Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1846)
- Date
- 1846-12-07
- Page
- Seite 732 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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732 Der Wahlakt wird in Brünn nach den bekannten Modifikationen Vorgehen. Sechs aus den sechs Kreisen von den Gemeindevorstehern gewählte Rabbiner bilden den Mahlkörper. Zur Kompetenz sind bloß mährische, schlesische und böhmische Rabbiner oder Rabbinatskandidaten, die mit Zeugnissen über Philosophie versehen ic. zuzulassen, deren Gesuche bis zum 15. Dezember eingebracht werden müssen. Auch ist aus dem Zirkular zu entnehmen, daß Kreisrabbinate kreirt werden sollen. Ueber das Resultat und nähere Details das nächste Mal. Großbritanien. London, 30. Oktober. (Nach Jew. Chron.) Am 15. d. Abends fand die Eröffnung einer Mädchen-Freischule auf eine sehr feierliche Weise statt. Der vr. Adler war zugegen, und hielt eine Rede, worin er in der Beweisführung, daß auch jüdische Mädchen unterrichtet werden müssen, bis auf Adam und Eva zurückging, und Rahel und Lea als Beispiele anführte. Ihn supplirte vr. Löwe, der auch Esther zitirte. Es fand ein großer Enthusiasmus statt, der die Fonds des Instituts bedeutend vermehrte. — In Jamaika florirt eine jüdische literärifche Sozietät.— In Sydn ey in Australien hat sich eine Buchhandlung etablirt, welche in ihrem Prospektus besonders die neuere jüdische Literatur nach Sydney zu beschaffen verspricht. — In Birmingham ist neuerdings ein Jude in den Stadtvorstand erwählt, so daß jetzt vier Juden in demselben sind. Italien. Rom, 8. November. Das christliche Rom liebt es, an das heidnische Rom zu erinnern. Nicht genug, daß es die Erinnerungen seiner mittelalterlichen Macht festhält, auch den Schatten seiner heidnischen Vorzeit sucht es an das Licht der Gegenwart zu zaubern. Was dienet ihm hierzu zum willkommnen, weil alleinigen Hintergründe? Die Paar Tausende von Juden, die, nicht unter seinem Schutze, sondern unter seinem Drucke, in seinem Ghetto wohnen. Bei jeder öffentlichen Feierlichkeit müssen sie als die Sklaven siguriren, welche vor dem Wagen des Triumphators hcrschreiten. Trübseliges Schattenbild, welches die Schwäche des Siegers mehr beleuchtet, als die des Besiegten. Auch als am 8. der neue Papst in feierlichem Zuge vom Lateran Besitz nahm, mußten die Juden eine Rolle übernehmen. Unter dem Triumphbogen des Titus, der wegen der Zerstörung Jerusalems errichtet worden, mußte eine Deputation, den Rabbiner an der Spitze, knieend dem Papste Huldigung und Gelübde des Gehorsams entgegenbringen. Doch hatten sie diese Rolle nicht allein zu spielen, denn am Triklinium kniete auch der römische Senat und Magistrat. — Uebrigens posaunen jetzt die Zeitungen ein wenig Almosen aus, welches der neue Papst den römischen Juden zuwirst. Möchte er ein Glied der langen Kette, die an Nacken und Armen ihnen klirrt, zerbrechen, und wir wollten ihn rühmen! Krakau. Krakau, 20. November. Oesterreich hat die Republik Krakau in Besitz genommen. Die politische Seite dieses Ereignisses haben wir Gott sei Dank! nicht zu erwägen. Aber die 11,000 Juden, die das krakauer Ghetto bewohnen? Nun, diese haben sicherlich freiwillig illuminirt. Der Druck, den die selige Republik unseligen Angedenkens aus dieselben geübt, die Sklaverei, in welcher dieser Freistaat sie schmachten ließ — sie konnten nicht ärger sein. Also auch hier — nicht die heidnische Nemesis — nein, die göttliche Vergeltung, welche dem Nest der Sklaverei nicht den stolzen Prunk einer vermeintlichen Freiheit lassen kann. Unter österreichischem Szepter werden zwar die Juden von Krakau nur einer langsamen Besserung ihrer Zustände entgegengehen — aber sie haben doch keine Verschlimmerung zu erwarten. Sie haben jetzt Einen Herrn, wo sonst jeder Sohn und jeder Vetterssohn eines Senators ihr despotischer Gebieter war. Literarische Nachrichten. Paris, im November. Abermals ist hier eine Monatsschrift in's Leben getreten, unter dem Titel: LaPaix, Revue religieuse, morale et lilteraire. par une societe d’hommes de lettres, sous la direction de A. Ben Baruch (Crchange). Jedes Monatsheft soll aus 3 — 4 Bogen bestehen, typographisch trefflich ausgestattet. Es existiren also in französischer Sprache folgende Zeitschriften: