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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-01-01 · Heft 1 (1.1.1847) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Hieraus geht noch ein anderes Merkmal hervor: das Judenthum muß Gegensatz sein; einerseits Gegensatz zu allem Ueberwu»denen, Gegensatz zu Allem, was die Zeit überwunden hat. Denn wäre cs mit diesem von gleicher Beschaffenheit und von gleichem Wesen gewesen, so wäre es nothwendig mit ihm untergegangen, so hätte es dasselbe Geschick theilen müssen, es wäre als ein überwundener Standpunkt zurückgelegt worden. Es muß aber auch ferner in bestimmten Beziehungen noch immer Gegensatz sein, weil es sonst nothwendig mit dem anderweit in und außer ihm Bestehenden zusammen, in Eines fallen, von demselben aufgesogen werden müßte. Es muß daher endlich seinen Bestand so lange verbürgen, als sein Inhalt nicht allgemein geworden, oder besser, so lange als das Allgemeine seinen, des Judenthums, Inhalt nicht in sich ausgenommen und zu seinem Inhalte gemacht hat. Doch lehren dieselben Folgerungen, daß dieser Gegensatz nicht bloß ein formaler sein, nicht bloß in der Form bestehen konnte und kann, sondern eben im Wesen; denn ein formaler Gegensatz muß mit seinem Gegensätze zugleich fallen, weil er keine Bedeutung mehr ohne diesen hat, ein Gegensatz im Wesen aber dauert fort, so lange sich sein Gegensatz neu gebart, wenn auch in ganz anderer Form. Diese Erwägungen, geehrteste Zuhörer, mußten vorangeschickt werden, weil sie den Gang, den diese Vorlesungen nehmen müssen, bestimmen. Wir werden nämlich einerseits, um das Judenthum kn seiner Ganzheit als lebendige geschichtliche Erscheinung zu verstehen, seine einzelnen Phasen näher betrachten müssen; andrerseits aber, weil das Judenthum Gegensatz ist, die Umgebungen, unter welchen es entsprungen, die, unter welchen es bestanden hat, und die, unter welchen es besteht, kennen lernen müssen. Hierzu kömmt aber noch ein Drittes, nämlich, daß das Judenthum Idee allein nicht gewesen, oder eine ideelle Allgemeinheit; sondern daß es in ein bestimmtes Gefäß gethan war, das jüdische Volk, die Judenheit; nothwendig mußte daher das Judenthum mannigfaltige Einflüsse von diesem seinem Gefäße oder Träger und dessen Schicksalen erleiden; es mußte eine kräftige Wechselwirkung zwischen Judenthum und Judenheit stattfinden, und Richtung und Erscheinung mußten bei Beiden sich wechselseitig bedingen. Man sage nicht, daß dies nachtheilig für das Judenthum gewesen, daß die Idee unter der Einwirkung der Materie gelitten, daß die Idee eine reinere Entwickelung erfahren hätte, wenn sie von den Einflüssen eines bestimmten Außen nicht abhängig gewesen wäre. Sehen wir uns in der Natur um, so gewahren wir in allen göttlichen Schöpfungen diese Verbindung der Idee mit dem Stoffe, des Wesens mit der Form, und erst hierdurch wohl organisirte Geschöpfe hervorgehcn. Ist die Idee frei vom Stoffe, so wird sie zu vielen Stufen ihrer Entwickelung gar nicht gelangen. Die Schicksale der Judenheit können daher zum Vecständniß des Judenthums nicht entbehrt werden. (Fortsetzung folgt.; Zeitungsnachrichten. Tunis. Paris, im Dezember. (.4rcb. isr. de Fr.) Auf eine Bevölkerung von 350,000 Seelen enthält Tunis ungefähr 40,000 Israeliten, von denen die Mehrzahl die Hauptstadt bewohnt. Sie sind seit alter Zeit hier ansässig, und es sind Grabsteine vorhanden, welche bis in's lOteJahrhundert hinaufsteigen. Zu Nabel existirt eine Gemeinde von 1500 Israeliten, in Soli man von 5—600, ebenso in Suza, aber die Hauptgemeinde ist die von Tunis. Da das Ghetto zu klein war, ist ihnen ein neues Quartier angewiesen worden. Während in den Barbareskenstaaten es den Juden verboten ist, die arabische Schrift zu lernen, steht es ihnen in Tunis frei. Während die Juden von Marokko auf keinem Pferde reiten dürfen, barfuß vor den Moscheen, dem kaiserlichen Palast, den Hausern der Heiligen, Kadi's, Muphti's rc. vorübergehen müssen, und den Beschimpfungen und Erpressungen der Marokkaner ausgesetzt sind, wovon selbst die Frauen nicht befreit sind: leben die Juden von Tunis unter ganz anderen Verhältnissen. Außer dem Handel üben sie alle Handwerke, sind Aerzte, Schatzmeister. Und während der Kaiser von Marokko in seinen Diensten nicht einen Israeliten hat, sind am Hofe des Bcys mehre Beamte Juden. Sein Leibarzt, der ihn nach Paris begleitet hat, HerrLambroso, ist Israelit; sein Schatzmeister, Jussef Semara, ist ebenfalls Israelit, und die Schatzmeister, welche zwei Male jährlich die Soldaten, die, um die Abgaben des Bezirks zu erheben, ausrücken, begleiten, sind ebenfalls Israeliten; die erste Dekoration des neuen Ordens, welchen der Bey gestiftet hat, hat ebenfalls ein Jude erhalten. Die Juden können sich eben-

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