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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-12-21 · Heft 52 (21.12.1846) · p. Seite 755

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 52 (21.12.1846)
Date
1846-12-21
Page
Seite 755 (sequence 3)
Language
German
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755 konsistoriums von Frankreich statt, die durch die Form und die dabei gehaltenen Reden Wichtigkeit genug besitzt, um sie, nach den Arch. israel. de Fr., auch in der A. Z. d. Jud. weitläufiger zu beschreiben. Der Minister der Justiz und der Kulte, der Präfekt des Seinedepartements, die Mitglieder des Munizipalrathes, Mitglieder beider Kammern, und Notabilitäten von allen Kulten, wohnten dieser Zeremonie bei. Die Menge war beträchtlich. Nach dem Eintritt des Zentralkonsistoriums, trat das Konsistorium von Paris-ein, den Großrabbinen an der Spitze. Der Kantor Naumburg stimmte mit dem Chore, unter Orgel- und Violoncellbegleitung, das rnn Tm an. Hierauf trat Herr Max Cerfbeer, Deputirter, Präsident des Zentralkonsistoriums, vor das Hechal, und redete, nachdem er über die, fast einstimmig geschehene Wahl des Herrn Ennery, so wie über dessen Würdigkeit sich ausgesprochen, den Großrabbinen folgendermaßen an: „Herr Großrabbine! Ich beglückwünsche Sie im Namen des Zentralkonsistoriums, über die seltene Ehre, welche Sie erlangt haben, und das Ansehen, das jene ihnen giebt über die Geister und über die Herzen. Das Zentralkonsistorium wünscht sich selbst Glück, endlich die moralische Stütze gefunden zu haben , welche ihm so lange fehlte. Wir werden zusammen große Pflichten zu erfüllen haben, aber insbesondre Sie, Herr Gr.-R., auf den vorzüglich die Blicke gerichtet sind, auf den so viele Hoffnungen sich stützen, und der statt der Seelsorge, die Sie bis jetzt getragen, eine schwerere Bürde übernommen bat: denn gewissermaßen ist es die Zukunft des Judenthums in unserm Vaterlande selbst, welche wir Ihren Händen anvertrauen. Weit entfernt von dem Gedanken, Ihnen Ihre Pflicht vorzeichnen zu wollen, glauben wir doch einen Theil der unsrigen zu erfüllen, indem wir Ihnen die Wünsche und Bedürfnisse darstellen, welche von uns ihre Befriedigung erwarten." „Es giebt in unsrer uralten Religion einen unveränderlichen, wahrhaft göttlichen Fonds, welchen weder die Zeit noch die Menschen haben erschüttern können, und eine Form, die sich verändert, einen Ausdruck, der wechselt in großen Zeiträumen, in Maßen daß wir selbst uns verändern an Geschick und Stellung in der allgemeinen Entwickelung der Welt: dieser ewige Fonds ist das Dogma, ist die Moral, das heißt, was sich an die Seele und an die Erkenntniß wendet; die Form, welche dem Einfluß der Jahrhunderte unterlag, wie unser Körper dem der Jahre, das ist der äußere Kultus, oder was allein die Einbildungskraft und die Sinne trifft." „All' unsere Dogmen und der ganze Kodex unsrer religiösen Moral finden sich in den drei Glaubensartikeln: Es existirt ein Gott allein, Schöpfer und Lenker der Welt, unsichtbarer Richter aller unserer Handlungen, höchster Belohner des Guten und des Bösen; Alle Menschen sind die Kinder eines und desselben Vaters, und ihre Pflicht ist, sich zu lieben mit derselben Liebe, wie Jeder sich selbst liebt; Die ganze Menschheit, so traurig jetzt in verschiedene Kulte getheilt, wird sich einst in einem Glauben vereinigen, den Namen des einen GolteS anbeten, und das göttliche Gebot, sich als Brüder zu lieben verwirklichen." „Mit anderen Worten: wir glauben an die Einheit Gottes, an die natürliche und moralische Einheit des Menschengeschlechts, und an den zukünfttgen Triumph der Wahrheit und des Friedens im Schooße der religiösen Einheit. Die Einheit, das ist das besondere Jnsiegel und der höchste Ausdruck des Judenthums." „Nicht ein einziges Prinzip giebt es, welches wir nicht mit Stolz im Angesicht der modernen Zivilisation bekennen können. Sie richten sich alle drei, nicht allein an den Glauben des Israeliten, sondern an die Intelligenz und den Glauben aller Menschen. Die Fortschritte der Vernunft, weit entfernt sie zu schwächen, haben ihre Herrschaft nur ausgedehnt, indem sie ihnen mehr Kraft und Glanz verliehen. Sie sind es, welche uns aufrecht erhalten haben unter den Trümmern aller der Reiche, aller der Geschlechter und aller der Religionen, welche unsere Väter haben entstehen sehen, von denen unsere Väter zu leiden hatten. Sie sind es, denen wir unsre Kraft, unsre Einheit, unsre merkwürdige Ausdauer verdanken; ihnen, und nicht, wie ein finstrer Fanatismus zu sagen sich gefällt, der Wirkung des göttlichen Fluches! Nichts lebt, Nichts dauert als durch die Wahrheit und den Schutz Gottes. Wenn wir nicht für uns Gott und die Wahrheit hätten, lägen wir längst im Grabe, wo alle Größen und alle Gewalten der Vergangenheit schlummern.". 52*

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