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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-12-14 · Heft 51 (14.12.1846) · p. Seite 742

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 51 (14.12.1846)
Date
1846-12-14
Page
Seite 742 (sequence 6)
Language
German
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742 mühten sich nun eifrig, die Rücknahme des erwähnten Ministerialreskripts zu bewirken, was ihnen jedoch nicht'gelang. Mur soviel bewirkten sie, daß dem Reskripte die Deutung gegeben wurde, es sei bloß von rabbinischen Funktionen für die Gemeinde als solche die Rede; es sei einem Jeden aber gestattet, seine Angelegenheiten durch einen Beliebigen, welchen er für sich als Rabbiner betrachte, versehen zu lassen, und die Anhänger des rc. Tiktiu könnte sich auch seiner bedienen. Dieser predigt daher in der von seinen Anhängern besuchten Synagoge, und — dies ist das Einzige, worin sich die Verhältnisse geändert haben; denn Trauungen udgl. sind bekanntlich in den alten preußischen Provinzen keine rabbinischen Funktionen, und konnte diese stets ein Jeder verrichten. Ueber die Einigungsversuche, die ohne einen gesetzlichen Boden, trotz den mancherlei Zugeständnissen, welche von Seiten der Gemeinde gern aus Liebe zum Frieden gemacht würden, wol schwerlich ein befriedigendes Resultat erreichen dürften, ausführlicher zu sprechen, ist wol vorläufig überflüssig. Königsberg, 1. Dezember, vr. Falkson in Königsberg hatte sich bekanntlich, da ihm die Ehe mit einer Christin nicht gestattet war, mit seiner Braut nach England begeben und daselbst trauen lassen. Nach Königsberg zurückgekehrt, hat sich das Gericht sofort wieder mit der Frage der Gültigkeit dieser Ehe beschäftigt und beschlossen, in Betreff der formellen Gültigkeit der Ehe die englischen Gesetze anzuerkennen, in Betreff der materiellen die preußischen. Hier komme der §. 36. Th. II. Tit. 1 des Allgemeinen Landrechts zur Anwendung, daß ein Christ mit solchen Personen keine Heirath schließen dürfe, welche nach den Grundsätzen ihrer Religion sich christlichen Ehegesetzen zu unterwerfen verhindert seien. Ob Juden zu diesen Personen gehörten, dafür liege der Beweis dem Staatsanwalt ob, da seine bisherigen Ausführungen den Rechter nicht überzeugt hätten. Es müsse daher ein Gutachten des hiesigen Konsistoriums und des Oberlandesrabbiners *) eingeholt werden. Berlin, 3. Dezember. (Privatmitth.) In dem Lager der hiesige» Reformgenoffen ist, wie es sich nicht anders erwarten ließ, eine völlige Gleichgültigkeit eingetreten- und hätte der Berliner nicht gern etwas Apartes, und schiene etwas Apartes, so wäre gar keine Rede mehr davon. Wo ist verschöne, lebhafte Enthusiasmus? wo der Feuereifer, 'der nach jenem ersten Sendschreiben und nach dem ersten Gottesdienste alle Geister ergriffen hatte? Längst verflogen, längst erloschen. Ich sagte, wie es sich nicht anders erwarten ließ. Denn wo einige Wenige zur Befriedigung ihrer Interessen und ihres Ehrgeizes sich einer schönen, reinen Sache bemächtigen, sie beherrschen und allein leiten wollen— da muß die Masse bald erkalten, und zuletzt straft der selbstische Zweck seinen Träger selbst. Die Berliner sind endlich dahinter gekommen, daß die Generalversammlungen Farcen waren, daß sie zu den Generalversammlungen lediglich zum — Ja sagen berufen werden, und daß man, womit man zu scheitern befürchtet, abbricht und selbst abmacht. Die Berliner sind nachgerade dahinter gekommen, daß sie nur daß Werkzeug der Bevollmächtigten sind, und daß diese wieder einigen Einzelnen willige Werkzeuge. Daher wurden die letzten Generalversammlungen nach Berhältniß sehr wenig besucht, und der Bevollmächtigtentisch sah sich von einer geringen Zahl Jünger umgeben. Die Furcht, die aus diesem offenbaren Zeichen der Lauheit entstehen mußte, hat nun die Bevollmächtigten vermocht, einen Saal zu miethen, wo je 20—30 der Genossen eingeladen werden sollen, den Berathungen der Bevollmächtigten beizuwohnen, d. h. wol weislich hinter der Barriere, ohne Antheil und Stimme. Wie lange da die Herren Genossen sich von ihren gewohnten Abendvergnügungen abhalten lassen werden, läßt sich denken. Der Mensch spricht noch lieber, als er hört, und wo er verurtheilt ist, stumm zu bleiben, da verliert er bald die Lust, gegenwärtig zu sein. Noch zwei Befürchtungen mußten in den Leitern der Genossenschaft,aufsteigen. Die erste: mit der Zeit von den Geldmitteln entblößt zu sein. Würden 20—30 wohlhabende Familien der Genossenschaft wieder absagen: so säße sie auf dem Sande. Die Aktienkalamität war daher ein starkes iUewento wori, und die neue Synagoge steht, wenn sie einm schönen, veredelten Gottesdienst herstellt, drohend für die Zukunft da. Man kam daher auf den Gedanken eines eisernen Fonds, damit, wenn der Eifer nicht *) Wo restdirt dieser?

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