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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-04 · Heft 2 (4.1.1847) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 2 (4.1.1847)
Date
1847-01-04
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 mübet Niemand, für Arme und die wohlthätigen Vereine zu spenden. Es bestehen an solchen in New- Pork gegen zwanzig. Ein Theil von ihnen sind wechselseitige Versicherungsanstalten der Mitglieder derselben gegen die verschiedenen Unfälle des Lebens; ein Theil sind bloß Anstalten zur Vertheilung der Unterstützungen an Armen. Die bedeutendsten der Letzteren sind die „Hebrew benevolent Society“, deren Präsident der bekannte M. M. Noah ist, und die Heuer ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum feierte, und die „German hebrew benevolent Society“, deren Präsident Herr Kaiser ist, und die in diesem Jahre ihr drittes öffentliches Dinner gab. Ich habe Ihnen ein solches im vergangnen Jahre beschrieben; die wohlthätigcn Spenden an dem Abende des 12. November beliefen sich diesmal auf 2300 Dollars 5750 Fl. Man wird kaum zu hoch gehen, wenn man annimmt, daß die Einnahmen der neun Gemeinden und der verschiedenen Vereine in New-Pork sich jährlich über 40,000 Dollars belaufen, und diese gewiß sehr bedeutende Summe wird nur dadurch zusammengcbracht, daß der größte Theil der Individuen weit mehr thut, als die jungen Kräfte noch erlauben. Aber was thut die Freiheit nicht? So und ähnlich sieht es in den größeren Gemeinden aus. Werfen wir nun einen Blick über das weite Gebiet der Union, wo hier und da kleine und vereinzelte Gemeinden sich bilden. Ein Jude ist vor mehreren Jahren hinaus in ein kleines Städtchen gezogen, und lebt da ferne und getrennt von Allem, was Jude und Judenthum ist. Man weiß nicht, daß er Jude ist; er hält kein jüdisches Gebot, beachtet keine jüdische Zeremonie. Einige Zeit nachher gesellt sich noch ein Jude, dann ein zweiter, ein dritter dazu; die heilige Zeit unsres Neujahrs- und Versöhnungstages kömmt, die Leute denken an Gott, und sehen in ihrem Wohlstände, wie viel sie Ihm zu danken haben, sehen auf ihr irreligiöses Leben und schämen sich deffelben. Der Wunsch wird in ihrem Herzen rege, zu Gott zurückzukehren; sie zählen sich und sind ihrer zehn, sind im Stande ein Minjan zu bilden; Einer macht den Vorschlag, sich als Gemeinde zukonstituiren, die Anderen stimmen freudig und begeistert ein. Man beräth sich, schießt etwas Mittel zusammen, und dann kommt in New-Pork oder in einer andern großen Gemeinde ein Brief an. Die Leute schicken Geld, um ihnen eine rid, mrvr» und nns-'a: dafür zu senden, beschreiben einen ssn und unirr und kömmt man nach fünf Jahren an einen solchen Ort, an dem man bei seiner ersten Anwesenheit von einem Juden keine Spur hatte, so findet man eine gut und frei organisirte Gemeinde, eine hübsche Synagoge, ein eignes lYnapn ma, und wundert sich, wie schnell und wie fest das Judenthum in dem neuen Vaterlande Wurzel saßt. Und dieses Bild findet man, wohin man den Blick wendet, und noch wenige Jahrzehende, so sind jüdische Gemeinden überall, wo die Zivilisation ihren beglückenden Fuß hinsetzt und die Kolonisten die Urwälder gelichtet haben. Da der Jude hier nicht den judenfcindlichen, europäisch-humanen Ausnahmsgesctzen unterworfen ist, so findet man ihn auch in allen Stellen und Gcwerbszweigen. In Charlestown bekleiden die Juden die ersten öffentlichen Aemter; in Baltimore, Philadelphia, New-Pork und anderen Städten desgleichen; und allgemein bekannt ist cs, daß im Kongresse zu Washington, sowol im Senate, als im Hause mehrere und ausgezeichnete Juden sitzen. Daß der Jude sein Amerika wirklich liebt, bezeugen nicht nur die einzelnen Offiziere, die jetzt in der Armee gegen Mexiko stehen; sondern auch die Hebrew- Volimteer-Conipany, die sich in Baltimore bildete, und dem Präsidenten in dem gegenwärsigen Kriege ihre Dienste anbot. — Wir zählen auch sehr viele jüdische Fabrikanten, Handwerker in allen Fächern; und wenn ein europäischer Judenfrcund Sie fragen sollte: Wie, handelt denn der Jude in Amerika gar nicht? so antworten Sie ihm so ironisch als er Sie frug: O ja, sehr viel, und sehrvortheilhast, und ohne daß die christliche Bevölkerung sich dadurch beeinträchtigt fühlt. — Die Lust zum Ackerbau erwacht hie und da auch, und besonders in Wisconsin hat man die Hoffnung, bald jüdische Kolonieen zu sehen. Diese ganze Schilderung wird nun gewiß nicht verfehlen, in Vielen die Luft zur Auswanderung nach Amerika zu wecken; und sind es nur die Rechten, die davon geweckt werden, so fteue ich mich, ihnen im neuen Vaterlande bald die Bruderhand drücken zu können. Um aber auch nur die Rechten herüber zu rufen, erlauben Sie mir folgende Bemerkungen. Amerika ist ein junges, gesegnetes Land, überreich an Erwerbsquellen. Wer die Lust und Fähigkeit zur Arbeit mitbringt, wer es sich nicht verdrießen läßt, die ersten Schwierigkeiten, die einem Jeden in einem

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