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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-12-14 · Heft 51 (14.12.1846) · p. Seite 746

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 51 (14.12.1846)
Date
1846-12-14
Page
Seite 746 (sequence 10)
Language
German
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746 bedenken, daß es nicht bloß lokale Zustände, daß es Lebensfragen des ungarischen Judenthums sind, welche hier gegenwärtig ausgefochten werden. Es wird zur Zeit eine vollständige Geschichte der hiesigen Rabbinerwahl erscheinen, vorläufig diene zur Beleuchtung der Vorgänge folgende Erklärung: I. Die hiesige Lokalbehörde hat vermöge ihres kontraktlichen, im 90jährigen Usus geheiligten Rechtes aus äußerst wichtigen juridischen und moralischen Gründen sich bewogen gefühlt, bis Rabbinat und Schulangelcgenheit geregelt sind, das Stimmrecht der hiesigen Gemeindeglieder derart zu modifijiren, daß unter den 400 hiesigen Gemeindegliedern mehr als 250 stimmfähig sind. Hiedurch ward den Besseren der Gemeinde Muth verliehen, für das Gemeindewohl etwas Ersprießliches zu leisten; der bessern Menge ward ihre gebührende Geltendmachung möglich, und jener rohen Masse, welche seit Jahren keine andre Aufgabe hat, als die Gemeinde in Verlegenheit zu stürzen — und sich in Ausartungen zu üben, ward, wenn auch nicht der Einfluß, doch der Heerd ihrer rohen Umtriebe benommen. II. Hier ist weder eine orthodoxe, noch neologe Partei. Es giebt hier keine drei Individuen, welche rnina ■ppoiy er sind; keine fünf, welche einen, wenn auch nur im korrupt rabbinischen Style, hebräischen Brief schreiben könnten. Es ist hier kein Haus, wo die alte gut jüdische Erziehung den Kindern zu Theil würde; oder das gemüthlich patriarchalische Leben früherer öTa •'b?a gekannt wäre. Die sich hier gegenwärtig orthodox nennen, sind bloß eine voll Trotz und Rache erboste Partei, die ihrer Behörde einen Possen zu spielen aufgereizt und thätig ist. Unsere sogenannten Neuerer wollen bloß gute Schulen, eine gute Predigt und einen Rabbiner, der in seinen Manieren und seiner Lebensanschauung mehr einem Europäer als Braminen ähnlich ist. III. Ist die Zahl der Freunde des Oberrabbiners Löw keine unbedeutende. Als er hier ankam, machte ihm die aus nbnpn aiv bestehende man ein sehr werlhvolles Geschenk. Die nuspiao man ernannte ihn zum Ehrenmitgliede. Seine Religionsschule ist übervoll. Bei seiner in voriger Woche eröffneten mar; ^:'n, wo er Jeremias vorträgt, sind über hundert Gemeindemitgliever. Bei seinen mia-n und Predigten ist die Synagoge zum Erdrücken voll. Dessen wirkliche Feinde bestehen aus einigen verkrüppelten Menschen und aus einigen Böswilligen, welche sich zwar öffentlich gegen diese Zumuthung verwahren, aber heimlich ihre Ranke schmieden und den demoralisirten Theil der hiesigen Gemeinde zu Prozessen aufreizen, welche auf die äußere Stellung der ungarischen Fsraeliten, den traurigsten Einfluß haben werden. *) IV. Verdient es einer Erwähnung, daß Rabbiner Löw keineswegs durch, seine Uebersiedelung nach Papa seine pekuniären Verhältnisse verbessern wollte. Was die kanissaer Gemeinde für ihn zu thun bedacht war, und ihm schriftlich zusicherte, wird die hiesige, an Leistungen ganz ungewöhnte Gemeinde, nie thun. — Herr Rabbiner Löw konnte dem Drange, für die hiesige äußerst verwahrloste Gemeinde etwas thun zu können, nicht widerstehen, und gab den dringenden Bitten der hiesigen Gutgesinnten und der huldreichen Aufforderung Sr. Exzellenz unseres gnädigsten Grundherrn nach, das hiesige Rabbinat anzunehmen. Wenn die Hochachtung und Verehrung, welche Rabbiner Löw inKanissa genoß, aus dem erwähnten kanissaer Gemeindebeschluß und aus dem mittelst einer Deputation an die hiesige Gemeinde überschickten Schreiben sichtbar ist, so ist aus dem. von Sr. Hochgeboren dem Herrn Grafen Leo Festetics, k. k. Kämmerer und Obergespann des löblichen zalader Komitates an denselben gerichtetes Schreiben **) ersichtlich, wie *) Die Sensation, welche die Verfolgung des Rabbiners Löw, bei dem judenfreundlichen Adel Ungarns wacht, ist beispiellos. Man denke sich die Prämissen, welche man hiebei macht — und das Entzücken gewisser Preßburgcr! **) Dieses Schreiben lautet wörtlich: Z. Egerseg, den 17. Juni 1846. Würdiger Herr Oberrabbiner! Mit wahrem Leidwesen — und ich sage die Wahrheit wenn ich offen äußere, mit wahrem Schmerz, erfahre ich, daß Sie, ehrwürdiger Herr, Ihre Gemeinde verlassen und aus jener Gegend, wo man Sie so innig verehrt, einer unbestimmten Zukunft entgegen gehen wollen. Ich glaube mit aller Zuversicht behaupten zu können, daß die Stände des löblichen zalader Komitates diesen Verlust eben so schmerzlich fühlen würden, wie ich; und ich glaube ihre Wünsche auszusprechcn, wenn ich Ihnen meine herzliche Bitte unterbreite: jenen Platz, den Dieselben mit so vieler Liebe und in so vollkommenem Maaße auSfüllrcn, auf welchem Sie sich die Dankbarkeit und die Liebe so zahlloser Menschen auf dem gerechtesten, menschlichsten

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