Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1846)
- Date
- 1846-12-14
- Page
- Seite 740 (sequence 4)
- Language
- German
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740 jo schreibt der Prophet auch vor, daß diese „Arbeiter der ^tadt" aus allen Stämmen genommen sein müßten. Von dem Inhalte dieses ProtzhetenflückeS ist niemals Etwas Ln die Wirklichkeit übergegangen. Da die Basis desselben, die Rückkehr des ganzen Israels, aller 12 Stamme, nach Palästina, nicht verwirklicht worden, so konnte sein Grundgedanke keine Anwendung finden; es verpflanzte sich, nach den geschichtlichen Angaben, ein so geringer Theil der Volksmaffe nach Palästina zurück, daß von einer Ausführung der Vorschriften hinsichtlich der Vertheilung und Verfassung keine Rede sein konnte. Da aber auch spater ein fester Anschluß an den Buchstaben des mosaischen Gesetzes den ganzen Geist Israels durch- Lrang und fesselte: so konnte auch das Detail der übrigen Vorschriften des Propheten zu keiner Geltung kommen. Es ist bekannt, Ln welche Verlegenheit daher die Talmudisten mit unserm Stücke kamen, da sie ihm, als einem Propherenstücke, doch die Autorität nicht absprechen konnten, wie man daher seinen ganzen Inhalt auf die messianische Zeit verschob, und die Deutung des Details, die Ausgleichung der Widersprüche mit dem mosaischen Gesetze — dem Propheten Elijahu bei seiner Rückkehr vorbehielt Onumb irrbN vro> it rums). Bei der großen Wendung, welche der israelitische Geist während des Bestandes des zweiten Tempels nahm: die Festhaltung des mosaischen Buchstabens ohne die Verwirklichung des mosaischen Geistes — mußte die große Idee unsres Propheten spurlos vorübergehen. Spurlos? Wer will dies im Reiche des Geistes behaupten?! Daß dieses Schriftstück zur Erhaltung des väterlichen Gesetzes Ln den exulirten Israeliten beigetragen haben kann, und so der nächstgelegene Zweck des Propheten dennoch erfüllt worden sein kann, ist, wenn auch nicht nachzuweisen, doch ebensowenig geradezu abzusprechen. Seine Existenz zeugt dafür. Um so mehr ist es unsre Aufgabe, auch hier auf die Tendenz des in der talmudischen Zeit Ln den Hintergrund getretenen Propheten einzugehen, und sie, zum Nutzen einer richtigern und h'öhern Anschauung unsrer Religionsgeschichte, an's Licht zu ziehen. Wir haben von vorn herein diese Tendenz als eine zwiefache erkannt: 1) die Erhaltung des mosaischen Kultus, und 2) die Annäherung an die mosaischen Zustände, oder, wie wir nun, nachdem wir das Materielle hinter uns haben, sagen können: die Verwirklichung des mosqischenGeifies. LemerstemPunkte dienten die Beschreibung des Tempels-, die Bestimmungen über das Opfer- und Priesterinstitut,. dem zweiten die Verordnungen über die Verfassung und Verthriluna des Landes. 7 Hierdurch ist aber auch die Frage gelöste welche der Anerkennung der Echtheit unsres Stückes widerstrebte: wie kömmt ein Prophet dazu, so sorgfältig über Opfer und Priester zu verhandeln, während der prophetische Geist überall auf die Ersteren keinen Werth zu legen, »gßgea die Zweiten wegen ihres Abfalls und ihrer Heuchelei sich auszusprechen pflegte? Die Propheten standen einem von Götzendienst befleckten, lediglich werkheiligen Opferwesen und einer verheuchetten, zu den Füßen der Herrscher kriechenden, gegen das Volk aber despotischen Priesterkaste *) gegenüber: Jecheskel aber dem babylonischen Götzendienste, dem anheimzufallen die jüdischen Exulanten**) sehr in Gefahr standen, gegenüber, welchem gegenüber er den mosaischen Kultus zu einer .Zeit, wo-der Volksgeist über den Opferkultus noch nicht hinaus war, in seiner Integrität zu erhalten streben mußte. Was den zweiten Theil seiner Tendenz, die Verwirklichung des mosaischen Geistes, anbetrifft: so sehen wir sie insbesondere in folgenden Punkten hervortreten: 3) völlige Gleichheit der Israeliten unter einander. Darum sehen wir den Propheten eine völlige Gleichheit der Vertheilung anstreben, darum die Stadt sämmtlichen Stämmen übergeben, darum noch mehr den Fürsten, die Priester und Leviten aus dem Volke gänzlich ausscheiden, darum die Macht des Fürsten möglichst beschränken. Er heißt in dem ganzen Stücke nicht ein einziges Mal “jb^ König, sondern tru» Fürst ***), es wird ihm ein bestimmtes Gebiet ganz zu eigen gegeben -f), hingegen jeder Erwerb von Laad über dieses Gebiet hinaus strengstens unter- *) liebte doch diese selbst über die Propheten eine strenge Zensur, wie Zirm. 29, 26. geradezu ausgesprochen, im Leben dieses großen Charakters wiederholt bethätigt wird, z. B. 20, 2. ff. **) Versagt doch der Prophet deshalb den auf zwei Seiten hinkende« Aeltesten die Antwort, 14, 3. 7. 20, 3. ***) Wo der „Könige von Juda" in unserm Stücke gedacht wird, sind es nur die früheren götzendienerischen 43, 7. 9. f) Daß dies die Intention des Propheten war, sieht man klar aus dem Zusatze 45, 8.: „Als Land soll es ihm gehören, als Eigenthum in Israel, damit meine Fürsten nicht mehr mein Volk drücken, sondern das Land dem Hause Israel nach seinen Stämmen überlassen."