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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-01 · Heft 1 (1.1.1847) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 und zwietrachtnährende Weise geltend machen, gesellt sich jetzt ein neuer.nicht minder bedrohlicher hinzu, der zwar meines Wissens bisher nur in einem Beispiele vorliegt, aber volle Beachtung beansprucht, weil er anderseits für die betreffende Gemeinde eine sehr wichtige, daß wir nicht sagen eine Lebensfrage bildet, andererseits aber dir Umstände und Verhältnisse, die ihn dort erzeugten, an vielen Orten eben dieselben sind und darum die Frage früher oder später auch da und dort auf's Tapet kommen dürste. In jenen k. Freistädten, wo die Juden von Alters her waren, wie Preßburg, Neutra rc., waren sie stets in eigene Judengaffen zurückgedrängt, die sie erst seit dem 183#/«> Reichstage verlassen und in die Stadt ziehen dürfen. Daß diese Erlaubniß vielfach benützt werde, läßt sich leicht denken. Und so viel Hindernisse auch die spießbürgerlichen Bewohner der k. Freistädte der Ansiedelung der Juden in den Weg legten, zogen diese doch haufenweise theils vom Lande, theils aus den Ghetto's in die innere Stadt. Ein Aehnliches geschah in Raab, wo aber gegenwärtig die Zahl der stadtbewohnenden Juden derart anqewachsen, daß diese sich von der alten Muttergemeinde in der Judenstadt,(8ri§ot>>) völlig losreißen und eine eigne Gemeinde bilden wollen. Jene klagt bitter darüber, daß ihr dadurch ein bedeutender Theil ihres Einkommens entzogen und sie fast ruinirt werde, während das verhältnißmäßig noch immer kleine Häuflein der Stadtjuden gleichfalls unvermögend sein wird, etwas Rechtes zu bringen, eine Gemeinde zu konstituiren, Beamte zu besolden, Schulen zu errichten rc. rc. und so die Spaltung zum Verderben beider Theile gereichen könne. Die Gemäßigteren der Stadtjuden sind ebenfalls von der Wahrheit dieser Bemerkungen überzeugt und vollkommen geneigt Alles beim Alten, d. h. bei der einen ungetheilten Gemeinde bewenden zu lassen, während der größere Theil für völlige Losreißung stimmt, hauptsächlich aus dem Grunde, weil sie die aufgeklärten Stadtbewohner (D'orsn W‘t,in!!) in ihren religiösen Ansichten mit den orthodoxen Szigetbewohncrn nicht mehr übereinstimmen zu können meinen und sie darum eine besondere, von der alten ganz unabhängige Gemeinde mit Einrichtungen nach modernem Zuschnitte gründen wollten. Die Frage wird jetzt in der Gemeinde wie auch in einigen deutschen Journalen (Preßb. Zeitung, Vaterland) hin und her besprochen; unter den letzteren Besprechringen fanden wir recht interessant einen ausführlichen Artikel des Herrn Ad. Neustadt, Redakteur der Preßb. Zeitung und Panonia, der sich für die Theilung erklärt, argumentirend: daß in den alten ungarischen Gemeinden, wo man bei jedem Schritt vorwärts mit verrosteten Tekonot und altersvergilbten Minhagims, die aber von der Orthodoxie als heilig und unantastbar betrachtet werden, zu kämpfen habe, daß da alles Resormiren, wenn schon nach jahrelangen Kämpfen, Etwas durchgesetzt wird, doch nur Flickwerk sei, während wir von ganz neu und unabhängig sich bildenden Gemeinden, denen nicht Füße und Hände derart gebunden, rasches Fortschreiten, volles, frisches und kraftvolles Leben, Einrichtungen und Institutionen, dem Bewußtsein der Jetztzeit entsprechend, erwarten können. So richtig diese Ansicht unseres sehr verehrten Freundes scheinen mag, können wir ihr doch nicht unbedingt beitreten. Ich kann in dieser Spaltung der Gemeinde, in dieser förmlichen Losscheidung der Fortschrittsvon der Stabilitätspartei kein Heil, vielmehr ein Verderben für die betreffende Gemeinde wie für den Fortschritt erblicken. So wünschenswerth und heilsam dies auch vielleicht in manchen größeren Gemeinden Deutschlands sein mag (guoä ackbuc est ciemvustranäum!), so nachtheilig und unheilbringend muß es für ungarische Gemeinden sein. Diese sind keineswegs so groß als Mancher vielleicht von der Gesammtzahl der ungarischen Judenheit schließen dürste. Im Auslande sind die Juden hauptsächlich in den größeren Städten zusammengedrängt und bilden da starke Gemeinden, während kleinere Städte und Flecken gar keine haben; bei uns hingegen sind die 270,000 Juden auf 400—450 kleine Gemeinden zerstreut und sind darum unter diesen der großen nur Wenige. Pesth abgerechnet, das durch den Aufschwung der Neuzeit der Mittelpunkt des Handels und darum auch der von allen Seiten hcrbeiströmenden Judenheit wurde, zählt Ungarn keine Gemeinde mit 1000 Familien (Preßburg als die größte hat deren 8—900!). Und da diese großentheils arm (ich kenne bedeutende Gemeinden, wo die Hälfte, andere wo -/z der Juden vom Tagelohn oder gar vom Bettel leben!) oder doch nur schwach mit Glücksgütcrn gesegnet sind, von Bankiers aber, oder auch nur von reichen und zugleich edelherzigen Männern, die beim Uckn'iicE des Mammons sich zuweilen erinnerten, I ein kleines Theilchen desselben allgemeinwohlthätigcn; Zwecken zu opfern, bei uns keine Spur zu finden, so 1*

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