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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-04 · Heft 2 (4.1.1847) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 2 (4.1.1847)
Date
1847-01-04
Page
Seite 30 (sequence 14)
Language
German
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fessionsverwandten der Stadt ziemlich entspricht. Ueberhaupt möchte es aber auch wol wenige Städte geben, die in religiöser -Beziehung sich einer solchen Toleranz rühmen dürfen, wie sie hier in Wahrheit herrscht. Wem als Beleg zu dieser Behauptung das Resultat der vorgedachten Wahl nicht genügen sollte, dem mag zum Ueberflusse die Thatsache vorgeführt werden, daß Köln, dessen Bevölkerung (mit Ausnahme der Garnison) auf 90,000 Seelen angewachsen ist, worunter 81,900 Katholiken, 8090 Evangelische und nahe an 1990 Juden sich befinden, zwei Abgeordnete zum rheinischen Landtage zu stellen und hierzu zwei Evangelische auserkoren hat. Trotz allen, meist von mißvergnügten Korrespondenten herrührenden gegentheiligen Nachrichten einiger Nachbarblätter herrscht hier im geselligen Verkehr das beste Einvernehmen unter den Einwohnern aller Klaffen und Konfessionen, was die bunte Zusammensetzung unserer Vereine und Gesellschaften sehr deutlich beweist, deren sogar eine (das Kasino) schon seit Jahren einen Israeliten (allerdings ein sehr ehrenhafter Mann) als Direktor an ihre Spitze gestellt hat. Breslau, 11. Dezember. (Fr. I.) Unsere heutige „Schlesische Zeitung" enthält einen Bericht aus Kro losch in, im Regierungsbezirk Posen, wonach es dort bei der Wahl eines Rabbiners für die jüdische Gemeinde sehr tumultuarisch zuging. In Verbindung mit dem gebildetem Theile der dortigen Judengemeinde hatte der Landrath, der den Fortschritt auch unter den Juden zu fördern sucht, nur solche Kandidaten zur Bewerbung zulassen wollen, die neben der rabbinischen Befähigung auch akademische Bildung besäßen und überhaupt den Anforderungen der Gegenwart entsprächen. Dieser Beschluß jedoch, von der Regierung bestätigt, fand bei dem sehr zahlreichen ungebildeten und orthodoxen Theile der Judenschaft so heftigen Widerstand, daß, als am Tage der Wahl (am 7. Dezember) der Landrath erklärte, den von den Orthodoxen gewonnenen Kandidaten Krakauer (der noch orthodoxer als die Orthodoxen sich gerirte, die verworrensten Verkehrtheiten als Lehrsätze des Judenthums ausstellte, und der im Abiturientenexamcn Schiffbruch erlitten harte rc.) zur Wahl nicht zulasten zu wollen, einige Hundert Wähler gegen-die Ausschließung K's laut protestirten. Der ganze Vorstand jedoch hatte anderseits gegen die Zulassung des Gedachten zur Wahl protestirt. Auf jene Erklärung des Landraths, daß er die Protestation der Orthodoxen nicht 'berücksichtigen könne, entstand ein solches-Lärmen und Toben, daß militärische Hülfe von etwa 10 Mann herbeigerufen werden mußte. Das half jedoch noch Nichts; es mußten noch 20 Mann und 3 Offiziere requirirt werden, und der 'Landrath erklärte nun in gerechtem Zorn, daß er die Wahl durchführen werde, selbst wenn er das ganze Bataillon aufmarschiren lassen müßte. Aber der Lärm dauerte fort, und da die Vorsteher nun einsahen, daß ein großes Unglück unvermeidlich sei, so trugen sie beim Landrath um Aufhebung des Wahlgeschäfts an, was auch genehmigt wurde. Es erwartet nun jedenfalls eine strenge Untersuchung die Tumultuanten. Aus dem Regierungsbezirk Minden, 22. Dezember. (Privatmitth.) Seit 1 •/* Jahren besteht eine Konferenz der Lehrer des Fürstenthums Minden und Umgegend, welche dem verdienstvollen und als tüchtigen Pädagogen anerkannten Lehrer Herrn Wolff ihr Entstehen verdankt. Denselben leitete bei ihrer Konstituirung der Wunsch, die Schulen zu heben, und zu diesem Ende der Lethargie entgegenzuwirken, in welche der Lehrer versinken muß, wenn er abgeschlossen von den übrigen Lehrern seiner Konfession, ja bisweilen auch von denen anderer Konfessionen, nur auf seinen Wirkungskreis beschränkt ist, wenn er, seine Methode für die beste haltend, nicht zu der Erkenntniß seiner eigenen Mängel gelangen kann. — Die quästionirte Stiftung zerfällt in zwei wesentliche Bestandtheile, deren einer ein Lchrer-Leseverein und deren anderer die eigentliche Konferenz ist, die aber Beide in der innigsten Beziehung zu einander stehen. Der Lehrer-Leseverein setzt die Betheiligten für einen geringen jährlichen Beitrag inchen Stand, die wichtigsten Schriften, welche auf dem Gebiete der Pädagogik und der jüdischen Literatur erscheinen, zu lesen. In den Konferenzen wird das Gelesene gemeinschaftlich besprochen, oder es werden auch von einzelnen Mitgliedern die Resultate des Gelesenen schriftlich geliefert. Die Konferenzen finden, wegen zu großer Entfernung der einzelnen jüdischen Lehrer von einander, nur zweimal jährlich statt. Der Ort der Zusammenkunft ist jedesmal ein andrer; damit die einzelnen Mitglieder

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