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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-01 · Heft 1 (1.1.1847) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 Lichtpunkt in unseren Bestrebungen bezeichnen. Wie die jetzigen Verwalter der Jnkobsonschen Stiftung ihre Aufgabe, als Ausfluß eines heiligen Vermächtnisses, gefaßt und in den Statuten ausgesprochen haben, dabei konnten sie getrost beharren, als der Umfang ihrer Thätigkeit über Erwarten schnell und Ununterbrochen anwuchs. Di« Raume mußten — bei der immer steigenden Frequenz — beständig erweitert und in Stand gesetzt, das Personal angemessen vermehrt werden, aber der innere Haltpunkt, der Grundgedanke des Ganzen blieb unekschüttevt. Die nunmehr gewonnenen achtjährigen Ergebnisse lassen uns hoffen, daß es auch in der Folge, unter Gottes Beistand, so bleiben werde. Wir verkennen nicht, daß hiervon allermeist das fernere Gedeihen unserer Bestrebungen abhangen wird; während ohne innere Selbstständigkeit und Konsequenz gerade eine jählings zunehmende Frequenz der dauernden Blüte solcher Anstalten oft verderblich werden kann. Ilm nun gleich mit dem Anwachs der Frequenz zu beginnen, so wurde die Anstalt zu Johannis 1843 von 122 Knaben besucht (unter denen 22 Freizöglinge, 46 Kostgänger und 54 Schüler). Diese Zahl stieg am Schluffe des Jahres 1843 auf 124, - - - - 1844 - 129, - - - - 1845 - 137, zu Johannis des Jahres 1846 - 146 (25 Freizöglinge *), 59 Pensionäre, 61 Stadtschüler). Unwr den Freizöglingen und Pensionären (die ganz Im Hause erzogen werden) haben sich immer eine kleine Zahl christlicher Knaben (4—7) befunden, von den Stadtfchületn (die nur an dem Unterricht Theil nehmen) bildeten diese dagegen immer die größere Mehrzahl (46-^-59). Sie sind theils Sohne der achtbarsten Bewohner der Stadt, theils und zwar die Mehrzahl aus der Fremde, bei Bürgern in Kost gegeben. Diese Mischung übt fortwährend einen überaus wohlthatigen Einfluß auf unsre Jugend. Entlassen wurden aus der Anstalt: im Jahre 1843: 5 Freizöglinge, 3 Pensionäre, 15 Stadtschüler, im Ganzen 23, im Jahre 1844: 8 Freizöglinge, 16 Pensionäre, 22 Stadtschüler, im Ganzen 45, im Jahre 1845: 7 Freizöglinge, 23 Pensionäre, 18 Die Zahl der Freistellen wird zu Neujahr 1847 auf 27 erhöht worden. Das Maximum sammtlicher im Lokal der Anstatt unterzubringender Knaben ist 85. Stadtfchüler, im Ganzen 48; zusammen in den 3 Jahren: 116 Knaben. Was die Berufswahl der bei uns gebildete« Jünglinge betrifft, so liegt es in den Verhältnissen, dH die Mosaischen Glaubensgen offen meist zum Handel, die christlichen zu allen möglichen Fächern übergehen. Doch wählen auch unter Ersteren immer Einzelne ein Handwerk, oder ein technisches Gewerbe, oder den Lehrerstand, wozu wir auf jede uns zu Gebote stehende Weise ermuntern. Höheren Studien hat sich in den letzten Jahren kaum Einer oder der Andre von unseren jüdischen Kindern gewidmet. Solchen bietet das Institut fortwährend die Vorbereitung eines Progymnasiums. — Hier findet eine doppelte Klage ihre Stelle. Die eine brtrkfft den Umstand, daß uns noch immer die Mittel fehlen, unseren Freizöglingen bei der Wahl und Erlernung eines ihren Kräften entsprechenden Berufes praktisch behülfst ch zu sein, da Armuth und Vorurtheile ihrer Eltern sie oft nicht in die rechte Sphäre gelangen lassen. Durch Abhükfe dieses Mangels fände ein begüterter Menschenfreund eine treffliche Gelegenheit, sich ein unsterbliches Verdienst zu erwerben. Nichts ist natürlicher, als baß wer Wohlthaten spendet, vor Allem den Wunsch hegt, daß sie wohl angebracht seien und Frucht tragen mögen; bei welcher Gabe aber konnte man eines solchen Erfolges gewisser sein, als bei denen, die gut vorbereiteten, von ihren Erziehern und Lehrern empfohlenen Jünglingen zu Theil werden und dazu führen, dieselben bis zur wirklichen Tüchtigkeit für's Leben durch Erlernung eines angemessenen Berufes gelangen zu lassen! — Meine zweite Klage bezieht sich darauf, daß leider nicht alle Eltern Einsicht und Ausdauer genug haben, die Ihrigen der Bildungsstätte, der sie einmal anvertmut sind, auch so lange zu lassen, als zu ihrer Ausbildung erforderlich ist. Sie ahnen nicht, wie unendlich sie ihren Söhnen durch solch voreiliges Abrufen und Wechseln schaden. Eine genügende Vorbildung für Leben und Beruf, eine stufenweise Entwickelung aller menschlichen Kräfte ist kein Werk, bas sich nach Willkür beschleunigen läßt, oder übereilt werden darf; zumal bei den umfassenden Forderungen unserer Zeit. Aber da können Viele die Zeit nicht erwarten, das 13- oder 14jahrige Söhnchen noch vor der Einsegnung in einem Handlungs- oder sonstigen praktischen Institute unterzubringen. Man sollte bedenken, daß solche gepriesene Anstalten, wenigstens was Zucht und Gesittung betrifft, oft gar bald das Gute wieder verderben, das früher mühsam hervorgerufen ist, und daß

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