Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 9) Herr Pastor Schutz, der mit rühmlicher Humanität fortwährend unseren christlichen Schülern den Religionsunterricht kn der Anstatt ertheilt und öfters auch noch eine andere Lehrstunde der Gesammtheit gewidmet hat, — ohne irgend eine Vergütung dafür anzunehmen. Die Einheit unter diesem ziemlich zahlreichen Kollegium, das zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles Zusammenwirken soll, wird erhalten 1) durch strenges Festhatten an den allgemeinen Prinzipien, welche der Bestimmung und Leitung der ganzen Anstalt zu Grunde liegen; 2) durch Aufstellung von Reglements für die verschiedenen einzelnen Thätigkeiten. Ein solches Reglement giebt die tägliche Lebensordnung an, ein anderes das Verfahren bei der Beaufsichtigung der Knaben, ein drittes das Verhalten wahrend der Betzeit, ein viertes ordnet den Unterricht und stellt alle diejenigen Maßregeln zusammen, die von allen Lehrern bei sämmtlichen Lehrgegenständen zu beobachten sind, ohne der nöthigen Selbstständigkeit des Lehrenden und den besonderen Erfordernissen der einzelnen Facher Abbruch zu thun. 3) Ein Hauptmittel zur Förderung der so wichtigen Uebereinstimmung endlich sind die Lehrerkonferenzen, die im Sommerhalbjahr so oft es erforderlich ist, gehalten werden, und für die im Winter wöchentlich ein Abend festgesetzt ist. Die von den laufenden Geschäften übrig bleibende Zeit dieses Abends ist zum reihenweisen Vortrage von Ausarbeitungen aus dem Gebiete des Lehr- und Erziehungswesens, so wie pädagogischer Lektüre und Besprechung gewidmet. Hier ist noch der Ort des am 21. Juli d. I. erfolgten Ablebens des frühem Direktors der Anstalt, Hofraths Benedict Schott, zu erwähnen. Derselbe ist geboren zu Danzig am 11. März 1764. Früh verwaist und mittellos kam er in das innere Polen, wo er die gewöhnliche tatmudische Ausbildung erhielt. Noch im spaten Alter erzählte er gern von der asketischen Frömmigkeit eines seiner Lehrer, der nur allsabbatlich Speise zu sich nahm und seine Lebenskraft allermeist durch tägliche kalte Bäder erhielt. Mit einem lobenden Zeugniß allgemein verehrter Rabbiner in der Tasche, trat der Jüngling seine Wanderung an von Ort zu Ort, überall gastfreundliche Ausnahme findend. So kam er nach Gtogau, Breslau und Berlin (in das Herz Beersche Haus), als Lehrer wirkend und zugleich seine eigene Ausbildung weiter fördernd. Von Berlin aus gelangte er nach Braunschweig zu dem verewigten Jakobson und dadurch zur Leitung der Jakobsonsschule, der er von ihrer Gründung an (i.J. 1801) bis 1838 seine Kräfte widmete. Einen Lichtpunkt in seinem Leben bildete eine auf Veranlassung Jakobson's im Jahre 1806 unternommene Reise nach Paris, wo er den eben von Napoleon versammelten israelitischen Deputirren ein Memoire über die Nothwendigkeit einer bessern Erziehung unter den Juden überreichte. Aus Frankreich brachte er sich auch die treue Lebensgefährtin mit nach Hause. Vom Jahre 1838 an endlich genoß der Greis eines wohlverdienten Ruhestandes. Innige Theilnahme an allen Fortschritten der Menschheit verließ ihn nicht bis zu seinem letzten Athemzuge. Zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehörte fortwährend die Uebersetzung alter Klassiker ins Hebräische, worin er eine solche Fertigkeit besaß, daß er sich sogar an die Horazischen Briefe wagte. Eine seltene Gutherzigkeit und Menschenfreundlichkeit wird ihm ein liebevollesAndenken bei Allen, die ihm nahe standen, insbesondere bei seinen zahlreichen Schülern, sichern. Die allgemeine Achtung, die derBerewigte genoß, that sich auch bei seiner Beerdigung kund, an vernicht bloß die Angehörigen der Jakobsonsschule und die Mitglieder der Gemeinde, sondern auch die Beamten und Viele der achtbarsten Bewohner der Stadt Antheit nahmen. Zwei Lehrer unserer Anstalt liehen (in Abwesenheit des Direktors) am Grabe der allgemeinen Theilnahme einen würdigen Ausdruck. Friede seiner Asche. Von Druckschriften hat Schott hinterlassen: 1. Zaphnat-Paneach oder Sammlung moralischer Lehren, Sprüche, Erzählungen und Gedichte, aus dem. Talmud und anderen h. Schriften. Ein Lesebuch für Kinder jüdischer Nation; vorzüglich zum Gebrauche der vom Herrn Kammeragenten Israel Jakobson zu Seesen errrichteten Erziehungsanstalt für arme Kinder seiner Nation. Herausgegeben von B. Schottländer (welchen Namen er später in Schott umänderte). Erstes Bändchen. Königslutter, bei C. W. Hahn. 1804. (Vermuthtich die erste Arbeit dieser Art.) In Kommission bei den Gebr. Halm in Hannover. Zweites Bändchen. Hildes- Heim, 1812. Gedruckt und in Kommission bei I. D- Gerstenberg. 2. Sendschreiben an meine Brüder, die Israeliten in Westfalen, die Errichtung eines jüdischen Konsistoriums betreffend. Braunschweig, 1808. Gedruckt bei Friede» Vieweg. (28 S. 8.) Was die bei uns betriebenen Lehrgegenstände anbelangt, so sind es die früher angegebenen geblieben. Der dreisemestrige Kursus und die genau disponirte Klassenziele und Pensa der einzelnen Disziplinen sind in der