Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1847)
- Date
- 1847-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 3. xi. I-Hrgaog. Allgemeine Zeitung des Zu-cnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von I)r. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 11. Januar 1847. Diese Aeilung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — I Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22z. Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzr worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Seitungs-Erpedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Vorlesungen über Geschichte. Inhalt, Stellung und Beruf des Judentlmmö. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Detmold, aus dem Fürstenthum Birkenfelv, Leipzig, Offenbach, Frankfurt am Main, Zelle, aus dem Badischen. Preußen: Berlin, Berlin, Königsberg, Berlin. Oesterreich: Pesth. Italien: Nom. Großbritanien: London. Spanien: Madrid. Korrespondenz r Zur Geschichte des Kalenders. Bon D. Oppenheim, Rabbiner. Leitender Artikel. Magdeburg, 4. Januar. Vorlesungen über Geschichte, Inhalt, Stellung und Beruf des Judenthums. Zweite Vorlesung, gehalten am 29. Dezbr. Das Alterlhum und der Mosaismus. Wenn alle Berichte der Geschichte sowol als aller Reisenden darin übereinstimmen, daß alle Menschenvölker, selbst auf der niedrigsten Stufe der Bildung, eine übernatürliche Macht, eine Gottheit anerkennen: so hat man diese große Erscheinung auf sehr mannigfaltige Weise zu erklären gesucht. Was haben wir aber zu thun, um einen wahrhaften Ausschluß hierüber zu gewinnen? Wir müssen zuerst von allen entwickelten Zustanden des menschlichen Geistes absehen, weit sonst der Begriff einer Gottheit eben nur Eigenthum des entwickelten Geistes sein könnte. Wir müssen ebenso von allen künstlich vorausgesetzten, aber nicht nachweisbaren Zuständen absehen, wie von einem Urvotk, einer Uroffenbarung, einer mystischen Zeitperiode rc., weil wir sonst eben vorausgesetzt, aber nicht erklärt haben. Wir müssen vielmehr in die natürlichste und unauögebildetste Beschaffenheit des Menschengeistes hinabsteigen, und in dieser schon die Nothwendigkeit eines solchen Begriffs aufsinden. Nur dadurch könnte die Allgemeinheit desselben erklärt werden. Dem Menschen natürlich ist nun: das Gefühl seines Jchs, d. h. seines Anderseins als alle übrigen Dinge; der Mensch suhlt sich selbstständig, anders, abgeschlossen von den Dingen außer sich. Es waltet dies so sehr in ihm vor, daß der Nichtwissende in eine naive Verwunderung geräth, wenn er erfährt, daß er in seiner leiblichen Organisation mit einer ganzen Reihe von anderen Wesen übereinstimmt. Indem der Mensch sich so von selbst allen anderen Dingen gegenüber fühlt, genügt ihm für sein eignes Dasein dieses Dasein selbst. Er fühlt sich, darum ist er. Aber die anderen vorhandenen Dinge wirken auf ihn, er empfindet ihren nützlichen oder schädlichen Einfluß auf sich; sie befriedigen entweder seine Bedürfnisse und Begierden, oder sie stehen ihnen entgegen, und suchen sogar sein Dasein zu vernichten. Ec muß also eine ihm freundliche oder feindliche Kraft in ihnen anerkennen; er muß diese theils gewinnen, theils bekämpfen, oder sich davor schützen. Er gewahrt ferner, daß er darüber nicht Herr ist, daß seine eigne Macht zumeist