Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 formen Eie leicht die Bilanz ziehen, daß dev Reiche thum der Gemeinden oder doch der zu allgemeinnütz» Uchen Zwecken verwendbaren Fonds derselben nicht sehr bedeutend. Sollten diese schwachen, an vielen Orten schon jetzt kaum ausreichenden Geldmittel noch zersplittert werden, so reichen diese kaum aus, die nöthigsten Gemeindebedürfniffe zu bestreiten, keinesfalls aber die vom Geiste der Zeit unabweislich geforderten neuen Einrichtungen, wie die Gründung guter Schulen, die Bezahlung der Lehrer, Rabbiner, Prediger rc. zu bestreiten und diese müßten entweder ganz unterbleiben oder in der Geburt ersterben, welch' trauriges Schauspiel schon heute manche ungarische Gemeinde darbietet. Auch täuschen Sie sich sehr, wenn Sie glauben, daß davon Heil für die Reform zu erwarten sei, indem die neugeschaffenen Gemeinden durchgreifende Reformen vornehmen und Institutionen ganz dem veredelten Geiste der Gegenwart angemessen schaffen würden. Täuschen wir uns nicht, machen wir uns und Anderen keine Illusionen, die Enttäuschung wäre bitter und vielleicht zu theuer erkauft. Ich brauche Ihnen, geehrtester Herr N—dt! nicht erst unsere sogenannten Reformer und Fortschrittsmänner zu schildern; wir kennen diese nur zu gut, wissen wie's mit ihrer Aufklärung, mit ihrem Sinn für Reform rc. „ausschauet"; wir wissen nur zu gut und sind leider durch die Erfahrung dessen schon zu wiederholten Malen überzeugt worden, daß diese Aufklärung nur eine halbe, dieser Sinn für Reform nur ein von außen überkommener und konsequenterweise der von denselben hervorgerusene Fortschritt nur ein halber, die von denselben geschaffenen Reformen nur äußerliche. Bei einer solchen förmlichen von Ihnen angerathencn Scheidung der zwei Gegenparteien gewinnen wir Nichts, denn auch die völlig neue Gemeinde würde nur halbe und äußerliche Reformen ausführen (exempla sunt odiosa! Ihnen brauch' ich gewiß keine anzuführen!'.), verlieren aber Biel, indem wir dadurch jedes gährende und anregende Element aus der alten Gemeinde scheiden und so diese — die doch heute immerhin noch den größten Theil der Gemeindeglieder faßt — in die alte Indolenz und Unthätigkeit verfallen und vielleicht um 50 Jahre wieder zurücksinken lassen.... Summa: Verlust auf beiden Seiten, für die Finanzen und für die Reform, Gewinn auf keiner Seite ... also wir bitten: Einigkeit, Einigkeit für heute!! ... Die neugegründete ungarisch« Kleinkinderbewahranstalt, von der ich Ihnen jüngst berichtete, wurde am Letzten v. M. feierlichst eingeweihb. Es wurden nämlich zwei Stunden hintereinander ungarische Reden gehalten.... Als Kuriosum muß ich Ihnen melden , daß wir zum Schluffe auch eine honigsüße lobüberströmende Rede bekamen von Professor Aranyi oder „Chochom-Lostanier-Leben", dem großen Entdecker im Gebiete mittelalterlicher Judengehässigkeit, von dessen Opus ich jüngst berichtete. Der Judenhaß rentirt sich ihm nicht, seine Broschüre bleibt trotz aller Gemeinheit liegen (es ist Selbstverlag!), dem Herrn Professor gelüstet's wieder nach jüdischen „Leckerbissen" und er will seinen Fehler wieder gut machen. Zu diesem Zwecke läßt er auch privatim ankündigen, daß er für die jüdischen Universitätszöglinge außerordentliche Vorlesungen über pathologische Anatomie in deutscher Sprache (die ordentlichen find ungarisch!) halten wolle. Ein schönes Seitenstück zu dem Präger welschen italienischen Sprachmeister!! Das reuige Kind, wie es wieder zur jüdischen „Kugel" kriecht, ‘fiap«»» nVi rch, Chochom-Lostanier-Aranyi-Leben!! KöszöDjük aläzatosanü J. Ehn. Korrespondenz. Seesen, 17. Dezember. Ueber den Zustand der Zakobfonsschnle iu Seesen während der letzten drei Jahre. Seit Juli 1843 hat kein« Mittheilung über den Fortgang der Jakobsonsschule in diesen Blättern stattgcfunden. Es drängt nicht zu solchen Veröffentlichungen, wenn eine Anstalt einmal über das Stadium der ersten Gestaltungsepoche hinaus in regelmäßiger Thätigkeit und Fortentwickelung beharrt; vielmehr dürfte die übersichtliche Zusammenstellung mehrer Jahre das Interesse steigern. — In den Grundsätzen, auf welchen unser Institut ruht, und nach denen es seit seiner Neugestaltung im Jahre 1838 geleitet wird, ist innerhalb der letzten drei Jahre keinerlei Aenderung eingetreten; nicht bloß weil wir beharrlich an den einmal sestgestelltm Prinzipien ftsthalten, sondern weil diese sich in der Ausführung vollständig bewährt haben. Wir dürfen dies unbedenklich als einen glücklichen Umstand, als einen