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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-12-21 · Heft 52 (21.12.1846) · p. Seite 754

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 52 (21.12.1846)
Date
1846-12-21
Page
Seite 754 (sequence 2)
Language
German
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754 Dies ist die Emanzipation beim Volke/welcher früher oder später die deS Staates folgen muß. Dies ist zugleich der edelste Weg zur Erlangung der Emanzipation, da dir Letztere an sich dabei gar nicht angestrebt, gar nicht im Auge gehabt wird, sondern sich dabei als Re-- sultat von selbst herausstellt, da hierbei die versittlichende Kraft zurück wirkt, und nur immer höhere Entwickelung hervorbringt. Man wird sich aus den englischen Debatten erinnern, daß auch da wiederholt auf die uneigennützige Wohlthätigkeit der Juden hingewiesen, und diese als sprechendster Argument geltend gemacht wurde. Mögen wir auf diesem Wege fortfahren — Heil uns dann, so wie Heil den Völkern, die das anerkennen, die solche Werke für überzeugend ansehen! Zeitungsnachrichten. Rußland und Polen. Warschau, 5. Dezember (Privatmitth.) Sie wollen wissen, welch einen Eindruck auf die jüdische Bevölkerung die Veränderung der Kleidung gemacht hat, welchen Einfluß sie übt? Es ist dies sehr verschieden, je nach dem verschiedenen Standpunkte. Es giebt hier, in Warschau, eine bedeutende Zahl Männer, welche seit vielen Jahren die polnische Tracht abzulegen, und die europäische zu tragen wünschten, aber theils aus Familienrücksichten, theils aus einem Rest von Aberglauben es nicht wagten. Diese Alle ließen sich mit vielem Wohlgefallen zwingen, sich europäisch zu tragen; schnell istbieVerwandelung vor sich, und spurlos an ihnen vorübergegangen. Ich kannte unter diesem Etliche, die bei öfteren Reisen nach Deutschland regelmäßig an der deutschen Grenze die europäische, an der polnischen die polnische Tracht anlegten. Gerade im Gegensatz sind Männer, von denen man es am Wenigsten vermuthete, plötzlich von der stärksten Liebe für die polnische Tracht befallen worden, die man weit davon entfernt glaubte. Es zahlen Leute aufs Bereitwilligste ihre 30V Rubel jährlich, um die Kleidung tragen zu können, welche in vielen Dingen nicht so skrupulös zu sein schienen. Die Anwesenheit von Sir Moses Montefiore hat hierin außerordentlich gewirkt, und Viele für diese Kleidung inflammirt, welche es früher nicht waren. — Daß nun aber die große Masse des Volkes, namentlich alle älteren Personen tief von diesem Trachtwechsel betroffen worden, und große Seelenkämpfe dabei zu kämpfen hatten, können Sie wol voraussetzen. Mein Gott! wer trennt sich gern von dem, worin er groß und alt geworden, was ihm auf den Leib und ins Herz gewachsen, worin er sich von je gesehen und lieb gehabt, — und zwar durch Zwang!! — Was nun den Einfluß, den dieser Wechsel nach innen, auf die Gesinnung übt, betrifft: so kann ich Ihnen ein doppeltes Sprichwort anführen, welche Beide hier Anwendung finden: „Kleider machen Leute," und „Das Kleid macht nicht den Mann." Halten Sie sich überzeugt, daß auch die jüdische Bevölkerung in Polen, insbesondere die Jugend, lange nicht mehr so polnisch-orthodox gesinnt ist, wie früher. Aber was sie darin im Allgemeinen festhielt, war — die Scham und Furcht. Die Furcht vor der öffentlichen Meinung in ihrem Kreise, die Scham, als unfromm, als ein Posche ausgeschrieen und vecurtheilt zu werden. Auf diese paßt nun das Sprichwort: „Kleider machen Leute". Sie haben den Rubikon überschritten, sie erlauben sich auch andere Dinge, als wenn diese mit der Kleidung zrü sammengehangen — und der Gang der Verhältnisse läßt, sich mit der Zeit nach dem in Deutschland ermessen. Diejenigen aber, welche eine wahrhaft polnisch-orthodoxe Gesinnung haben, und dies ist allerdings die immense Mehrheit, namentlich außerhalb Warschau's — nun: „das Kleid macht nicht den Mann" diese haben dieselbe Gesinnung in die europäische Tracht übertragen; was soll hier eine Veränderung ihrer Leibesoberfläche für Einfluß haben? Unsere Väter verloren den Opferdienst und wußten sich zu helfen, und wurden alsdann erst recht talmudisch, warum wir nicht nach Verlust der polnischen Kleidung? Wo die Entwickelung nicht von innen begonnen, nicht von innen heraus wirket, was soll da die Macht des Schneiders sein? Giebt es nicht Polen genug in Deutschland? Frankreich. Paris, 7. Dezember. Am 30. November, um 4 Uhr Nachmittags, fand im Tempel der Straße Notre-Dame-de-Nazareth die Installation des Herrn Marchand Ennery alS Großrabbinen des Zentral-

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