Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1847)
- Date
- 1847-01-11
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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37 aber die Mischung der vier Elemente als das Bleibende, aber sich stets Verändernde zum Prinzip der Schöpfung machten, hatten sie nacheinander die Religion des Fetisch, China's, Indiens, Persiens und den Sabaismus zum Begriff erhoben und aufgelöst. Da war es Anaxagoras, welcher zuerst Sichtbares und Unsichtbares, Stoff und Geist schied, und diesen als das den Stoff in Bewegung Setzende erklärte. Das Sichtbare ist zuerst Chaos von gleichartigen, unendlich kleinen Theilen, das Unsichtbare, der Novg, der Verstand, setzt diese in Bewegung, daß sie sich trennen und vereinigen, und so die Dinge werden. Es war dies offenbar der Gedanke der ägyptischen Religion, Beide ein unersorschliches, also inhaltsloses Urwesen setzend. Hiermit war aber zugleich die griechische Religion vernichtet, denn wenn der Verstand das oberste Prinzip der Welt ist, konnten die griechischen Götter, die Gebilde der systemlosen Phantasie, nicht vor ihm bestehen. Da aber dieser Verstand des Anaxagoras noch ganz ohne Inhalt und Bestimmung war, so mußte er bei den Sophisten rein subjektiv werden, so daß Nichts sei, als was der Verstand sich vorstelle. Diesen gegenüber begriff Sokrates sehr wohl, daß wenn Nichts sei, auch der Verstand Nichts sei, , also der Mensch selbst nicht, daß also auch der Mensch Nichts wisse, wohingegen die Sophisten Alles wissen wollten, weil nur, was sie wüßten, wäre. Sokrates ging daher zur Allgemeinheit über, die er äußerlich erschauere; die Welt ist zweckmäßig, weil Alles in ihr übereinstimmt, weit das Einzelne in das Allgemeine aufgeht; Tugend ist daher, daß das Einzelne sich dem Allgemeinen unterordne. Plato führte dies weiter: das Allgemeine an sich erkannte er als Idee an, welche als Totalität aus allen Besonderheiten resultire, die Einheit in der Mannigfaltigkeit. Diese Idee war aber früher, und das Sinnlich-Wahrnehmbare ist nach der Idee geschaffen und benannt. Diese Ideen schafft der Mensch aus sich heraus, indem er sie in einem frühem Leben schon angeschaut, und indem nun jede Idee ihren Gegensatz setzt, kommt sie zuletzt zur Einheit in der Allgemeinheit. Gerade den entgegengesetztesten Weg geht wieder Aristoteles. Das Allgemeine, sagt er, besteht nicht wirklich, sondern ist nur im Besondern wirklich; das Allgemeine ist bloß die Möglichkeit; es muß also in jedem Besondern die Bestimmung ausgesucht werden. Darum verfolgt Aristoteles nun das Besondere als Wirkliches, ohne es auf das Allgemeine, auf Gott zurückzuführen, was ihm eben nur das Mögliche ist. Alles ist ihm ein Einzelnes, das neben dem andern Einzelnen steht. Hiermit war aber die griechische Philosophie eben so wie die griechische Religion aufgelöst. In dieser erschienen die Götter als einzelne Gottheiten, über die keine Allgemeinheit gefunden wird, in der Philosophie einzelne Wahrheiten, die keine Wahrheit, nichts Absolutes über sich haben. Die spateren Schulen arbeiteten nur mitten im Römerthum diese Selbstauslösung weiter aus, bis die ganze Trostlosigkeit der heidnischen Religion wie Philosophie zum offnen Vorschein und zur eignen Erkenntniß gekommen, weshalb der philosophische und populäre Skeptizismus das Endresultat war. Dies, hochzuv. Anw., ist das Gesammtbild des ganzen religiösen Geisteslebens des Alterthums, so wie des Theils der jetzigen Menschheit, der noch auf derselben Stufe verharret. So schwach diese Umrisse sind, so können Sie doch aus ihnen die Grundlage, das Wesen und das Resultat desselben erkennen. Die Grundlage ist der Egoismus, indem alle diese Erscheinungen nur vom Verhalten des Außens zum Menschen ausgegangen sind; der Inhalt ist: der Widerspruch des Seins und Nichtseins, des Lebens und Todes, des Werdens und Vergehens, welche sich immerfort setzen und immerfort aufheben, und deren Vereinbarung nicht begreifbar; das Resultat ist: die Verzweiflung, die Trostlosigkeit, indem das Bewußtsein des Menschen es nicht zur Wahrheit bringen kann, und sich selbst immer wieder vernichtet. Was ist ihnen Gott? Entweder eine willkürlich angenommene Nothwendigkeit, deren Dasein unerklärlich, oder ein willkürliches Drittes, das durch seinen Machtspcuch den Widerspruch Zweier bestehen laßt, oder ein inhaltsloses, leeres Jenseits, aus dem der Uebergang zum Diesseits nicht begreiflich, oder das naive Geständniß des Unerforschlichen, es ist, aber wir wissen nicht, was es ist. Die Lücken werden nun durch die Gebilde der Phantasie ausgefüllt. Daß diese Trostlosigkeit und Verzweiflung des Bewußtseins aber in den letzten Zeiten des römischen Reiches eine wirkliche und allgemeine war, lehrt uns die Geschichte; wir werden darauf zurückßommm. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschlau d. Detmold, 24. Dezember. (Eingesandt vom Vorstande des „Vereins zur Beförderung der Hand-