Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1847)
- Date
- 1847-01-11
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 tige, sich immerfort bekämpfende Gewalten, Ormuzd und Ahriman. Da aber aus der Gleichheit und aus dem Kampfe Beider nochwendig Nichts resultiren würde, indem sie sich gegenseitig aufheben, so suchte man über diese Beiden eine dritte, höhere Macht, Zeruane-Akrene, das unerkannte Schicksal, welche mit unbegreiflicher Nothwendigkeit Beide im Kampfe erhält und Keinem den Sieg ertheilt. Der Mensch hat nun die Pflicht, das Reich des Ormuzd durch Hervorbringung von Leben, Bäume pflanzen, Felder besäen rc. und durch äußere Reinigkeit zu fördern, da nach bestimmter Zeit dennoch das Licht siegen werde. Diese konkrete Anschauung mußte aber bei tiefer gehenden Völkern einer abstrakten weichen. Den Indern erschien diese ganze Welt des Wechsels, des Werdens und Vergehens, die keine Lösung an sich habe, als eine untergeordnete, ein Diesseits, über die hinaus eine eigentliche Welt, ein Jenseits liegt, zu dem die sichtbare Welt der schlechte Gegensatz ist. Ueber das Seiende setzt er daher ein Sein, das aber ganz leer, ein bloßes Sein, ohne eine Bestimmtheit, ein inhaltsloses Jenseits, das Brahm. Hierhin kann auch der Mensch gelangen, indem er die Natur überwindet, aus ihr heraus flüchtet, durch völliges Entsagen, durch Ertödtung der Begierden, Verminderung der Bedürfnisse auf's Minimum; wenn er einsam, mit untergeschlagenen Beinen, sich in ein Gedankennichts versenkt, nur das heilige Wort Aoum denkend. Wie ist aber das sichtbare Diesseits aus diesem unbestimmten leeren Jenseits geworden? Dies weiß der Inder nicht zu beantworten. Er sagt: Im Brahm ist der Gedanke aufgestiegen, eine Welt zu schaffen als Gegensatz, und dieser Gedanke ermannte sich zu drei herrschenden Gewalten: Brahma, der Schaffende, Siwa, der Zerstörende, Wischnu der Erhaltende, dessen Symbol das Wasser ist. Wenn aber auf diese Weise die Frage, wie die konkrete Welt aus jenem leeren Sein geworden, gar nicht gelöst ist: so bekannten dies die Aegypter geradezu. Das Urgöttliche, Ne'itha, sagen sie, ist, was war, ist und sein wird; aber seinen Schleier hat noch kein Sterblicher aufgedeckt. Die Ne'itha ist also das unerforschliche Urwesen, aus welchem auf eben so unerforschliche Weise nach und nach Dreifaltigkeiten emanirten, von denen die letzte: Osiris, Isis und Horus, innerhalb welcher die sichtbare Welt ward. Das unerforschliche Urwesen hat sich aber nun in der emanirten Welt ausgeprägt, und zwar in jedem Einzelgeschöpf, außer dem Menschen, namentlich in den Thieren auf charakteristische Weise, so daß diese Thiere einzelne Züge der Gottheit darstellen, weshalb sie, wie Katze, Krokodill, Jbis rc. vom Menschen zu verehren. Allen diesen Religionen, welche also einen Widerspruch in der Natur als dualistische Gottheit setzen, die in eine dritte höhere ausgeht, gegenüber, hat der Satz äismus, dem die vorderasiatischen Völker, von den Assyrern bis zu den Phöniziern und Arabern anhingen, diesen Widerspruch gar nicht anerkannt, sondern vielmehr das Bestehen in der Mischung und Vereinigung der natürlichen Gegensätze gefunden. Das Warme wie das Kalte, das Trockne wie das Feuchte allein wären Verderben, erst durch die Mischung Beider wird das Leben. Es ist also Alles nothwendig, und über alles Seiende die Naturnothwendigkeit als das Höchste und Zwingende. Am Meisten ist diese Naturnothwendigkeit in den Gestirnen abgeprägt, und zwar in den dem Atterthum bekannten sieben Planeten: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn, welchen die einzelnen vorherrschenden Naturkräfte einwohnen. Der Mensch hat Nichts zu thun, als sich dieser Naturnothwendigkeit ganz hinzugeben, was im, dem höchsten Gotte, der Sonne, d. i. dem Moloch, dargebrachten Menschenopfer seine Gipfelung hat. Wenn aber, h. A., alle diese Religionen, wie wir sehen, von einem tiefen Grundgedanken ausgingen, durch den sie die Räthsel des Seins zur Gewißheit einer göttlichen Macht erhoben, so haben sie doch abwärts von diesem Grundgedanken sich stets dem Spiele ihrer Phantasie überlassen, um für die Natur in ihren einzelnen Gebilden ein Verstandniß sich zu schaffen. Dem kindlichen Menschen, der zwischen dem Lebendigen und Leblosen noch nicht zu unterscheiden weiß, ist Alles lebendig, ja das an sich Leblose, das dennoch eine Wirksamkeit zeigt, überrascht ihn am Meisten, und er erkennt in ihm eine ungewöhnliche, eine übernatürliche, eine göttliche Kraft an. Die Schwierigkeit war daher stets nur, wie der Mensch zuerst aus dem Zwiespalt der Einflüsse auf sich zum Begriff einer Gottheit komme, in welcher der Gedanke der Schöpfung gedacht sei. War dies vollendet, so konnte sich der Mensch seiner Phantasie überlassen, um aus seiner Beobachtung der natürlichen und menschlichen Dinge sich Götter und Geister zu schaffen. So sieht der Schamane überall böse Geister, wo ihm ein Schaden geschieht; der Chinese hat Genien eingesetzt über jedes Individuum wie über jede Provinz und Stadt,