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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-12-21 · Heft 52 (21.12.1846) · p. Seite 758

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 52 (21.12.1846)
Date
1846-12-21
Page
Seite 758 (sequence 6)
Language
German
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758 sogleich war es auch der einstimmige Wunsch Mer, diesen freisinnigen und offnen Vertreter des Fortschritts, der mit einem seltnen Rednertalent eine eben so klassische Bildung und umfassende Gelehrsamkeit verbindet, für die hiesige Stadt und so für das ganze Münsterland zu gewinnen. Zugleich ergriff unser verehrter Professor Dr. Haindorf, immer das Rechte und Nützliche treffend, diese Gelegenheit und übertrug dem Herrn Dr. Friedländer an der Vereinsschule den Unterricht der Pädagogik und der nachexilischen jüdischen Geschichte, zweier Hauptlehrfächer. So besitzen wir unser» hoffnungsvollen jungen Landsmann, den man in Berlin so schnöde und undankbar behandelt hat, wieder hier in unsrer Mitte. Als Prediger der Gemeinde sowol, wie als Lehrer an einer so einflußreichen Anstalt eröffnet sich ihm hier ein, wenn auch schwieriger, doch lohnender Wirkungskreis, den er gewiß zur allgemeinsten Zufriedenheit ausfüllen wird. Ist ihm doch durch seine wahrhaft begeisternde Predigt, durch seine siegende Persönlichkeit und sein offnes, uneigennütziges Wesen das gelungen, was Allen unmöglich schien. Je mehr wir es zu beklagen haben, wie eine so tüchtige, aufopfernde Kraft in der Metropole so verkannt werden konnte, um so mehr freuen wir uns, wie der einfache und biedere Sinn schlichter aber charaktervoller und ehrlicher Leute ganz anders verfahren; insofern danken wir den Berlinern recht herzlich. In Gemeinschaft mit unserm tüchtigen Vorstande, den Herren Ems, Löwenstein und Etzbacher, wird es Herrn Dr. F. gelingen, eine segensreiche Wirksamkeit zu entfalten und im Stillen durch die Anerkennung seiner Gemeinde und eines Mannes, wie Haindorf, sich für alle erlittene Unbill entschädigt fühlen. Wirklich stehen schon sehr wesentliche Reformen im Gottesdienste und ein theilweiser Umbau der Synagoge in ganz naher Aussicht. Was die mehrfach erwähnte berliner Angelegenheit des Herrn Dr. F. betrifft, so finden wir es sehr taktvoll, daß er mit schreib- und feindseligen Korrespondenten in Blättern, wie der Israelit, sich auf keine Polemik einläßt; derselbe wird vielmehr binnen K r»em eine eigne Broschüre über sein berliner Leben veröffentlichen und auch, um allen Verleumdungen Schweigen zu gebieten, seine Predigten drucken lassen, woran ihn bisher wol nur überhäufte Berufsgeschäfte und die Schwierigkeiten verhinderten, welche sich einem jungen, jüdischen Autor entgegenwerfen. Unsittlich und böswillig finden wir es aber und mit uns jeder Rechtlichdenkende, gegen einen so strebsamen, jungen Menschen, wie es deren unter uns Juden so wenige giebt, giftige Geschosse des Neides und der Verleumdung abzuschießen. Herr Dr. F. besitzt indeß, wie wir überzeugt sind, Muth und Seelenstärke genug, um durch alle diese Stürme und Klippen unversehrt hindurch zu schiffen und wir wünschen ihm einen recht gedeihlichen Fortgang seiner Bestrebungen. Magdeburg, 14. Dezember. (Neuigkeiten.) Die Rachel widerspricht energisch der vom Siecle ausgesprengten Sage von ihrer „vorgeblichen Bekehrung". Sie ist und wird Jüdin sein. — Meyerbeer hat sein ganzes Jahrgehalt (3000 Thlr.) unter die Mitglieder des Orchesters vertheilen lassen. — Die berliner Stadtverordneten haben eine Deputation niedergesetzt, um ein Gutachten zu entwerfen, ob die Stadt um eine Petition der Landstände wegen Emanzipation der Juden petitioniren solle.— Die Juden müssen doch was Außerordentliches sein, denn kaum daß von einer kleinen Sekte irgend eine kleine Gemeinde aufkömmt, so streckt sie ihre Finger nach den Juden aus, um sich ein Paar Juden als Almosen zu erbetteln. Ronge hielt einen Vortrag in Hamburg; es waren einige neugierige Juden als Zuhörer da — gleich wird in allen deutschen Zeitungen berichtet, „es waren auch Juden dabei." Was Wunder, da auf die Juden so viel Gewicht gelegt wird, daß es immer einige närrische Juden giebt, die bei jedem Quark dabei sind — um Aufmerksamkeit zu erregen. So scheint der ganze Lärmen mit Rupp auf — die Juden auszulaufen. Denn als letztes Argument gegen ihn wird vorgebracht: er habe in seine „freie Gemeinde" einen Juden ohne Taufe ausgenommen. — In Paris läßt jetzt das Ministerium alle Pfänder, welche aus Leinen, Bettzeugen, Kleidern und Handwerksgeräthen bestehen, und unter 10 Frcs. betragen, ohne Zinsen und Abgaben zurückgcben — die heil. Tora läßt solche Pfänder nicht über Nacht behalten. Posen, 10. Dezember. Die Frage über das Stimmrecht der jüdischen Stadtverordneten bei Landtagswahlen ist noch nicht zum Schluffe gelangt, indem die Regierung die neuliche Wahl (No. 4S.) an-

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