz der Gesetze gegen diese Uebervortheilungen an? Es ist merkwürdig, daß in den 13 Jahren, seit welchen ich bei dem Justizsenat der Regierung thätig war, nur ein einziger Fall von einer solchen Wucheranklage mir vorgekommen ist, und nach einer langen umständlichen Untersuchung mußten die Angeklagten freigesprochen werden! Wie geht das zu? Sind die Beamten und Richter vielleicht so gewaltige Judenfreunde, daß sie den Juden durch die Finger sehen, oder wol gar das Recht beugen? Diesen Vorwurf habe ich noch nie gehört, und es wird sich durch die Thatsachen widerlegen, daß überhaupt wenig Klagen und gegründete Anzeigen über Ungesetzlichkeiten der Juden bei den Gerichten vorgebracht werden. Alle jene Klagen drehen sich um einen Punkt. Wenn ein Bauer durch Unglücksfälle, oder was öfter der Fall ist, durch Trägheit, Liederlichkeit oder verkehrte Wirthschaft so weit heruntergekommen ist, daß er sein Vieh verkauft und wieder anderes anschaffen muß und keinen Kredit mehr findet, dann wendet er sich an den Juden, weil dieser der Einzige ist, der ihm Vieh und Kredit giebt. Der Zins wird allerdings nur landesüblich bedungen, allein der Jude sagt: ich muß mein kleines Kapital höher nützen, als zu fünf Prozent, wenn ich davon leben soll. Für die Ochsen also, die er gegen baare Zahlung sehr gern um 100 Thaler geben würde, fordert er nun 130 Thaler. Er sagt: wenn ich meine hundert Thaler zehnmal im Jahre im Ochsenhandel Umschlagen und bei jedem Baarhandel nur 5 Thaler verdiene, so gewinne ich mehr als 50 Thaler. — Hat der Jude Unrecht? rc." —. Mehrere Beschlüsse der Rabbinerversammlung sind in unserm Fürstenthum in Praxis übergegangen; namentlich wurde in Ob erst ein die Doppelfeier der Festtage von der Mehrheit der dortigen Gemeinde außer Geltung gesetzt. H. Leipzig, 31. Dezember. Die hiesige israelitische Bevölkerung ist in stetem Wachsthum begriffen, sie zählt jetzt 289 Seelen. Äsfenbach, 19. Dezember. Die hiesige israelitische Gemeinde zählt jetzt 1089 Seelen. Sie hat in den letzten drei Jahren angemessnen Zuwachs erhalten. Frankfurt am Main, 30. Dezember. (Privatmitth.) Der Nihilismus der hiesigen, der Synagoge gänzlich abgewandten, extremen Reformer, welche

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