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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-04 · Heft 2 (4.1.1847) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 2 (4.1.1847)
Date
1847-01-04
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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21 Dienste des einig-einzigen Gottes gewidmet sind; und in wenigen Iahrzehenden wird das Judenthum hier so festen Fuß, oder vielleicht noch festem Fuß als in Europa gefaßt haben; denn man kennt hier weder den proselytirenden noch überhaupt judenscindlichen Geist einer Regierung, wie er im aufgeklärten, erleuchteten und philantropischen Europa zu Hause ist. Die vorzüglichsten Gemeinden befinden sich in New- Pork, Philadelphia, Baltimore, Charlestown, Albany, Richmond, Cincinati und New-Orleans. Diese sind zahlreiche Gemeinden; weniger zahlreich sind Boston, Cleveland, St. Luis, Syracuse, New-Havcn, Claiborne, denen sich in kurzer Zeit noch eine Menge anderer, die in ihrer Organisation eben begriffen sind, wie Chikago, Buffalo, Augusta rc. anschließen werden. Noch vor zwölf — fünfzehn Jahren kannte man nur die portugiesischen Gemeinden in New-Pork, Philadelphia und Charlestown; denn Juden, die portugiesischem Ritus angehörtcn, waren die ersten, die nach Amerika übergesiedelt waren; sie waren vermögende Leute und trafen dienöthigen jüdischen Einrichtungen; Juden, die anderm Ritus angehörten, und von anderen Gegenden hierherkamen, waren zu vereinzelt und zu unbemittelt, als daß sie auf eigne Faust Etwas hätten unternehmen können; und schlossen sich somit diesen Gemeinden an. Man kann es getrost behaupten, daß der bei Weitem größte Theil der Mitglieder der gegenwärtigen portugiesischen Gemeinden nicht aus Sephardim, sondern aus Abkömmlingen von Engländern, Holländern rc. besteht, die zu ihrer Zeit jenen Gemeinden beigetreten sind. Die Gründer dieser Gemeinden waren vermögende Leute, die bedeutende Legate hinterließcn; und in New-Port, wo heute gar keine Juden wohnen, steht eine herrliche Synagoge mit einem bedeutenden Legate. Der Erbauer hat in Letztcrm die Bedingniß sestgestellt, daß mit den Interessen des Kapitals die Synagoge immer in gutem Zustande erhalten werden, und in dem Gotteshausc selbst nur nach sephardischem Minhag gebetet werden solle. Dieser Wille des Legators verhindert die jüdischen Einwanderer, die vielleicht gern jene Synagoge benutzen möchten, dorthin zu ziehen, und so steht das Gotteshaus seit Iahrzehenden leer und verwaiset. Der Streit, der in Amerika zwischen Natives und Einwanderern besteht, machte sich auf seine Weise auch unter den Juden geltend — und da ich mehr mit der Geschichte bekannt bin, wie die Synagogen nacheinander in New-Bork, als in anderen Städten entstanden sind, so will ich diese geben; sie ist aber ein getreues Kontrefei auch dessen, wie die verschiedenen Gemeinden in anderen großen Städten entstanden sind. — Die portugiesische Gemeinde dahier ist die älteste, und in ihren Gemeindefonds die bemittelste. Vor ungefähr 28 Jahren war sie die einzige in hiesiger Stadt. Es kamen vereinzelte jüdische Einwanderer an und fanden, reichliche Unterstützung bei derselben. Da das Land damals noch sehr jung war, die Eingewanderten keine Mühe und Arbeit schcueten, so arbeiteten sie sich bald hinaus, und fingen sich zu fühlen an. In diesemsjGefühle wollten sie auch gelten, bei den Wahlen ihre Rechte und ihren Einfluß geltend machen; dazu kam, daß ihnen der portugiesische Ritus fremd war — also Grund genug zu Reibereien. Die Folge war, daß unter bitteren Feindseligkeiten eine Trennung stattfand, und eine zweite Gemeinde, die jetzige Elmstreet-Synagoge errichtet wurde. Da sie das portugiesische Element ausschied und den englischen Ritus annahm, so war sie allen Einwanderern ihrem Gottesdienste nach befreundet, und Alles, was damals ankam, schloß sich derselben an, so daß sie noch heute die gemischteste von allen anderen ist. Sie zählt unter ihren Mitgliedern Engländer, Holländer, Polen, Deutsche — doch war bis zum vorigen Jahre der englische Ton vorherrschend. Der Chasan, Rev. Samuel Isaaks, predigte in englischer Sprache, die Verhandlungen in den Gemeinden wurden in englischer Sprache gepflogen, da sie, als die Landessprache, das beste Verständigungsmittel zwischen Männern von so verschiedenartiger Zunge war. Allein eben dieser Umstand gab den Engländern wieder ein Uebergewicht, das zu neuer Trennung und neuen heftigen Streitigkeiten führte. Die Gemeinde hatte eine herrliche Kirche in der Elmstreet käuflich an sich gebracht, und dieselbe in eine Synagoge umgewandelt. Die Engländer fürchteten, daß sie von der obersten Verwaltung ausgctrieben würden, wenn sie nach dem Staatsgesetze einem Jeden, der ein Jahr lang einen Sitz in der Synagoge hatte und die üblichen Abgaben bezahlte, als Mitglied aufnehmen und ihm Stimmrecht geben würden. Sie verweigerten also den Sitzhaltern das Recht zu stimmen; dieser Umstand führte zu den heftigsten Angriffen von beiden Seiten, und endigte damit, daß Rev. S. Isaaks mit den Engländern — denen man eine Vergütigungs-

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