Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1847)
- Date
- 1847-01-11
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 werke unter den lippischen Israeliten".) Auf mehrere eingegangene Anfragen findet sich der Unterzeichnete Vorstand zu der Erklärung veranlaßt, daß das in No. 33 der hiesigen vaterländischen Blätter abgedruckte, der Hannoverschen Zeitung entnommene, aus Detmold vom 25. Oktober datirte Schreiben nicht vom Vorstande des Vereins herrührt und auch mannigfache Jrrthümer enthält. Es ist allerdings richtig, daß sich die Theilnahme am Vereine gemindert hat, indem derselbe im zweiten Geschäftsjahre 80, in dem verflossenen fünften aber nur 63 Mitglieder zählte. Die uns bekannt gewordenen Gründe dieser Abnahme haben wir bereits in unserm dritten Jahresbericht vom 10. Mai 1844 veröffentlicht, worin wir bemerkten, daß die damals erfolgte Aufhebung des Hausirhandels, wovon sich einzelne Vereinsmitglieder aus dem platten Lande bisher ernährt, Manche zum Ausscheiden veranlaßt hätte, während von Anderen der Einwand erhoben wäre, daß der hochsürstlichen Regierung bei der Transskription des Schutzbriefs schon ein bedeutender Beitrag zur Handwerkskasse bezahlt werden müsse, daß endlich noch Andere zurückgetrcten wären, weil der Vorstand ihren statutenwidrigen Ansprüchen nicht entsprechen konnte? Der in dem detmolder Schreiben erwähnte „Haupt- Vorwurf, daß die Israeliten, sobald sie auf Kosten „des Vereins ein Handwerk erlernt hätten, über kurz „oder lang dock wieder in den verderblichen Schacher- „handel zurückfallen würden, und daß die Erfahrung „der neuesten Zeit diese Befürchtung begründe," beruhet auf Jrrthum. Immerhin mögen früher Einzelne ihr erlerntes Handwerk verlassen haben, weil es ihnen nicht den erforderlichen Lebensunterhalt gewährte, ein solches Zurücktreten findet man aber nicht bloß unter den Israeliten, die ohnehin mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sondern auch unter den Christen. Dem Vorstande ist aber noch kein Fall bekannt geworden, daß irgend Jemand, welcher auf Kosten des Vereins ein Handwerk erlernt, dasselbe wieder verlassen und sich dem s. g. Schacherhandel hingegeben hat, vielmehr sind dem Verein über das untadclhafte Betragen und die guten Fortschritte seiner Lehrlinge stets die besten Zeugnisse eingegangen. Auch die in dem Schreiben aus Detmold erwähnte Bestimmung der Statuten bedarf der Berichtigung, daß auch diejenigen, welche ihr Gewerbe ordnungsmäßig betreiben, nach erlangter Selbstständigkeit alle vom Vereine gewährten Unterstützungen in einzelnen nach Billigkeit zu bestimmenden Raten erstatten, oder nach dem Ermessen des Vorstandes einen armen Lehrling unentgeldlich ausbilden müssen, daß aber diejenigen, welche ihr Handwerk verlassen, die erhaltene Unterstützung sofort auf ein Mal zurück zu bezahlen haben. Es ist ferner zwar richtig, daß statutenmäßig vorzugsweise die Erlernung und Betreibung der schwereren Handwerke befördert und unterstützt wird, allein auf Jrrthum beruht es, daß bei Weitem die größere Zahl der Juden bis jetzt die Lohgcrberei zum Handwerk erwählt hat, vielmehr sind die bisherigen Lehrlinge des Vereins Schmiede, Schneider, Schuhmacher, Blaufärber, Baumwollcnweber u. s. w., aber kein einziger Lohgerber. Diese letztere Profession kann übrigens nach der Ansicht des Vorstandes keineswegs zu den leichteren, sondern nur zu den schwereren gezählt werden und läßt auch bei demjenigen, der die Lohgerberei schon selbstständig betreibt, wegen der gewohnten schweren körperlichen Arbeit und der großen Kostspieligkeit der zur Lohgerberei erforderlichen Einrichtungen, am Allerwenigsten einen Rückfall befürchten, wofern man ihm nicht mit Unrecht den Ankauf von Fellen oder Häuten, ohne welche ja keine Gerberei betrieben werden kann, zum Vorwurf machen will. Endlich ist der Vorstand überzeugt, daß die Unduldsamkeit der Gesetze mancher Staaten, der in denselben bestehende indirekte Zwang, und der sich leider nur zu oft äußernde Religionshaß und Mangel an wahrer christlicher Liebe die Haupthindernisse sind, welche einer wünschenswerthen größer» Verbreitung der Handwerke unter den Israeliten entgegenstehen. Der Vorstand des Handwerkervercins. Dr. Dltendorf. Sp. Herford, Adv. Aus dem Fürstenthum Birkenfeld, 20. Dezember. (Privatmitth.) Es ist eine wahrhafte Erquickung, neben den vielen gehässigen Stimmen der Christen gegen Juden auch hier und da die der Liebe und Gerechtigkeit zu hören und das Streben eines Mannes dankbar anzuerkennen, der nicht hinter der vorgehängten Maske der Toleranz starren glaubensparteilichen Egoismus verbirgt, sondern sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, bei allen sich als geeignet darbietenden Gelegenheiten den Judenhaß und