Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1847)
- Date
- 1847-01-04
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
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28 bat nach beiden Seiten hin die störendsten und verderblichsten Folgen wird äußern müssen, und daß auch nach Ansicht der Stände eine schleunige ausdrückliche Beseitigung des Verbots zu einer wahren legislativen Nothwendigkeit geworden ist. Sie zweifeln auch nicht, daß die königl. Regierung diesen Gegenstand sowol wie die übrigen Beziehungen der hier in Frage stehenden Gesetzgebung bereits einer Bearbeitung unterzogen hat, und erlauben sich darauf anzutragen, daß sie die wiederholt beantragten Gesetzvorlagen über die Beseitigung der privatrechtlichen Verschiedenheiten über Juden im Allgemeinen und insbesondere über Aufhebung des fraglichen reichsgesetzlichen Verbots noch an die gegenwärtige Ständevcrsammlung baldigst gelangen lassen möge. Hannover, 14. Dezember 1846. v. Hodenberg, Dt. Hartmann. Wedemeyer. Merkel." Neubuckow (Mecklenburg-Schwerin), im Dezember. (Privatmitth.) Der Umstand, daß selbst der Frühgottcsdicnst am Sabbat in vielen kleinen Gemeinden Meckelnburgs wegen Mangels an 10 erwachsenen Mannspersonen nicht öffentlich abgehaltcn werden kann, hat den nachfolgenden Erlaß des israelitischen Oberrathes in Schwerin an den Vorstand der hiesigen Gemeinde veranlaßt: „Auf Ihre Anfrage vom 23. September d. I. erwidern wir Ihnen, daß ad 1) ein öffentlicher Gottesdienst auch mit weniger als mit zehn konsirmirten Mannspersonen abgehaltcn werden darf, im Uebrigen ad 2) Frauen eben so gut wie Männer zur Gemeinsamkeit und Oeffentlichkeit des Gottesdienstes gehören, wie denn auch die religiöse Mündigkeit der Frauen schon durch ihre Zulassung zur Konfirmation ausgesprochen ist." Der Abgang Holdheim's wird wegen schöner Erfolge im Schul- und Synagogenwesen vielfach bedauert. Auch an dem Erlaß des Schutzgeldcs, das jährlich 8000 Thlr. betrug, soll er vielen Theil haben. Preußen. Breslau, 13. Dezember. (Privatmitth.) Große Freude hat in den hiesigen jüdischen Kreisen die Nachricht verbreitet, daß der wohllöbliche großherzogliche Gemeindevorstand zu Mannheim das Ansuchen der hochwürdigen Rabbinerversammlung ihre nächsten Berathungen in dieser Stadt abzuhalten, mit vieler Bereitwilligkeit entgegengenommen habe. Es ist dies ein neuer Beweis der Anerkennung für das Streben jener erleuchteten Männer, das jüdisch-religiöse Moment in seiner veredelten Gestaltung dem Bewußtsein seiner Bekenner zuzuführen; ein Beweis, daß die Theilnahme für die Regencrirung und Belebung des inhaltlichen Ausdrucks unsres Glaubens im Osten wie im Westen des deutschen Vaterlandes gleich starke Wurzeln geschlagen habe. Werden jene falschen Propheten, die mit so vieler Bestimmtheit der gedeihlichen Entwickelung der Rabbinerversammlung ein baldiges Ende voraussagten, jetzt zum Schweigen gebracht sein? Werden die Verdächtigungen, die Lästerung, und alle die lügnerischen Insinuationen, die den Beschlüssen jener Versammlung die moralische Kraft nehmen sollten, nun verstummen? Wir wissen es nicht! Das menschliche Herz hält nur zu oft mit so großer Tenazität an seinen Verirrungen fest, daß selbst die gerechteste Ueberzeugung es nicht von ihnen erlösen kann; aber mag immerhin die Verleumdung fortfahren, das edle Unternehmen mit ihrem Geiser zu besudeln; mag die herabgewürdigte Presse noch fernerhin im Solde der Finsterniß verharren; das Volk ist nun einmal an's Licht herangetrcten, der Lebensschlag der Zeit pulsirt nun auch in ihm, die Reform ist ein Bedürfniß der Nothwendigkeit geworden, und das sind die unerschütterlichsten Stützen eines Instituts, das sich's zur Aufgabe gesetzt hat, der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen, und den Geist als den Beherrscher der Form anzuerkennen. — Sehen wir nun, wie es mit der beabsichtigten Theologenversammlung steht. Wenn die theilnehmende Aeußerung der dafür sich Jnteressirenden, das Gehaben eines Instituts bedingt, so fürchte ich, daß derselbe kein glückliches Geburtsfest feiern werde. Aus der großen Masse der Laien- Thcologen haben sich nur sehr Wenige gemeldet, von den Rabbinern haben Einige ihre Zusage zurückgenommcn, und doch gerirte sich die Theologenversammlung als das Organ des größern Theils der Juden; sie wollte ja die konservative Partei repräsentiren, welche, wie behauptet wurde, Sitz und Stimme in dem eigentlichen Volke haben soll. Doch wir möchten nicht gern in denselben Fehler verfallen, den wir an Anderen rügten, und uns das zu Schulden kommen lassen, was wir so höchst verwerflich finden; wir können aber wol aus wirklich vorhandenen Ursachen