Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1847)
- Date
- 1847-01-04
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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22 summe von 5000 Doll, bezahlte — abtrat. Sie bauen nun eine neue Synagoge in Wustcrstreet, die auf mehr als 20,000 Doll, kommen soll. Dasselbe englische Element hatte aber auch die Wirkung, daß die deutschen Juden, die herüber kamen und der deutschen Sprache nicht mächtig, auch an die Verschiedenheiten des englischen vom deutschen Ritus nicht gewöhnt waren, sich absonderten. Bis vor zehn Jahren sah man nur sehr wenige Deutsche hier. Die Leute waren überdies Anfangs arm, hatten auch Unterstützung Anfangs genossen, und konnten, der gentlemannischen Weise unkundig, nicht sobald hoffen, vollkommen anerkannt zu werden. Der Deutsche, der bei seinem Fleiße, bei seiner Beharrlichkeit, bei seiner Arbeitslust und vor Allem bei seiner Sparsamkeit sich sehr schnell hinausarbcitete, so daß wir unter ihnen nun Leute sehen, die als Bettler herübergckommen waren, und nun die herrlichsten Geschäfte und baares Vermögen haben — dieser Deutsche wollte sich nicht über die Achsel und mit Gnaden angeblickt wissen, sondern selbst gelten. Und diese Umstände gaben die Veranlassung zur Gründung der ersten deutschen, der Ansche-Chescd-Gemcinde, die eine herrliche Synagoge in Henrystreet hat. — Der Anfang derselben war sehr klein, und so klein, daß der Gottesdienst Anfangs in einem Zimmer abgchalten wurde, und die Leute am Freitag Abends, im Winter, ein Stück Holz ein Jeder mitbrachten, um das Zimmer zu wärmen. Die deutschen Einwanderer waren und sind größtentheils 5/s aus Baicrn, von welchem Lande sie das Pharaonische Gesetz vom Jahre 1813 treibt, daß die Vermehrung der Juden zu verhindern befiehlt. Nachdem die Ersten ihr Glück gemacht und sich eine Existenz begründet hatten, folgten diesen immer mehr, und jetzt ist der Strom der Einwanderung jährlich im Ungeheuern Wachsen; so zwar, daß die eine Ansche-Chesed-Gemeinde jetzt schon an 320 Mitglieder und Sitzhalter, die zweite deutsche Gemeinde Schaar Haschomajim an 220 Mitglieder und Sitzhalter, und die dritte Gemeinde Rodes Scholom an 180 zählt. — Dieser starke Anwachs der Deutschen hatte die Gründung der genannten zweiten Gemeinde benöthigt, und eine Unzufriedenheit mit der Verwaltung hatte die Trennung derselben und die Gründung der dritten herbei geführt. So viel Geld auch erspart werden könnte, wenn diese drei Gemeinden nur eine bildeten, so hätte mit der Zeit doch eine andre gebildet werden müssen, da die Gemeinden unverhältnißmäßig rasch anwachsen, und in denselben in dem Jahre 1846 hundert Hochzeiten gefeiert wurden. — Die Verschönerung des Gottesdienstes, die in Deutschland vor einem Jahrzehend noch in den dortigen Gemeinden so vielen Kampf heroorgerufen hatte, begann auch hier von Mehreren gewünscht zu werden, und die ersten indirekten Schritte dazu geschahen durch die Gründung des Kultusvereins. Es kommt in Amerika in solchen Fällen zu keinen ähnlichen Streitigkeiten, wie in Deutschland, da die Kirche vom Staate nicht beaufsichtigt ist, sondern Beide ganz unabhängig nebeneinander bestehen. Wird irgend eine Meinung rege, und findet sie nicht allgemeinen Anklang, so trennen sich diejenigen, die derselben huldigen, von den Andersdenkenden, und bilden sich eine eigne Kongregation. Auf diese Weise entstand die deutsche Jmanu-El-Kongregation, die nach den Einrichtungen des Hamburger Tempels ihren Gottesdienst — jedoch nicht durchgehends — organisirt hat. Rev. Dr. Merrbacher ist als Geistlicher an demselben angestellt; der Chor benützt die wiener und Münchner Chorgesänge, und alle 14 Tage wird in dem Tempel gepredigt. — Während der Zeit hatte sich auch eine nicht unbedeutende Anzahl von Juden, theils aus Preußisch-, theils aus Russisch- Polen hier zusammcngefunden, und eine polnische Gemeinde begründet. Da Mehrere von ihnen schon länger im Lande und mit Christinnen verheirathet waren, welche Letztere später zum Judcnthume übertraten, so entstanden in dieser Gemeinde Mißhelligkeiten, die die Trennung derselben veranlaßten, so daß wir in New- Pork jetzt neun jüdische Gemeinden mit ungefähr 8—10,000 Juden haben: die portugiesische mit Chasan Lyons; die Elmstreet-Gemeinde: Chasan Leo; die Gemeinde Anschc-Chesed, Schaar-Haschamajim und Rodef-Scholom: Chiesrabbi Dr. Lilienthal: der Tempelgeistliche Dr. Merrbacher, die zwei polnischen Gemeinden und die Schaare-Tesila: Chasan und Prediger S. Isaaks. Ich führe sie Ihnen nach dem Alter ihrer Entstehung auf, und wie die Gemeinden hier sich gebildet und koordinirt haben, so ging und geht es in allen den größeren Gemeinden Nordamerika's, die ich Ihnen aufgeführt habe. Der Wohlthätigkeitssinn unter allen Gemeinden ist nicht genug zu rühmen und anzuerkennen. Abgesehen von den ungeheueren Summen, die jährlich an arme Verwandle nach Europa geschickt werden, er-