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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-01 · Heft 1 (1.1.1847) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 sogut wie die Muselmänner im Bardo, der Residenz des Bey's, zeigen, um seine Gerechtigkeit anzurufen; ihr Zeugniß hat denselben Werth, wie das der anderen Unterthanen, während in Marokko das Zeugniß eines Juden nichtig ist. In Tunis giebt cs 27 Synagogen, von denen zwei größeren die große tunesische und die große portugiesische Synagoge. Ungeachtet der großen Zahl von Armen, Greisen und Kranken, sorgt die Gemeinde für Alles; ungefähr 6000 Fr. werden wöchentlich für die Nahrung der Armen verwendet, die vom Fleische erhoben werden. Die Macht der Rabbinen ist sehr ausgedehnt, wie im ganzen Orient; sie sprechen unabhängig Recht in allen Zivil-, Handels- und Polizeisachen der Israeliten unter sich, und der Eid wird in der Synagoge vor dem Sepher geleistet. Nur die Kapitalprozesse kommen vor die Landesjustiz. Die Strafen, welche die Rabbinen verhängen, sind Geldstrafen, Gefängniß, Geißelung, Bastonnade, kleiner und großer Bann. Der Ritus ist der portugiesische. Der Unterricht ist hauptsächlich der religiöse; mehre Rabbinen ergeben sich dem Studium der Kabbala, und die Amulette stehen in großen Ehren. Man glaubte zu der Zeit, daß Napoleon ein Amulett nach den Vorschriften des Rabbinen Azulai trug. Diejenigen Israeliten, welche ihre Studien weiter treiben wollen, gehen nach Livorno; dieselbe Stadt verschafft ihnen auch die hebräischen Bücher. Frankreich. Paris. (Installation des Großrabbinen des Zentralkonsistoriums. Schluß.) Der Großrabbine sprach: „Die hohe Mission, zu welcher mich zu berufen es der göttlichen Vorsehung gefallen hat, legt mir ernste Verpflichtungen auf. An die Spitze des französischen Rabbinats durch den Wunsch der Stellvertreter unserer Glaubensgenossen Frankreichs gestellt, werde ich mich bemühen die Hoffnungen zu verwirklichen, welche sie von mir gefaßt. Der alte Glaube unserer Väter ist das geheiligte Pfand, welches sie meiner Hut anvertraut haben. Ich werde getreulich darüber wachen. Ich werde unsre heilige Religion vor Allem, was ihre Reinheit verletzen könnte, zu bewahren wissen; ich werde die kostbare Erbschaft unserer Vorfahren gegen jeden Angriff zu vertheidigen wissen. Eine ernste und gründliche Untersuchung der Schriften unserer Lehrer wird mir das zeigen, was in den äußeren Formen unsres Kultus in Verhältniß zu der Zeit, in welcher wir leben, modisizirt zu werden befähigt ist, und das, was im Gegentheil unberührt und unveränderlich bleiben muß. Ich werde den, welcher, um unsere Voreltern in der Nacht der Wüste zu leiten, die Feuersäule vor ihnen herziehen ließ, bitten, mich mit seinem göttlichen Lichte zu erleuchten. Ich werde mich bemühen, unser religiöses Gebäude zu befestigen, und das Zerfallen jenes geheiligten Verbandes zu verhindern, welcher die Menschen unter sich vereinigt und welcher den Menschen mit seinem Schöpfer vereinigt. Zch werde mich bemühen, immerfort was es Schönes und Großes in dem alten Glauben unserer Väter giebt nachzuweisen, zu zeigen, daß diese oft geschmähete, oft verkannte Religion die Quelle der edelsten, der großherzigsten Begeisterung ist, daß sie die Ausübung der erhabensten Tugenden befiehlt rc." In so allgemeinen Phrasen über Vaterlands-, Nächstenliebe, Toleranz rc. erging sich Herr Ennery noch drei Seiten, und endigte mit einem sehr schwachen Gebete. Hierauf hob er die Tora heraus und hielt das Gebet für den König. Der vom pariser Konsistorium ad interim berufene Rabbine Charleville zu Dijon brachte das Sepher zurück, und sprach dabei ein improvisirtes, sehr bewegtes Gebet, welches nur dadurch in seiner Wirkung schwächer war, daß der Redner sich zu sehr hingab. Die Gesänge wurden trefflichst exekutirt. —. Unter den französischen Juden zeichnen sich die Herren Leopold Javal in Yonne, Lipmann, Postmeister zu Straßburg, und insbesondere Worms zu Beausejour im Ackerbau aus. Letzterer hat die große Medaille von der Ackerbaugesellschaft des Departements der Vosges, mehrere andere bronzene und silberne Medaillen erhalten, so wie neulichst vom Minister des Ackerbaues und Handels eine Anzahl Werke zur Aufmunterung. —. Durch die Gaben des Hauses Rothschild wird jetzt ein israelitisches Hospiz zu Paris erbaut werden. (Arch. isr. de Fr.) Paris, im Dezember. (Privatmitth.) So wie ich Ihnen nach der Wahl des Herrn Ennery zum Großrabbinen des Zentralkonsistoriums schrieb, so ge-

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