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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-04 · Heft 2 (4.1.1847) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 2 (4.1.1847)
Date
1847-01-04
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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24 fremden Lande sich entgegenstellen, zu überwinden; wer die Träume von den alten Wichtigkeitsmachereien auch in der alten Heimath gelassen, der findet gewiß sein Auskommen hier, und hat alle Fälle für sich, es zu etwas Tüchtigem zu bringen. Hier zu Lande giebt es nicht die Kastenabtheilungen, daß ein Lampenputzer in seine Kategorie, ein Fuhrmann in die seinige, ein Kommis in eine dritte, ein Kaufmann in eine vierte ic. gehört, und nach dieser Kategorie behandelt und geachtet wird; hier heißt es: der Mann macht sein Leben mit dem Erwerbe, ein zweiter mit einem andern, und des Abends zieht Jeder seinen schwarzen Frack an, und wählet und stimmt für seinen Kandidaten zur Präsidentur, so gut als der reiche Millionär Aston. Jeder, der sich redlich und anständig ernährt, ist auch geehrt. Aber der Fremde, der herüberkömmt, darf nicht glauben, daß New-Pork mit Doublonen gepflastert ist; darf nicht sprechen, das habe ich zu Hause nicht gethan, und dazu kann ich mich nicht hergeben; wer so denkt, der bleibe in Deutschland geduldig und gutmüthig hinter seinem Kruge Bier sitzen. Wer hieher kömmt, komme mit dem Borsatze, für keine Arbeit sich zu hoch zu dünken, willig auch manches Ungewohnte zu ertragen, und dann gelingt cs ihm gewiß. Wir haben in hiesiger Stadt eine Menge von Kaufleuten, die Geschäfte für 100—200,000 Doll, thun und die, als sie vor sechs Jahren ankamen, keinen Pfennig in der Tasche hatten. Die trugen anfangs einen schweren Bündel von 100—120 Pfund Tage lang, um sich Etwas zu verdienen; als sie das Etwas hatten, dann singen sie mit Pferd und Wagen zu krämern an; dann errichteten sie ein kleines Geschäft im Lande, und nun bilden sie Häuser in New-Uork, die allgemeine Achtung und Kredit genießen. Man wird mir antworten: Wer Arbeitslust und Arbeitsfähigkeit hat, bringt es auch in Deutschland zu Etwas. Das wäre freilich wahr, wenn dem Juden nicht tausend Ausnahmsgesetze entgegenträten; wenn wir nicht Hunderte hier hätten, die ihr Letztes erst im Nachsuchen von Konzessionen und Gewerbsgerechtsamen verprozessirt hätten; mit dem Gelde hätten sie cs hier schon zu Etwas gebracht, und wären, wenn sie sich hier so viel, als in Deutschland, und doch umsonst, geplagt hätten, schon längst unabhängige Leute, die kein Gensd'arme auf der Landstraße beängstigt. Männer von solchem Muthe die sind hier recht, und ihnen lächelt mit der Zeit eine freundliche und glückliche Zukunft. — Die zweiten, die hier willkommen sind, sind die Handwerker; der Arbeitslohn ist hier hoch, die Gelegenheit zum Verdienste vorhanden, die Konkurrenz im Lande ist noch nicht zu stark, und im Westen wartet ihrer Aller reicher Verdienst. Ein sehr glaubenswürdiger Mann aus Cincinnati sagte mir, daß dort allein noch zweihundert Schuhmacher ihr reiches Auskommen finden können. Schicken nun Familien ihre jungen, unverheiratheten Männer voraus, von denen sie wissen, daß sie tüchtig sind, den Muth haben, die ersten Unannehmlichkeiten zu überkommen, so werden diese bald Fuß fassen, die Aeltern und Geschwister dann Nachkommen lassen, und Beide werden glücklich sein. — Nun komme ich aber auf die Kehrseite. Wir haben in diesem Sommer Leute herüberbekommen, die in der alten Heimath weder Lust noch Fähigkeit zur Arbeit hatten; Leute, die einem Stiefvater oder einer Stiefmutter aus dem Wege gehen sollten, damit man ihr Vermögen an sich ziehen könne, und die also schon von vornherein entmuthigt waren; Leute, die halb blödsinnig waren, und die man draußen los sein wollte; wie, fürchten sich die Verwandten nicht, solche Menschen herüberzuschicken und sie einem grenzenlosen Elende auszusetzen? Die Gemeinden haben durch freiwillige Beiträge die Kosten der Rückfahrt für Manche gedeckt; aber wenn man dessen müde wird, was wird das Loos dieser Unglücklichen sein? Freilich oft macht auch ein Tölpel — man verzeihe mir den Ausdruck — sein Glück, und oft schneller als der Thätigste und Klügste; aber dann ist es auch nur ein Glück und keine vernünftige Bereicherung. Wir brauchen hier Männer mit Fleiß, Muth und Geduld; das soll ihr Kapital sein, das sie mitbringen; dann werden sie ihr eignes und das Glück der Familien, die sie Nachkommen lassen, gewiß und bald begründen. Einen zweiten mahnenden Wink muß ich den Lehrern geben. Ich habe von Mehreren Briefe bekommen, die ihre Stellen ausgeben und herüber wollen. Hier gilt nun die Regel, daß Männer, die Familie, Anstellung und Auskommen haben, drüben bleiben sollen. Denn der Unterricht muß, da unsere Kinder Meistens nur englisch verstehen, in englischer Sprache ertheilt werden; das verstehen aber diese Leute nicht. Bis sie das erlernen, haben sie ihre Mittel längst aufgezehrt, und was soll die Familie unterdessen beginnen. Zu etwas Anderm giebt sich der deutsche Gelehrte in

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