Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1846)
- Date
- 1846-12-14
- Page
- Seite 745 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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74* gierungskommiffar, Ministerialrath Dr. Breitenbach, auf dieselben Gründe, welche die Regierung in den Motiven für den Artikel geltend gemacht hatte; nämlich nicht Religionshaß, sondern Ueberzeugung von dem Ungedeihlichen solcher Mischehen, der leicht übel ausschlagenden Erziehung der Kinder rc. sei die Ursache davon gewesen. Erklärt im entgegengesetzten Sinn und auf das Streichen des Artikels dringend sprachen dagegen die Abgg. Otto, Kilian, Franck, Brunck, Schmitthenner, Aull, Graf Lehrbach, Glaubrech und Wernher, während mit dem deutlich ausgesprochenen Vorgefühle, zu unterliegen, der Abg. Weyland sich des Entwurfs annahm und als seine volle Ueberzeugung erklärte, daß eine solche Ehe, wenn sie von Juden und Christen, die ihrem Glauben vollständig anhingen, geschlossen würde, weder für die Gatten noch für die Kinder Glück bringen könne. Die Abstimmung siel günstig für die Gegner des Regierungsentwurfs aus, indem die Kammer Letztern mit 41 gegen 6 Stimmen ablehnte, also die Ehe zwischen Juden und Christen gestattet haben will. Oesterreich. Pcsth, 18. November. (Privatmitth.) Bor Monaten bereits (No. 24) schrieb ich Ihnen von den Rabbinatswirren, die in unseren Gemeinden an der Tagesordnung sind, Zwietracht und Feindseligkeit unter die sonst so einigverbündeten Mitglieder streuen, den auch bei uns der Entwicklung entgegenreifenden Fortschritt hemmen, wenn nicht gar retrogradiren und die wenigen Kräfte zur Schaffung und Förderung des Dringendnöthigcn und Zeitgeistgebotenen aufzehren oder doch zersplittern.... Leider hat das Uebel seitdem weiter um sich gegriffen und andere Gemeinden angesteckt und drohet cs täglich allgemeiner und weitverbreiteter zu werden.... Andere kleine Vorfälle übergehend, die bei uns, weil schon alltäglich geworden, kaum von sich reden machen, wie z. B. daß sie vor Kurzem (man sagt am us&n :nj>!!) den Rabbiner zu Ujhely mit der Schub weggeschickt, in K. der vor zwei Monaten mit allgemeiner Zufriedenheit aufgenommene Rabbiner bereits wieder entlassen, daß in P. vor Kurzem ein junger Rabbiner ausgenommen, und als er zur bestimmten Zeit dahinkam, um sein Amt anzutreten, allsoglcich zurückgeschickt wurde u. a. dgl. Vorfälle, die wol zu Mj-stfcres des Juifs de la Hongrie reichen Stoff bieten, bei uns aber kaum ein Lesepublikum finden dürften, weil sie vor Niemand mehr Geheimniß sind und Jeder sie aus seinem eignen Leben kennt, — diese Bagatellen übergehend wollen wir heute vorzüglich auf die zum Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit und zum allgemeinen Gespräche gewordenen traurigen Vorfälle in der reichen und angesehenen Gemeinde zu P—a Hinweisen, Vorfälle, von denen Ihnen wol schon Etwas zur Kunde mag gekommen sein, wenn man auch mit Recht sich scheuet, diese Cbroniqueseandaleuse-Bereicherungen vor das Licht derOeffentlichkeit zu bringen und auch ich keineswegs geneigt bin dies mißliebige Amt zu übernehmen unseren Lesern diesen Unrath aufzutischen und Ihr Organ mit Aufzählung solcher Fakta zu beschmutzen.... Wäre es nicht schon an der Zeit, mittelst energischer und durchgreifender Maßregeln diesem Uebel,diesem Schandflecken an unseren Zuständen, der die Würde des Rabbinats und des Judenthums überhaupt so sehr herabsetzt, zu steuern??... Der Grund liegt bei den kleineren Gemeinden größtentheils in der Käuflichkeit der Rabbinate, worüber ich Ihnen längst (1845. No. 15) Ausführlicheres schrieb, bei den größeren Gemeinden aber in den schlechtgeregclten, mit den Ansprüchen der Gegenwart nicht mehr akkordirenden Gemeindeverhältnissen.... Als Folie zu diesen traurigen Bildern nehmen Sie die Nachricht, daß Herr Jakob Steinhart, der vor zwei Jahren als Rabbinatsverweser nach Arad kam, sich die Achtung und Liebe seiner Gemeinde derart zu gewinnen wußte, daß er am 18. Oktober definitiv als Oberrabbiner und Schuldirektor eingesetzt wurde. Herr St. hat das seltene Glück einer Gemeinde vorzustehen, wo all' die harten und epinösen Kämpfe, die jeder bildungs- und fortschrittliebende Rabbiner in Ungarn zu bestehen hat, bereits durchgekämpft, das Feld von den alten Gegnern geräumt und das Territorium zum Fortschreiten und Fortbilden geeignet ist. Sein fester Charakter und seine echte Bildung läßt hoffen, daß er die gegebenen Vortheile redlichst benützen und seinem heiligen Berufe auch fernerhin mit Eifer und Treue vorstehen werde.... J- Ebu. Papa, 20. November. (Privatmitth.) Wenn in diesen Blättern von den hiesigen Gcmeindewirrcn jetzt mehr, als es sein sollte, dieRede ist: so muß man 51»