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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-01 · Heft 1 (1.1.1847) · p. Seite 14

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Hauptsache sich gleich geblieben; wahrend in Beziehung auf Methode, zweckmäßiges Jneinandergreifen und was dahin gehört, beständiges Bessern und Fortschreiten Natürlich unerläßlich ist. Unser Lehrpla» enthält alle Fächer, die zur allgemeinen Vorbildung für das Leben gehören. Kein Zweig des Unterrichts darf schien, welcher jungen Leuten bis zum zurückgelegten 1Z. oder 16. Lebensjahre sowol für ihre allgemeine Ausbildung, Äs für die wichtigsten Brrufsarten zur Grundlage dient. Dabei hat die Erziehungsanstalt unausgesetzt ebensowol diejenigen ihrer Pflegebefohlenen zu beachten, die zu höheren Studien sich eignen, als die zu praktischen Gewerben übergehen. Daher die unerläßliche Reichhaltigkeit unseres Lektionsplans. Der Ueberladung und Ueberarbeitung aber wird dadurch vorgebaut, daß jeder Einzelne nur an denjenigen Lehrstunden Theii nimmt, die feiner Kraft und Bestimmung angemessen sind. Sonstige Nachtheile des Zuviel-Lernens oder Zuviel-Sitzens werden bei uns vermieden durch sorgfältige Abwechselung in der Beschäftigung und Aeiteintheiluttg, durch eine angemessene Lebensordnung, zweckmäßig« Ruhepunkte und allseitige Fürsorge für das Physische überhaupt. Daß neben der leiblichen und geistigen Entwickelung unserer Zöglinge, vor Allem bas Gebier der Sittlichkeit, Zucht und Ordnung Hauptgegenstand unserer beständigen Aufmerksamkeit und Wachsamkeit ist, bedarf wol keiner weitern Ausführung. Eben so ist und bleibt die Pflege des religiösen Elements, km Geiste unseres verewigten Stifters, eine unserer wichtigsten und heiligsten Aufgaben; und unser Tempel — wir dürfe» es ohne Ueberhebung versichern — trägt das Seine bei, um den Geist echter Gottesfurcht und Frömmigkeit den Herzen einer zahlreichen Jugend tief rinzuprägen, den mindestens für die zeitgemäß erzogene Jugend nicht mehr abzuweisende Verbesserungen in unserem Kultus Bahn zu machen und ein Geschlecht heranzubilden, das sich des Namens „Jude" nicht schämt und nicht zu schämen hat. So bleiben wir in geräuschloser Zurückgezogenheit, besonnen den Zeichen der Zeit lauschend und Folge gebend, Bestrebungen getreu, die einstens durch den unvergeßlichen Israel Jakobson von hier aus angeregt worden sind. Der Fortschritt, der während der letzten Jahre in unserem Gottesdienste, ohne demselben seinen Grundtypus zu nehmen, gemacht werden konnte und mußte, besteht in einigen ferneren Abkürzungen und in einer etwas weitern Ausdehnung des Gebrauchs der Muttersprache. Die Einführung des dreijährigen Zyklus bei den Toravorlesungen möchte auch wol bei den strengsten Freunden des Altherkömmlichen wenig Widerspruch finden, wenn sie erwägen, daß hier 80 — 90 Knaben die bei Weitem überwiegende Mehrzahl der Besucher des Gotteshauses bilden, und zwar Knaben, denen nicht vergönnt ist während jener Vorlesung etwa eine Erholung im Freien zu suchen. Uebrigens wird der vorgctragene Abschnitt (wo die Erbaulichkeit des Inhalts es gestattet in wörtlicher Uebersetzung, sonst nur auszugsweise) auch deutsch vorgelesen, die Haphtora aus den Propheten oder h. Schriften aber (vorläufig aus den Sprüchen Salomonis) wird nur deutsch gelesen. Der nicht hoch genug anzuschlagende Hauptgewinn dieser Einrichtung besteht darin, daß es uns nun möglich ist, die jedesmal zu verlesenden Abschnitte während der dem Sabbat vorhergehenden Woche in der Ursprache gründlich mit den Schülern durchzunehmen, so daß sie nunmehr', die Bibel vor sich, den Vorlesungen mit wahrer Theilnahme und Erbauung folgen. Eine so vollständige Vorbereitung auf einen Haupttheil des sabbatlichen Gottesdienstes, war nicht wol zu erzielen bei dem bisherigen Umfange der Vorträge nus der heil. Schrift, wenigstens da nicht, wo schon wegen der Mischung jüdischer und christlicher Kinder dem Unterrichte im Hebräischen nur eine beschränkte Stundenzahl zugewiescn fein kann. -— Was die Anwendung des Deutschen in unseren Gotteshäusern betrifft, so ist dasselbe gewiß da allermeist an seinem Platze, wo die alten hebräischen Gebete, wenn auch als Erzeugnisse einer ander» Zeit noch so ehrwürdig, doch nun einmal für unsere Jugend ihre erbauliche Kraft verloren haben. Wie leicht ist es da, durch Umschreibung, den Grundgedanken beibehalkend, das Anstößige zu umgehen. Auch hierin wird man wol bei einer Versammlung von Knaben und Kindern Manches zugestehen, woran Erwachsene für sich noch Anstoß nehmen. Sind doch die Fälle gar nicht selten, daß denkende Altfromme, was sie in religiöser Beziehung für sich unstatthaft erachten, doch für ihre nun einmal in einer andern Zeit und Richtung austvachsenden Kinder nicht bloß konnivirend zulassen, sondern auch ausdrücklich fordern und begünstigen. In der That läßt sich nicht erwarten, daß Kinder sich noch in der Weise ihrer Väter erbauen, wenn sie in einem andern Geiste erzogen sind, eine andre Sprache reden, eine andre Lust einathmen. Die Verständigung über die nökhigen Anordnungen im Kultus dürften daher vielleicht überall erleichtert werden, wenn man dabei das Bedürfniß des Heranwachsenden

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