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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-11 · Heft 3 (11.1.1847) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 3 (11.1.1847)
Date
1847-01-11
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 unzulänglich ist, die Gunst dieser in den Dingen außer ihm seienden Kraft zu gewinnen, oder ihre Ungunst von sich abzuhalten. Er gewahrt endlich den Wechsel und Wandel darin, daß ihm oft heut gut thut, was ihm gestern geschadet und umgekehrt; wodurch sich ihm abermals seine eigne Unmächtigkeit jener Macht in den Dingen gegenüber aufdrangt. So ist er gezwungen, eine Gewalt in den Dingen außer sich anzuerkennen, sich gegenüber, weil er sich ihr eben nicht gewachsen fühlt, weil sie über ihn, über seine Kräfte hinausreicht. Und diese Gewalt in den Dingen außer ihm, das ist ihm die Gottheit; die nochwendige Anerkennung jener ist der Begriff dieser, wie er in allen Völkern nothwendig entstehen mußte. Diese Erklärungsweise empfiehlt sich gerade dadurch, weil sie alle mystische und psychologische Künstlichkeit zurückweiset, weil sie im rohen Naturmenschen nichts voraussetzt, als was eben in ihm sein muß, und endlich, weil die Entwickelung des Gottheitsbegriffes geschichtlich in der That von hier ausgegangen ist. Das ganze Atterthum nun, und noch ein großer Theit der jetzigen Menschheit ist lediglich auf diesem Grunde verblieben: den Begriff der Gottheit in den außer dem Menschen seienden Dingen und den in diesen waltenden Kräften zu suchen — allerdings in gewissen Abstufungen. Die unterste Stufe *) ist der Fetischmus oder das Schamanenthum. Dieses erkennt, von der rohesten Anschauung aus, eben nur das ihm Feindselige in den äußeren Dingen an, was der Befriedigung seiner Begierde, oder was seiner Existenz Hindernisse setzt. Es ist hier eben Alles nur das Persönliche; der Mensch bezieht noch, wie das Kind, Alles auf sich selbst; das ihm Angenehme und Nützliche versteht sich von selbst, nimmt ec stillschweigend hin; aber das ihm Entgegenstehende, Feindliche fallt ihm auf. Dieses Feindliche sucht er theils durch Opfer zu gewinnen, durch die er den Feind an seinem Wohle betheiligen will, theils durch Beschwörungen, Verzerrungen, Tanze rc. zu bekämpfen. Um sich ein sichtliches Zeichen dieser feindlichen Macht zu verschaffen, wählt sich der Schamane den ersten Gegenstand, der ihm aufstößt, einen Stein, einen Holzblock u. dgl.; sobald er aber einmal auf ein für ihn unüberwindliches Hinderniß gekommen, erkennt er jenes Zeichen für un¬ *) In der Darstellung des heidnischen Atterthums sind wir zum Theil Hirsch'Religionsphilosophie gefolgt. mächtig, setzt es ab, und wählt ein anderes. Durch ganz Mittelafrika, wie im hohen Asien lebt ein ungeheurer, nicht gezahlter Theil der Menschheit noch heute auf dieser Stufe. Sobald aber der Mensch die Natur außer sich zu beobachten angefangen, sobald er vom Augenblick abzusehen und eine größere Zeitfolge zu befassen gelernt hat: muß er bloß das Feindliche, sondern auch das Wohlthätige gewahren, muß er in den außer ihm seienden Dingen ein Zwiespältiges, Leben und Tod, Werden und Vergehen erkennen, die im Gegensatz, also im Kampfe begriffen sind. Dadurch wird ihm die Welt, das Sein, nicht mehr ein ungekanntes, sondern ein Rathsel, dessen Lösung er suchen muß. Dies ist die zweite Stufe, auf welcher alle astatischen Völker, Aegypten eingeschtossen, verblieben sind. Wie wurde nun diese Lösung, jener beiden sich bekämpfenden Gewalt erstrebt? Zunächst ganz äußerlich, formell. Man sah, daß eben die wohltätigen wie die feindlichen Einflüsse einer nach dem andern immer wieder aufhören, daß die Dinge der Natur in bestimmter Ordnung kommen, gehen und wiederkehren, daß demnach die eigne Erhaltung allein durch diese Ordnung möglich ist, weil dadurch die feindlichen Einflüsse zur rechten Zeit immer wieder weichen. So erscheint die Ordnung, das Maß, als das die schädlichen Gewalten Beherrschende und sie mit den wohlthätigen in Gleichgewicht Bringende, also als das Göttliche. Dies ist die Religion des Fohi, welche China und Japan bekennen. Sie erkennen eine Dreifaltigkeit an, Sanzai; der erste Zai, der Himmel mit den Gestirnen, das Befruchtende; der zweite: die Erde mit Feuer, Luft und Wasser, das Befruchtete; der dritte, der Mensch, der durch die Ordnung Beider existirt, und im Kaiser, als der Spitze dieser Ordnung, seine Personifikation hat. Alles muß dahin streben, zur Erhaltung dieser Ordnung, der rechten Mitte, beizutragen, und darum ist der Mensch das dritte Glied der dahin wirkenden Mächte. Je mehr aber diese Ordnung nur die äußere Erscheinung, die Form, aber nicht das Wesen erklärt, desto eher mußte der entwickeltere Menschengeist alles Wohlthätige und Feindselige als getrennte, gegenüberstehende Gewalten begreifen, die nothwendig durch eine dritte, über sie stehende, vermittelt werden müssen. Dies geschah demnächst in ganz konkreter Weise. Den Persern erschien das Leben, das Bestehen, das Gute in der konkreten Gestatt des Lichtes; der Tod, die Vernichtung, das Schlechte in der der Finsterniß; Beide sind gleich mach-

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