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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-12-07 · Heft 50 (7.12.1846) · p. Seite 733

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 50 (7.12.1846)
Date
1846-12-07
Page
Seite 733 (sequence 9)
Language
German
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733 1) les Archires israelites de France, 2) FUnivers israelite, 3) la pure yerile (ohne bestimmte Zeit), und 4) 1a Paix. La reyue orientale in Brüssel ist eingegangen. — Das erste Heft des „Friedens" enthält außer einem Programm, welches den Konservatismus predigt, einen Aufsatz: „ein französischer Jude an die fremden Herrscher" von Davidson, der einfach die Sache der Juden den Königen an's Herz legt. Ferner: Erklärungen der „Sprüche der Väter"; „von der religiösen Presse", ein andres Programm, welches vom israelitischen Journal die Nichtberührung irgend einer Tradition verlangt; die Sage des Rabbi Ammon (Neth. Thor.),* Mira, eine Novelle; die bekannte Erzählung vou Alexander dem Großen mit dem Schädel; Briefe eines Israeliten von Magador, fingirt und ironisch über Mißbräuche im Konflstorialtempel zu Paris; die Humanität, Gedicht; einige Neuigkeiten. Korrespondenz. Aus Ostindien. Ueber die Religionen der Völker des ostindischen Archipels. Bruchstücke aus meinem Tagebuche. I. Wenn man ein Volk in physischer und psychischer Hinsicht kennen lernen will, so ist eines der Haupterforderuisse, nach seiner Religion zu forschen. Die religiösen Ansichten sind so innig mit dem Wesen und dem Charakter eines Volkes verwebt, daß aus ihrer Betrachtung, und zwar nicht bloß aus den Dogmen der Religion selbst, sondern vorzüglich aus der Weise, wie dieselben ausgenommen, ausgelegt werden, und aufs praktische Leben influiren, die Eigenthümlichkeiten eines Volkes allein erkannt werden können. Es ist das charakteristische Merkmal des Menschen überhaupt, daß er einen Glauben besitzt, das heißt, daß ihm die Idee eines höher» Wesens, die Ahnung eines Bestehens nach dem Irdischen und ein Gefühl von Tugend eingepflanzt ist, so sehr auch diese ursprünglich einfachen und erhabenen Ideen in verschiedenen Religionen getrübt und verunstaltet sind. Der Schöpfer hat gewisse Wahrheiten in die Brust des ganzen Menschengeschlechtes gelegt, und sie sind in unserm Geiste so tief gewurzelt, daß sie ein wesentliches Kennzeichen desselben sind, und vielleicht den einzig qualitativen Unterschied des Menschen vou den übrigen Geschöpfen bilden. Uw sich davon zu überzeugen, muß man die einzelnen Momente des Zweifelns, so wie die atheistischen Systeme, geringe und nur scheinbare Abweichungen von der Regel, eben so wenig zur Basis der Untersuchung nehmen, als man bei Beschauung des menschlichen Körpers und der Zweckmäßigkeit seiner Einrichtung einzelne kranke und difforme Individuen zum Maßstabe des ganzen Geschlechts wählen darf. Der Zweifel an dm Grundwahrheiten und das Leugnen derselben sind vielleicht moralische Krankheiten, so wie die Difformitäten und Krankheiten des Körpers physische Uebel sind, die weder dem ganzen Geschlechts zukommen, noch bleibend und wesentlich sind. Aber man werfe einen Blick auf das menschliche Geschlecht im Ganzen und die verschiedenen Völker und Volksstämme insbesondere. Kein einziges Volk, keine auch wildeste und roheste Horde hat man jemals gefunden, die nicht eine Religion hätte, nämlich eine dunkle Ahnung eines höher» Wesens, eines Bestehens nach dem Irdischen und eine Idee von Moralität. Mögen diese Ideen auch durch den absurdesten Aberglauben getrübt sein, es ist doch eine belehrende und erfreuliche Erscheinung, daß alle Völker bis auf die entferntesten Insulaner die Grundwahrheiten der göttlichen Religion, wenn auch nur sehr dunkel, doch als eine ihnen vorschwebende Ahnung besitzen. Und diese Erfahrung ist vielleicht der treffendste und noch nicht genugsam gewürdigte Beweis von der Wahrheit der religiösen Prinzipien in ihrer Reinheit, welche die Philosophie durch Vernunstschlüsse zu beweisen sich bemüht. Denn was zu allen Zeiten und bei allen Völkern ohne Ausnahme gefunden wird, das kann kein zufälliges Ereigniß, das muß ein wesentliches Merkmal des menschlichen Geschlechts sein*), eine natürliche Offenbarung, die der Schöpfer in die Brust aller Sterblichen gelegt hat, und als Vernunft und Gewissen zu ihnen spricht. Um aber über den Werth einer Religion zu urthetleu, wird man die angeführte Erfahrung zur Leiterin wählen muffen. Die aus allen Religionen hervorschauenden Ideen sind Gott, Unsterblichkeit und Tugend, Aber in vielen findet man diese Ideen getrübt und verunstaltet. Die Idee einer einzigen unendlichen Gottheit artet aus in Vielgötterei, göttliche Verehrung eines Sterblichen, der Himmelskörper, der Naturerscheinungen, der Thiere, Pflanzen und endlich küust- *) Manche Reisende wollen behaupten, daß die Bewohner von Nias, einem Eilande im indischen Archipel, keine Religion besitzen. Aber ich selbst sah eine aus Holz geschnitzte Figur, die von dieser Insel kam, und wahrscheinlich ihre Gottheit als Symbol verstellte. Auch glauben sie an Geister, die die Wälder bewohnen. Korresp. 50*

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