Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1846)
- Date
- 1846-12-14
- Page
- Seite 743 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225495--08214-3239020- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
743 mehr einen lebendigen Grund darböte, das vorhandene Geld doch noch einen silbernen, um das Institut in seinen Beamten zu, erhalten. So weit berechnet man die Lebenskraft einer freien Genossenschaft! Die zweite Befürchtung ist, daß man endlich mit der bisherigen Diplomatie, mit dem bisherigen leisen Durchschlüpfen nicht mehr auszureichen vermöge. Die Idee der Synode hat man längst als ein Wahngebilde aufgegeben, und so wollen denn die Bevollmächtigten etwas Bestimmtes aufstellen, um das sich die Getreuen schaaren sollen, und welches einen neuen Eifer wecken soll. Dies ist — die Abschaffung der Beschneidung und des Sabbats. Hiermit hätte denn die Genossenschaft Orthodoxe, Konservative, bisherige Reformer, Rabbinerversammlung, Alles, Alles hinter sich, das ganze Judenthum läge hinter ihrem Rücken, und die tabula rasa, auf welcher eine aller Form entbehrende Religion ebenfalls als eine tabula rasa stände, wäre endlich da. Das wird neuen Lärm, neues Furore, neue Erhitzung geben, und für die nächste Zukunft wäre gesorgt. Freilich steht aber auch die Gefahr bevor, daß viele Genossen sich das doch nicht gefallen lassen werden, daß Biele, die den srühern Gang der Genossenschaft nicht mißbilligten, nunmehr sie desavouiren werden -allein still stehen kann man nickt mehr. Jndeß ist man aus dem. Provisorium, dem beliebten Schildträger der Genossenschaft, doch noch nicht heraus. Mit Neujahr wird eine provisorische Religionsschule eröffnet, worinHerrRebenstein unterrichten wird. Man hat provisorisch den Eltern noch frei gestellt, ob sie ihre Kinder hebräisch unterrichten lassen wollen oder nicht. Nach Abthuung des Provisoriums wird man dies auch abthun. Berlin, 7. Dezember. (Privatmitth.) Den städtischen Behörden unterliegen jetzt die an den nächsten märkischen Landtag zu richtenden Petitionen zur Berathung vor. Unter diesen befindet sich auch eine über die Rechtsverhältnisse der Juden. Auf völlige Gleichstellung werden wol die städtischen Behörden nicht antragen; die bequeme Mittelstraße, um völlige Erfüllung des Gesetzes von 1811 zu bitten, wird auch diesmal aushelsen. Berlin, 6. Dezember. (Privatmitth.) Der Eid moro juäaico wird, was die Vorhaltung betrifft und vorerst bei Zeugeneiden, eine Veränderung erleiden. Es hat sich die bei christlichen Zeugen gesetzliche Vorhaltung eben so unbrauchbar und. unzeitgemäß herausgestellt, was namentlich Wirkung der öffentlichen Gerichtssitzung war. Die vielen Schwierigkeiten, welche die konfessionellen Beziehungen jetzt bereiten, kckmen dazu, und so will man eine kurze, einfache, aller konfessionellen Färbung entbehrende Vorhaltung zur Betheuerung der Wahrheit Herstellen. Berlin, 8. Dezember. In der Bekanntmachung des Vereins der Bäckerei für die Armen, welcher den Armen wohlfeiles Brod beschafft, hebt derselbe ganz besonders die reichen Gaben jüdischer Wohlthäker hervor. Deutschland. Osterberg bei Kaiserslautern (bair. Pfalz), 30. November. (Privatmitth.) Die Presse ist dazu da, die Uebergriffe nach jeder Seite hin zu bekämpfen, um nur dem Geltung zu verschaffen, was in reiner Intention und mit reinen Mitteln unternommen worden. Wir haben hier am 3. d. M. vor dem Zuchtpolizeigerichte in öffentlicher Sitzung ein Schauspiel erlebt, das sicherlich einer strengen Mahnung bedarf. Die Israeliten K. und O. waren von Herrn Rabbiner S. angeklagt, ihn am letztverflossenen dt» aa» ‘ns,o in der Synagoge durch Worte in Verrichtung seiner Funktionen gestört zu haben. (Wenn ich nicht irre, war nämlich dies die Veranlassung, daß jene behaupteten, man sage an diesem Tage kein ir-arr irabu.) Herr Rabbiner, der bei dieser Sache selbst als Zeuge geladen war, deponirt« mit der größesten Leidenschaftlichkeit, und suchte namentlich die als Entlastungszeugen geladenen Israeliten, zwanzig an der Zahl, worunter die angesehensten der Stadt, als Theilnehmer eines Komplotts darzustellen; dieses Komplott stünde seinen reformatorischen Bestrebungen stets hindernd im Wege, und suche alle Verbesserungen, die er im Gottesdienste einzuführen gedenke, zu Hintertreiben, nicht sowol aus innerer Frömmigkeit, als vielmehr aus persönlichem Hasse gegen ihn selbst. Als Beleg seiner Behauptung verließ Herr S. plötzlich den eigentlichen Boden der Verhandlung, und führte an: es existire ein Gebet, das sogenannte ba, das am Versöhnungsfeste gesprochen werde.