Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1847)
- Date
- 1847-01-11
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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36 über jeglichen Berg und Fluß, welche eben die Ordnung zu erhalten haben, er verehrt sie Ln scheußlichen Götzenbildern, setzt sie aber ab, sobald etwas aus der Ordnung gekommen, d. h. irgend ein Unglück geschehen. Der Inder laßt aus den drei emanirten Göttergewalten wieder acht andere, untergeordnete Götter emaniren, wie Indra, Beherrscher der Lust, Suria, die Sonne rc. Unter der Herrschaft des Indra stehen dreiunddreißig gute Geister, denen die frevelnden Geister, Jackscha's und Rackschasa's, entgegentreten. Aber endlich ist jedes natürliche Dasein eine Emanation Gottes, und der Ganges wie das Himelaya ist Gott, der Affe wie die Kuh sind wirkliche Abbilder der Gottheit. Der Perser kennt unter Ormuzd die reinen Geister des Lebens, die Ferwers, die sechs Amschaspands, die zahllosen Jzed's, die in allen Dingen sind, wirken und verehrt werden. Im Reiche des Sabaismus verehrte jede Stadt, jeder Stamm einen eignen Stern als seinen Gott, seinen Baal. All diese Religionen kennen hier nur die eine Konsequenz, von ihrer Grundanschauung aus Alles für göttlich zu erklären, was ihrer besondern Beachtung unterlag, z. B. in Indien der Ganges, in Aegypten der Nil, im prächtig hellen Persien das Licht, in Vorderasien, wo Glut und Dürre oft genug schädlich sind, die Mischung rc. Wenden wir uns aber von den morgenländischen zu den abendländischen Völkern, so gewahren wir hier ein ganz Andres, eine neue Stufe, die dritte. Wahrend nämlich jene die Natur vermöge des widersprechenden Verhaltens derselben zum Menschen, zu Gott machten: machen die abendländischen, Griechen, Römer und Germanen, innerhalb der Natur den Menschen selbst zu Gott. Sie identifiziren nämlich Natur und Mensch; die Empfindungen, welche die äußeren Einflüsse auf den Menschen machen, tragen sie in die Natur selbst hinüber. Dem Orientalen brachten die natürlichen Dinge die und die Wirkung hervor, weil dies eben ihre Natur ist, weil sie so sind, der Grieche aber laßt sie diese Wirkung hervorbringen, weil sie so wollen, weil sie das und das Gefühl haben, aus dem heraus sie es wollen. Der Orientale sah aus die dauernde Eigenschaft der Dinge, der Grieche auf die wechselnde Wirkung, z. B. dasselbe Meer, was heute den Schiffer zum Hafen bringt, verschlägt ihn morgen an unwirthbare Küsten; dieselbe Sonne, die in diesem Jahre die schönste Pracht der Natur hervorbringt, schafft im nächsten schreckliche Dürre. Es muß also ein wechselnder Wille in den Dingen walten, und dieser entprang ihm nun aus gleichen Empfindungen, wie in seiner eignen Brust, aus ähnlichen Leidenschaften, aus Liebe, Haß, Rache, Besänftigung. Daraus entstand ihm ein Doppeltes: erstens, jedes natürliche Ding hat einen Gott in sich, und dieser Gott ist von den menschlichen Leidenschaften beherrscht, und zweitens, jede menschliche Leidenschaft hat selbst einen Gott in sich. Der Himmel hat einen Gott, Zeus, der bald liebt, bald zürnt. Die Liebe selbst hat einen Gott, ja nach den verschiedenen Arten der Liebe verschiedene Götter. Der Friede hat einen Gott, wie der Streit; jeder Gott lebt aber bald in Streit, bald in Frieden. Von diesem Standpunkte aus ist die Welt nicht geworden, sondern die Götter sind geworden. Hier war es nun, wo die Phantasie auf dem Grunde aller natürlichen und psychologischen Beobachtung eine völlig freie Herrschaft übte. Insbesondere der griechischen Anschauung mußte aber darum die Grenzlinie zwischen Gott und Menschen gänzlich verschwinden, und alle Menschen, die vom Nimbus der Vorwelt umleuchtet waren, stiegen zur Götterwett hinauf. Dieselbe Anlage tragen die römische und nordische Mythologien, nur daß ihrer Individualität gemäß der praktische, selbstsüchtige Römer bei seinen Göttergebilden und seiner Götterverehrung zumeist vom Standpunkt des ihm Nützlichen, der Germane von dem der persönlichen Tapferkeit ausging. Um aber das Bild des religiösen Geisteslebens des Alterthums vollständig zu haben, müssen wir auch einen Blick auf seine Philosophie werfen, die jedoch vorzugsweise nur ein Produkt des griechischen Geistes ist. Ein neuerer Schriftsteller sagt: „Es ist ein falsches Vorurtheit, daß zwar die heidnischen Religionen fatsch wären, daß aber die Philosophen des Heidenthums in der Wahrheit gelebt hätten. Man hilft sich gewöhnlich, um die Nothwendigkeit der Offenbarung zu beweisen, mit der Behauptung, durch Philosophie seien immer nur Einzelne, nur die Philosophenschulen, durch die Offenbarung aber die ganze Welt zu Gott gekommen." Und mit Recht sagt er dies: denn die Philosophie des Alterthums hat keinen andern Beruf gehabt, als zuerst die Religionen des Altecthums zu vernichten, und dann sich selbst zu vernichten. Die Philosophie sing aber da an, wo die Religion, und wollte die Ursache aller Ursachen, das Prinzip der Schöpfung finden. Indem nun die jonische Schule ein bestimmtes Element, die pythagoraische die Zahl und Harmonie, die eteatische Schule die Täuschung alles materiellen Seins und die alleinige Wahrh eit der Abstraktion, hingegen Heraklit das Werden, Empedokles